Abflachen der Zinskurve in den USA Vorbote einer möglichen konjunkturellen Abschwächung US-Staatsanleihen bauen Renditevorsprung aus

Als entscheidend für den weiteren Zinstrend sehen Analysten das aktuelle Konjunkturbild in den USA, vor allem aber in Europa an. Dabei wurden an den Finanzmärkten auch am Montag Befürchtungen geäußert, wonach sich der rekordhohe Ölpreis als Konjunkturbremse und Inflationstreiber erweisen könnte.

FRANKFURT/M. Die internationalen Anleihenmärkte sind mit unterschiedlichen Kursentwicklungen in die neue Woche gestartet. Im Dollar-Raum fielen die Kurse – in der Euro-Zone stiegen sie. In Europa verlief das Geschäft feiertagsbedingt sehr ruhig. Die Börsen in Österreich, Belgien und Italien hatten geschlossen. Als entscheidend für den weiteren Zinstrend sehen Analysten das aktuelle Konjunkturbild in den USA, vor allem aber in Europa an. Dabei wurden an den Finanzmärkten auch am Montag Befürchtungen geäußert, wonach sich der rekordhohe Ölpreis als Konjunkturbremse und Inflationstreiber erweisen könnte. Der Preis für US-Rohöl der Marke WTI lag gestern zeitweise bei knapp 67 Dollar.

Vor diesem Hintergrund wurde der September-Kontrakt des Bund-Future – Messlatte für die Stimmung an den Bondmärkten der Euro-Zone – an der Terminbörse Eurex am Abend bei 122,23 um sechs Basispunkte höher ermittelt. Die Rendite zehnjähriger Euro-Staatsanleihen notierte bei 3,28 Prozent.

Am Euro-Anleihenmarkt war die vorsichtige Bereitschaft zu Neu-Engagements nicht zuletzt auf die Erwartung eines deutlich schwächeren Empire-State-Indexes in den USA zurückzuführen. Diesen Index beobachtet der Markt mit großer Aufmerksamkeit, weil man sich darüber Aufschluss erhoffte, wie stark der rekordhohe Ölpreis die Unternehmen belastet. Allerdings übertraf der Index, den die Federal Reserve Bank von New York am Nachmittag für die dortige Region veröffentlichte, mit 23,04 Punkten (nach 23,91 im Juli) über den Prognosen der Ökonomen, die im Durchschnitt einen Stand von 20 Punkten erwartet hatten.

Folglich stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen – so genannter Treasuries – von 4,24 auf immerhin 4,27 Prozent, so dass der transatlantische Zinsunterschied im Zehnjahresbereich fast wieder 100 Basispunkte ausmacht.

Mit Sorge betrachten US-Ökonomen derzeit das Abflachen der Zinsstrukturkurve. In den vergangenen Monaten sind die kurzfristigen Geldmarktzinsen stärker gestiegen als die langfristigen Kapitalmarktrenditen, so dass der Zinsabstand zwischen zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen auf nur noch 20 Basispunkte geschrumpft ist.

Die Teilnehmer an den Rentenmärkten befürchten, dass aus der derzeit flachen Zinsstrukturkurve über kurz oder lang möglicherweise sogar eine inverse Kurve werden könnte. Das bedeutet, dass die kurzfristigen über den langfristigen Zinsen liegen. In der Vergangenheit deutete die Herausbildung von inversen Zinskurven oft den Beginn rezessiver Entwicklungen an. Am Anleihe-Primärmarkt waren – auch wegen des Feiertages in einigen Ländern und Landstrichen – keine größeren Aktivitäten festzustellen. Bei den von staatlichen Emittenten begebenen Titeln interessierte der von der deutschen Finanzagentur gemanagte Tender neuer unverzinslicher Schatzanweisungen („Bubills“) im Gesamtvolumen von 4,82 Mrd. Euro. Für die Marktpflege behielt der Bund 1,18 Mrd. Euro zurück, so dass sich das Gesamtvolumen auf sechs Mrd. Euro belief. Die sechsmonatigen Geldmarktpapiere weisen eine durchschnittliche Rendite von 2,055 Prozent auf.

Am Nachmittag wurde bekannt, dass die russische AK Bars Bank der Deutschen Bank das Mandat für einen Dollarbond in Höhe von 100 bis 150 Mill. erteilt hat. Die Bank soll bereits seit Ende des vergangenen Jahres mit einer internationalen Anleihe geliebäugelt haben.

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