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Auf eigenen Füßen Selbst ist die Frau

Frau N. möchte frei arbeiten. Sie ist Ende dreißig, traut sich vieles zu und kennt das Geschäft seit über zehn Jahren. „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“, wird sie immer wieder gefragt. Hat sie. Und das ist wichtig. Denn beim Schritt in die Selbstständigkeit gibt es einiges zu beachten.
  • Heide Härtel-Herrmann
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Beim Schritt in die Selbstständigkeit gibt es einiges zu beachten. Foto: dpa

Beim Schritt in die Selbstständigkeit gibt es einiges zu beachten. Foto: dpa

KÖLN. „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“, wird Juliane N. auf Schritt und Tritt von ihren freischaffenden Kolleginnen gefragt. Die Frage ist etwas scheinheilig, denn die eigentliche Botschaft lautet: „Bist du eigentlich noch ganz bei Trost?! Hängst freiwillig die Festanstellung beim großen Sender an den Nagel, die für unsereins der Traum des Lebens wäre und begibst dich ohne Zwang in die Selbstständigkeit!?“ Doch Frau N. möchte jetzt frei arbeiten. Sie ist Ende dreißig, traut sich vieles zu und kennt das Geschäft seit über zehn Jahren. Auch an herausragenden Kontakten mangelt es ihr nicht. Nun sitzt sie bei mir am Tisch und möchte sich als Selbstständige umfassend absichern gegen Krankheit, Invalidität und für das Alter. In unserem Gespräch geht es zunächst um die Grundabsicherung.

Den Antrag bei der Künstlersozialkasse (KSK) hat sie schon gestellt. Denn wer seinen Lebensunterhalt aus der selbstständigen künstlerischen Tätigkeit erwirtschaftet, muss sich bei der KSK versichern. Diese Einrichtung ist einmalig, denn sie bezuschusst die Sozialversicherung für alle selbstständigen Medienleute und Künstler mit 50 Prozent der Beiträge, so wie sonst der Arbeitgeber bei Angestellten. Auch Trauerredner und Clowns versichern sich in der KSK.

Damit ist die Grundversorgung für Juliane N. schon geklärt: Die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung, die Absicherung des Verdienstausfalls ab der siebten Woche und eine minimale gesetzliche Rente einschließlich der Erwerbsminderungsrente durch die gesetzliche Rentenversicherung sind durch die KSK abgedeckt.

Durch ihren Status als Pflichtversicherte kann Juliane N. trotz Selbstständigkeit auch eine Riesterrente abschließen und bekäme eine Zulage vom Staat. Ich empfehle ihr allerdings, damit noch zu warten, bis sie genug verdient, damit das wirklich lohnt. Denn für sie, die keine Kinder hat, ist die Grundzulage allein nicht profitabel. Erst durch den Steuervorteil wird das Konzept dann hoch interessant.

Zur Basisabsicherung für Juliane N. gehört dagegen unbedingt und auch sofort die private Berufsunfähigkeitsversicherung, die sie am besten über einen Gruppenvertrag für Medienleute wählen sollte. Denn hier stimmt nicht nur der Beitrag, sondern sie kann sich mit den spezifischen Tätigkeiten einer Journalistin dort umfassend versichern. Viele Standardanbieter lieben diese Berufsgruppe nämlich nicht besonders, verlangen beispielsweise eine so genannte Künstlerklausel, die die Akzeptanz des Ausschlusses bei psychischen Beeinträchtigungen definiert oder lehnen die Versicherung für freie Journalisten pauschal gleich gänzlich ab. Juliane N. lehnt sich erleichtert zurück. Sie hat jetzt alles, was zur ersten Stufe der Selbstständigkeit gehört. Beim Folgetermin bringt sie dann noch zwei Kolleginnen mit, die ebenfalls frei arbeiten.

Die Bezeichnung freiberuflich wird umgangssprachlich oft mit Selbstständigkeit verwechselt. Doch genau genommen gilt sie im Wesentlichen für solche Menschen, die in berufsständischen Kammern organisiert sind und darüber auch ihre Pflichtversorgung regeln. Dazu gehört Claudia P., sie ist Frauenärztin, 45 Jahre alt und schon seit einigen Jahren selbstständig. Bisher hat sie nur für die Grundabsicherung gesorgt: Invalidität, Praxisausfall, Krankheit, sowie Vermögenschadenhaftpflicht – dafür sind angemessene Versicherungen vorhanden. Heute besprechen wir die zusätzliche Absicherung fürs Alter und den planmäßigen Vermögensaufbau.

Die Kammerversorgung der Ärzte hat ihr ausgerechnet, was sie mit 65 Jahren erwarten kann, wenn ihre Höchstbeiträge von etwa 1 000 Euro im Monat, die sie schon heute regelmäßig zahlt, bis dahin weiterlaufen. Das reicht ihr nicht. Ihr wurde kürzlich angeboten, eine weitere freiwillige Zuzahlung an das Versorgungswerk zu entrichten. Denn seit 2005 kann sie bis zu 20 000 Euro Beitrag für die Steuer nutzen. Ich gebe zu bedenken, dass diese Steuervorteile in der aktiven Zeit durch Steuernachteile im Rentenalter kompensiert werden könnten. Dieses Verhältnis schlägt eher zugunsten der Steuervorteile in der Beitragszeit aus, wenn die aktive Ärztin heute schon mindestens zwischen 45 und 50 Jahre alt ist. Mit 45 Jahren liegt sie also gerade an der Grenze.

Ich schlage ihr eine zweistufige Strategie vor: Bis Ende 2008 legt Claudia P. alles, was sie erübrigen kann, in Aktienfonds und Mischfonds mit hoher Aktienquote an. Das sind zum einen monatliche Beiträge, zum anderen aber auch eine hohe Zuwendung ihrer Eltern, die fürchteten, ihre Tochter könnte arm ins Rentenalter gehen und ihr deshalb einen Zuschuss zur Altersversorgung in Höhe von 50 000 Euro gegeben haben.

Der Clou: Alle Anlagen, bei denen es um Kursgewinne geht, sind bis Ende 2008 steuerlich im Vorteil – bei der Rendite sowieso. Sie gelten noch als so genannter Altfall, so dass bei späterer Entnahme, sogar noch nach 20 Anlagejahren, die neue Abgeltungsteuer nicht greift. Dagegen werden alle Erträge späterer Investitionen – also auch Kursgewinne – dann bei Entnahme steuerpflichtig und zwar pauschal mit einem Abzug von 25 Prozent.

Für ihre weitere Rentenstrategie ab 2009 schlage ich ihr dann hauptsächlich Rentenversicherungen vor. Sie wählt dafür eine private Rüruprente, anstatt die Zusatzrate in die Kammerversorgung zu stecken; denn alles auf ein Pferd zu setzen, empfiehlt sich auch bei der Ärzteversorgung nicht. Die attraktiven Zahlen dort werden vermutlich demnächst relativiert, denn Sterbetafeln und Zinssätze sind bei den Kalkulationen noch nicht modernisiert. Hinzu kommt, dass eingerechnete Elemente des Umlageverfahrens – Hinterblieben- und Erwerbsunfähigkeitsrenten – die Rendite auch für diejenigen kürzen, die das nicht brauchen. Wenn herkömmliche Rentenversicherungen ihr zu wenig abwerfen, kann sie eine Fondspolice oder ein so genanntes britisches Konzept wählen. Dabei ist der Aktienanteil veränderbar und das Risiko je nach Laufzeit frei gestaltbar. So lässt sich der eingezahlte Beitrag auch bei hoher Aktienquote sichern.

Vorbilder

Margarethe Steiff: Die im Alter von 18 Monaten an Kinderlähmung erkrankte Margarethe Steiff lernte nähen und machte sich als 30-Jährige mit einem Filzkonfektionsgeschäft selbstständig. Der große Durchbruch gelang ihr Weihnachten 1879 mit kleinen Stofftieren, die sie mit Schafwolle ausstopfte. Die berühmten Steiff-Tiere mit dem Knopf im Ohr waren geboren.

Beate Uhse: Ihre Karriere als Sexartikelversenderin begann, als Frauen sie nach Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung fragten. Ihr kleines, zweiseitiges Heft zu diesem Thema wurde auf Anhieb ein Erfolg. 1951 gründete sie im prüden Nachkriegsdeutschland ein Versandhaus für Ehe, Sexualliteratur und hygienische Artikel. 1962 eröffnete sie den ersten Sex-Shop der Welt.

Melitta Bentz: 34 Jahre alt war die Hausfrau und zweifache Mutter Melitta Bentz, als sie den Melitta-Kaffeefilter erfand: Sie schlug Löcher in einen Topf und legte ein Löschblatt darauf. 1937 erhielt die Filtertüte die heute übliche Form. Der Name Melitta steht mittlerweile für eine international tätige Unternehmensgruppe.

Die Autorin ist Inhaberin der Beratungsfirma Frauenfinanzdienst in Köln.

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