30-jährige Anleihen Investoren überhäufen Deutschland mit Geld

Deutschland platziert Anleihen mit sehr langer Laufzeit zu Rekordkonditionen. Die Nachfrage übertrifft das Angebot um das Doppelte. Die Finanzagentur nennt das Ergebnis der Auktion „beeindruckend“.
Update: 25.01.2012 - 14:50 Uhr 15 Kommentare
Deutschland hat auch seine langjährigen Anleihen zu Rekordniedrigzinsen auf dem Markt platziert. Quelle: dapd

Deutschland hat auch seine langjährigen Anleihen zu Rekordniedrigzinsen auf dem Markt platziert.

(Foto: dapd)

Berlin Deutschland zahlt auch bei Anleihen mit extrem langer Laufzeit rekordniedrige Zinsen. Die Versteigerung einer 30-jährigen Anleihe spülte dem Bund knapp 2,5 Milliarden Euro in die Kassen, teilte die mit dem Schuldenmanagement beauftragte Finanzagentur am Mittwoch mit. Die Gläubiger begnügten sich mit einer durchschnittlichen Rendite von 2,62 Prozent. „Einen niedrigeren Zins gab es noch nie bei einer Versteigerung in diesem Segment“, sagte der Sprecher der Finanzagentur, Jörg Müller. Bei der Auktion im Oktober waren es 2,82 Prozent.

„Die Bundesregierung spart durch die Schuldenkrise Zinsen in Milliardenhöhe“, sagte der Experte des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW), Markus Mill. Der Durchschnittszins für zweijährige Bundesschatzanweisungen habe von 2000 bis 2008 bei 3,42 Prozent gelegen, von 2009 bis 2011 aber nur noch bei 1,11 Prozent. Bei zehnjährigen Bundesanleihen sei er von 4,27 auf 2,91 Prozent gesunken. „Allein in diesen beiden Anleiheklassen hat der Bund in den vergangenen drei Jahren 45 Milliarden Euro gespart“, sagte Mill.

Trotz geringer Rendite boten die Investoren insgesamt fünf Milliarden Euro. Damit war die Auktion um das 2,1-Fache überzeichnet, im Oktober dagegen nur 1,1-fach. „Das Ergebnis der Auktion ist beeindruckend“, sagte Müller. „Investoren suchen und vertrauen der Qualität der Papiere.“ Analysten sehen das ähnlich. „Der Appetit auf deutsche Wertpapiere ist groß, trotz der hohen Staatsverschuldung“, sagte Annalisa Piazza von Newedge. Ein Grund dafür könnte auch die reichliche Versorgung der Banken mit billigem Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) sein. Sie liehen sich im Dezember fast eine halbe Billion Euro für drei Jahre bei der EZB zum Leitzins von derzeit einem Prozent. Einen Teil investieren sie in Staatsanleihen.

Seit Jahresbeginn zeigen die Zinsen bei allen Auktionen des Bundes nach unten. Bei zweijährigen Schatzanweisungen fielen sie mit 0,17 Prozent ebenso auf ein Rekordtief wie bei zwölfmonatigen Geldmarktpapieren mit 0,07 Prozent. Bei der Auktion von Papieren mit sechsmonatiger Laufzeit gelang sogar ein bis dato einmaliges Kunststück: Anleger zahlten eine Prämie, um ihr Geld beim Bund zu parken. „Egal welches Segment bedient wird, das Ergebnis scheint immer dasselbe zu sein“, sagte Michael Meister von der DZ Bank. Die niedrige Rendite bei der Auktion deute aber auch auf eine „durch Unsicherheit gekennzeichnete Marktsituation“ hin, so die Finanzagentur. Die Anleihe läuft bis Juli 2042 und ist mit einem Kupon von 3,25 Prozent ausgestattet.

Deutschland gilt bei Anlegern als sicherer Hafen. Sie sind deshalb bereit, auf Rendite zu verzichten. Als eines der wenigen Industrieländer wird die Bundesrepublik von den drei großen Ratingagenturen mit der höchsten Bonitätsnote AAA bewertet. Sie ist S&P zufolge auch dann nicht gefährdet, wenn die Wirtschaft in diesem Jahr in die Rezession abgleitet. Der Bund will sich 2012 deutlich weniger Geld von Investoren leihen: 250 Milliarden Euro sollen es sein, 2011 waren es 275 Milliarden Euro.

  • rtr
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15 Kommentare zu "30-jährige Anleihen: Investoren überhäufen Deutschland mit Geld"

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  • Auch die "Bilanz Deutschlands" besteht bekanntlich aus Soll und Haben! Die Ersparnisse beim Zinsaufwand werden vermutlich mehr als kompensiert durch Abschreibungen fauler Wertpapiere bei der EZB und durch verlorene Zuschüsse an die PIIGS-Länder. Sollte Deutschland in die Rezession abgleiten, wird das Marktrating automatisch dafür sorgen, daß die Zinsen je Laufzeit wieder steigen. Dazu bedarfs es gar keiner Sandard & Poors, deren "Expertise" eh immer nachlaufend ist. Der Euro verschleiert ökonomische Wirkungen, die bei Wechselkursregimen offen zu Tage treten würden. So werden ökonomische Strukturprobleme in den politischen Hinterzimmern diskutiert. Transparenz, Wohlfahrt und Demokratie gehen mit dem Euro dahin!

  • Deutschland hat (absolut) die höchsten Abgaben an die EU! Und auch relativ im Bezug auf die Einwohner zahlen wir mehr als z.B Griechenland oder Portugal!
    Dann muss Deutschland 22 Mrd. Euro Bareinzahlungen in den ESM stecken. Der ist beschlossene Sache. Also das Geld ist Futsch!!! Mal abgesehen von den ganzen Garantien.
    Und jetzt haben wir vllt 1. Mrd Euro vorteil aufgrund von Zinsen? Wo profitieren wir da?????

    Deutschland ist nicht der größte Profiteur. Kapiert?

  • @ 3844apt: Schwachsinn

    Das was wir an Zinsen jetzt gespart haben, haben wir vorher schon lange in den Rettungsschrim gesteckt. Und das Geld ist weg! Also unterm Strich stehen wir nicht besser da. Auch sind unsere Abgaben an die EU höher als die der anderen Länder.

  • & sollte % werden, sorry

  • wie gut "tschörmans" bei der Deutung von "ungelegten Eiern" sieht man an Ihnen und an den meisten Kommentaren
    der Leser. Bis jetzt wurde nämlich kein Cent von niemandem bezahlt. Wir reden immer von Dingen, die bis jetzt nicht eingetreten sind, denn Italien und Spanien sind immer nocht nicht pleite und Griechenland übrigens auch noch nicht.
    Und wenn die "tschörman" Oberlehrerein Merkel begriffen hätte, daß "nur sparen" keine Lösung des europ. Problems
    ist, dann würden wir endlich nicht mehr von Krise reden.
    Eine Krise übrigens , die nur Italien, Spanien, Frankreich,Belgien, Irland betrifft.
    Deutschland ist davon nicht berührt. Es ist der größte Profiteuer in jeder Hinsicht und verdient am Unglück anderer Länder. Das ist die Wahrheit und nicht das ewige Lamentieren und Nörgeln der "armen tschörmans", die immer für andere zahlen müssen....
    Bis jetzt haben sie nix bezahlt, kein Cent!

  • hier geht es um die exhorbitant abnorme Zinslast, die manche Länder in den letzten Monaten tragen müssen.
    Daß überschuldetet Staaten Zinsen zahlen müssen ist ja wohl klar.
    Das haben Sie wohl nicht begriffen Sie homo caberniculus germanicus!

  • Da haben wir gleich die " Ersparnis ". Wenn die EZB 40 Mrd. Grichenland-Anleihen abschreiben muss, macht das bei einer Quote von 30 % und einem Anteil Deutschlands an der EZB von 18,9 % rund 5,3 Mrd. für den deutschen Steuerzahler aus. Toll wie wir an der Kriese verdienen.

  • Quod erat demonstrandum. Deutschland ist nicht nur größter Profiteuer ibn der Eu , sondern und vor allen Dingen größter Profiteuer in der Schuldenkrise. Und troztzdem lamentieren die "Tschörmans" und sperren sich gegen sinnvolle finanzpolitische Maßnahmen, die eine Linderung
    der hohen Zinslast, die andere EU-Mitglieder unverschuldet tragen müssen, als Ziel haben.

  • Quod erat demonstrandum. Deutschland ist nicht nur größter Profiteuer ibn der Eu , sondern und vor allen Dingen größter Profiteuer in der Schuldenkrise. Und troztzdem lamentieren die "Tschörmans" und sperren sich gegen sinnvolle finanzpolitische Maßnahmen, die eine Linderung
    der hohen Zinslast, die andere EU-Mitglieder unverschuldet tragen müssen, als Ziel haben.

  • Investoren suchen sich immer Billiglohnländer mit genügend Fachkräften aus. Noch kann Deutschland damit punkten. Wie lange noch, denn die Fachkräfte werden immer weniger. Wir stecken lieber den Griechen alles hinten rein und sparen dafür bei Bildung, Forschung und Löhnen. Hurra Deutschland!!!

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