Rürup-Rente Ein Leben lang gebunden

Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ – nicht nur Verlobte hören häufig die Worte Friedrich Schillers. Auch Verbraucherschützer zitieren den Dichter gern, wenn es um die Rürup-Rente geht. Die Rürup-Rente führt ein Schattendasein in der privaten Altersvorsorge. Wer von dem Steuervorteil profitieren will, muss mit diversen Auflagen leben.
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Bisher wurden "nur" 1,3 Millionen Rürup-Verträge abgeschlossen. Quelle: dpa

Bisher wurden "nur" 1,3 Millionen Rürup-Verträge abgeschlossen.

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Diese Form der Altersvorsorge ist nach dem Finanzberater Bert Rürup benannt. Es handelt sich um eine steuerlich geförderte private Zusatzrente, die von Experten auch kritisch gesehen wird.

Bislang wurden Schätzungen zufolge rund 1,3 Millionen Rürup-Verträge abgeschlossen – in Form einer klassischen oder fondsgebundenen Rentenversicherung. Zusätzlich laufen einige tausend Verträge bei Fondsgesellschaften. Das ist wenig – gemessen an den rund vier Millionen Selbstständigen und vielleicht 20 Millionen Besserverdienenden im Land, für die diese Form der Vorsorge grundsätzlich Sinn macht. „Die Rürup-Rente zwingt die Menschen in ein Korsett aus Bedingungen“, begründet Thorsten Rudnik, Vorstand beim verbrauchernahen Bund der Versicherten, die Zurückhaltung. Wer aber mit den strengen Bedingungen leben kann, dem winken immense Steuervorteile. Die Rürup-Rente ist eine Rentenversicherung: In der Ansparphase spart der Kunde aber kein Kapital an, sondern erwirbt eine Anwartschaft auf eine Leibrente. Diese Anwartschaft baut der Anleger durch eine klassische Rentenversicherung auf, eine fondsbasierte Rentenversicherung oder durch einen Fondssparplan. Auch im letzten Fall fließt das Kapital zu Beginn der Auszahlungsphase in eine Rentenversicherung.

Beiträge sind als Sonderausgaben von der Steuer absetzbar

Die Beiträge darf der Vertragsinhaber als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Maximal gefördert werden 20 000 Euro pro Jahr, aktuell können davon 70 Prozent abgesetzt werden. Der abzugsfähige Betrag steigt bis zum Jahr 2025 auf 100 Prozent. Dafür muss der Rürup-Rentner seine Auszahlungen versteuern, aktuell noch zu 60 Prozent. Bis 2040 klettert der Anteil auf 100 Prozent. Der Anleger verschiebt somit seine Steuerlast in die Zukunft. Er setzt dabei darauf, dass sein Steuersatz später deutlich niedriger sein wird als heute.

Außerdem nimmt der Rürup-Sparer einen Zinseszinseffekt aus den Erträgen mit, die der nicht versteuerte Kapitalanteil bis zum Rentenbeginn erwirtschaftet. Jeder sollte sich aber von einem Steuerberater seinen individuellen Steuervorteil ausrechnen lassen, sagt Rudnik. Denn den vollen Steuerabzug bekommt nur derjenige, der keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder andere Vorsorgeinrichtungen zahlt.

Experten kritisieren allerdings die starren Bedingungen der Förderrente. „Ein wesentlicher Nachteil ist deren mangelnde Flexibilität“, kritisiert Andreas Beck, Geschäftsführer des Instituts für Vermögensaufbau in München. Wer eine Rürup-Rente unterschreibt, bindet sich im Prinzip ein Leben lang: Denn der Vertrag ist nicht kündbar, grundsätzlich nicht übertragbar, nicht vererbbar und nicht beleihbar. Gerade Selbstständigen, deren Einnahmen schwanken, bleibe häufig nichts anderes übrig, als ihre Zahlungen zeitweise zu reduzieren oder den Vertrag beitragsfrei zu stellen, warnt Beck. Für diese Fälle verlangen zahlreiche Versicherer Gebühren.

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9 Kommentare zu "Rürup-Rente: Ein Leben lang gebunden"

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  • Nicht jeder der abschließt kennt die Rahmenbedingungen, zumind. nicht vollständig.
    Meiner Erfahrung nach werden hier Steuervorteile "verkauft" (bei Riester sind es die Zulagen + event. Steuervorteile).

    Über die Nachteile wird kaum geredet, wäre ja auch nicht vertriebsfördernd.
    ich persönlich (selbst in der branche tätig) finde es oft abschäulich, wie den bürgern hier vorgegaukelt wird, sie bekämen etwas geschenkt.
    beim "Normalbürger" sind die Mehrerträge (man muss sich die Netto-Rente nicht die brutto-Rente ansehen) meist so gering, dass es sich kaum lohnt, hier die Nachteile, insb. die mangelnde Verfügbarkeit, in Kauf zu nehmen.

    PS:
    Die basis-Rente ist nur während der Ansparzeit Hartz 4 sicher, nicht im Rentenbezug.
    Der Selbständige mit eher geringem Einkommen, dem daneben kaum Luft zum Sparen bleibt, wird später sein blaues Wunder erleben.
    Auch dies wird beim "Verkauf" so gut wie nicht erwähnt.

  • bei aller Kritik zu der Rrup Rente sollte mal doch auch einmal deren Vorteile sehen und den Vertrag für sich gut gestalten:

    Schließen Sie einen Vertrag nur mit den beiträgen ab, die Sie immer bezahlen können.

    Nehmen Sie sich jedes Jahr vor einmal zu prüfen, ob Sie für ihre persönliche Altersvorsorge in diesem Vertrag eine Sonderzahlung leisten wollen und können; oder doch Sondertilgung fürihr Hypodarlehen?

    Denken Sie immer daran, dass dieser Vertrag nicht zum Vermögensaufbau dient und Sie kein Kapital "ziehen" können. Wer verfrühstuckt auch schon gerne seine Altersvorsorge.

    Sicher Sie kommen nicht an das Kapital, aber Andere auch nicht. insolvenzgeschütz und Hartz iV sicher bis zum Rentenalter

    Und nun viel Spaß beim basteln ihrer Alterscororge.

    Übrigens gehen Sie zu einme berater ihres Vertrauens, der Sie auch noch die nächste Jahre gut beraten soll und kann. Hand in Hand mir ihrem Steuerberater. Gute berater sind aber auch ihr Geld wert, egal ob über extra "Kostennote" oder einmalige Provison. bezahl werden muss eine gute beratung immer-

  • besserverdiener ist man, wenn man aufgrund der Ausgrenzungskriterien durch/, sprich kein Hartz4 sprich früher ALG2 erhält.

    Also sie haben 0 Euro Einkommen und dürfen überall betteln gehen und sind aus der Sozialversicherung draussen.

    Schauen sie sich die Leute auf der Strasse an, dort sitzen behinderte und andere auch Deutsche mit Schildern: ich beziehe kein Hartz4, bitte gebt mit etwas zu essen.

    Durch diese Polemik wird das hohe Gehalt der Politiker und anderer gerechtfertigt.

    Währen z.b Ursula von der Leyen, steinreich verheiratet mit 7 Kindern vom Staat und Erbin von Albrecht, ein Spitzengehalt erzielt, wurden seit Jahrzehnten systematisch "Gruppen" eingesetzt die rumjammerten die armen deutschen Politiker würden zuwenig verdienen im Gegensatz zum Ausland.

    Und in der industrie die Leute würden noch mehr als die armen Politiker verdienen diese Geringverdiener und das Schlusslicht wird polamisiert, erzielen die armen Erzieherinnen. Kurz vor dem Hungertod mit 1500 Euro netto und zahlreichen anderen attraktiven Angeboten.

    Doch von den zahlreichen Obdachlosen und Menschen die weit unter dem Existenzminmum vegetierten in Deutschland, davon reden diese Gruppen nicht. Dafür wird auch nicht demonstriert von den Gewerkschaften. Deswegen geht keiner auf die Strasse von unseren Hochverdienern.
    Dafür muss auch nicht auf die Strasse gegangen werden, diese Leute sitzen bereits da und streiten sich um Schlafplätze in Kaufhäusern.

  • Ja, Herr Willerheim, besserverdiener ist man heute schon wenn man sich nicht in HartziV, Mini-Job, Kurzarbeit, Leiharbeit.... befindet, also einfach normal Geld verdient. Einen schönen Tag.

  • ...4 Mio Selbständige und 20 (zwanzig) Mio besserverdiener...

    ich hättde die absolute Zahl der besserverediener deutlich geringer geschätzt, kann das stimmen?

  • Hallo Zusammen,

    alles richtig. Jeder der abschliesst kennt die bedingungen. Die Kernprobleme liegen in wesentlich in anderen Faktoren: Die Verrentungsfaktoren (Einzahlungsrendite) sind generell schlecht weiche Kosten). Desweiteren zahlt die Versicherung bei "Rürup" bei Todesfall nur an die Frau, nicht an die Lebenspartnerin was ein deutlicher Nachteil ist. Das Geld ist bei Tod endgültig weg.

    Mit bestem Gruss

    R,Riedl

  • Eine Kapitalanlage, auf die ich keinen Zugriff (sprich: liquidieren kann) mehr habe, ist grundsätzlich uninteressant. Des Weiteren ist der Gesetzgeber notorisch unzuverlässig: Viele Steuersparmodelle entpuppten sich im Laufe der Zeit als Steuerfalle, weil sich gesetzliche Regelungen, insbesondere Absetzungsvorausetzungen und Steuersätze änderten, je nachdem, welche Parteienkonstellationen gerade regiert, und wie die Finanzgerichte gelaunt sind. beispiele gefällig? Es gab mal eine Zeit, da war der deutsche Staat sehr daran interessiert, daß die "besserverdienenden" ihr Geld in Flugzeug-Leasingmodelle (zur Förderung des Airbus') steckten. Als der "Pay-day" kam, wurden nicht mehr durchschaubare, nachträgliche Steuern fällig, insbesondere soweit ich damals verstanden habe, vorher nicht relevante Gewerbesteuern, weil das juristische Gehäuse zwanghaft geändert wurde. Die "total sichere" Kalkulationsbasis war jedenfalls dahin: Statt bescheidene Rendite, nur Verlust. Nächste Episode: Nach der Wiedervereinigung war man ebenfalls daran interessiert, daß in Wohnungen gebaut wurde, also lockte man mit hohen Abschreibungssätzen. Als die dann nach vier Jahren planmäßig fielen, lohnte sich u.U. der Verkauf. Pustekuchen, inzwischen war Rot-Grün dran (1998) und wollte die bösen Spekulanten bestrafen: Man führte eine Spekulationssteuer auf 10 Jahre Laufzeit für immoblien ein. Nach 10 Jahren war der Markt für immobilien natürlich am boden (Ost + West!). Verkaufen lohnte sich nicht mehr: Verluste, Verluste, Verluste. Der Staat ist nicht glaubwürdig und in seinen Versprechen nicht nachhaltig. Warum sollte ein "besserverdiener", die ja wohl nicht zu den Dümmsten der Republik zählen, sich jetzt für immer (!) an ein staatliches Versprechen binden und "Rürup" machen. in drei Jahren kommt Rot-Rot-Grün dran, dann wird sowieso erst einmal abkassiert bei denen, die "etwas haben" und nicht mehr weglaufen können. Rürup-Rente kann man getrost vergessen, weil zu theorielastig!

  • Wer wünscht sich nicht ein sehr langes Leben und wer möchte nicht gern Steuern sparen? Nur Fakt ist, dass wohl nur die Wenigsten 90 Jahre oder älter werden und das bei einer Gesundheit in der Geld noch eine Rolle spielt. Die Rürup-Rente ist etwas für Kinderlose, denen es egal sein kann, ob sie ihr Geld an ein Tierheim oder an den Staat vererben. Einen schönen Tag.

  • Gleiches Recht für alle!

    Jeder der in eine geförderte basisrente einzahlt, hat bestimmte Restriktionen zu beachten. z.b. nicht vererbar, nicht veräußerbar, nicht übertragbar, nicht kapitalisierbar und nicht beleihbar. Diese gelten für die gesetzliche basisrente (z.b. Dt. Rentenversicherung, LAK oder berufsständische Versorgungswerke) ebenso wie für die private basisrente (Rüruprente). Denn gefördert werden soll nicht etwa die Ansammlung oder Anlage von Kapital für später, sondern eine Risikovorsoge für ein (womöglich sehr) langes Leben. Nur wer dies verkennt oder nicht akzeptiern will, fordert (s.o.) weiterhin Regelungen zur Flexibilisierung und Vererbbarkeit...(s.o.)
    Mehr dazu finden Sie in meinem buch "Riester-, Eichel- oder Rüruprente?", boD-Verlag

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