Handelsblatt-Anleger-Akademie Wachstum treibt die Aktienkurse

Natürlich hat die jüngste Finanzkrise auch die Aktienmärkte in Polen, Tschechien und Ungarn hart getroffen. Doch das ist fast schon vergessen. Tatsächlich befinden sich die Börsen in Warschau, Prag und Budapest innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends. Lesen Sie in der Handelsblatt-Anleger Akademie, welche Chancen die Anlageregion Osteuropa bietet und was man beachten sollte.
  • Reinhold Vetter
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Osteuropa zieht Kapital an. Grafik: Handelsblatt

Osteuropa zieht Kapital an. Grafik: Handelsblatt

WARSCHAU. Seit Jahresbeginn hat der polnische Index WIG um 20 Prozent zugelegt, der tschechische PX und der ungarische BUX stiegen um je zehn Prozent. Analysten wie Marcin Lachowski von der Warschauer BGZ-Bank gehen davon aus, dass internationale Fonds in den nächsten Wochen wieder verstärkt Positionen in Osteuropa aufbauen werden.

Dieser Optimismus stützt sich nicht zuletzt auf die gute Konjunktur. Das Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche geht davon aus, dass das reale Bruttoinlandprodukt in diesem Jahr in Polen um sechs Prozent und in Tschechien um fünf Prozent wachsen wird. Und selbst Ungarn, wo das Wachstum wegen des Sparkurses der linksliberalen Regierung nachgelassen hat, wird mit einem absehbaren BIP-Zuwachs von knapp drei Prozent noch vor den meisten EU-Staaten im Westen liegen. Gerade hat die tschechische Regierung mit der Einführung eines linearen Steuersatzes ein deutliches Konjunktursignal gesetzt. Und in Polen sieht es vorerst so aus, als könne die permanente politische Krise dem robusten Wachstum nicht schaden.

Ins Bild passt auch, dass vor allem Polen, aber auch Tschechien und Ungarn, weiterhin attraktive Standorte für ausländische Direktinvestitionen (FDIs) sind. Allein nach Polen flossen im letzten Jahr FDIs im Rekordwert von gut elf Mrd. Euro. Außerdem ist Osteuropa für den deutschen Außenhandel ein verlockender Markt. Nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft entfielen von Januar bis Juni 15 Prozent des gesamten deutschen Handelsumsatzes auf die Region, weitaus mehr als auf die USA und China.

Und wo die internationalen Wirtschaftsbeziehungen florieren, geht es auch vielen Gesellschaften gut. Die meisten großen Unternehmen, die in den oberen Segmenten der Börsen in Warschau, Prag und Budapest notiert sind, verzeichnen wachsende Eigenkapitalrenditen (ROE) und Gesamtkapitalrenditen (ROA). Im Aufwind sind besonders Firmen, die den gewaltigen Modernisierungsbedarf der neuen EU-Staaten Ostmitteleuropas bedienen. Das gilt etwa für den Bereich Telekommunikation und Informationstechnologie, der noch keine Breitenwirkung wie im Westen erreicht hat. Interessant sind hier die ungarische Magyar Telekom, die tschechische Telefonica sowie Telekomunikacja Polska und die ComArch in Polen.

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