Analyse Wortgewandte Air Berlin

Bei Air Berlin jagt ein Millionenverlust den nächsten. Anleger sollten jetzt darauf achten, wie das Unternehmen seine missliche Lage kommuniziert. Ein Beispiel zeigt, dass die PR-Profis nur das sagen, was sie müssen.
Update: 16.05.2014 - 20:35 Uhr Kommentieren

„Von der Aktie würde ich abraten“

DüsseldorfFür Air Berlin wird es finanziell immer enger. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen einen Nettoverlust von 318 Millionen Euro verzeichnet. Und auch das neue Jahr brachte erst einmal keine Entspannung. Am Ende war der Verlust mit rund 210 Millionen Euro im traditionell schwachen ersten Quartal noch größer als im vergangenen Jahr. Daneben drücken vor der geplanten Kapitalspritze von Großaktionär Etihad hohe Schulden auf die Bilanz von Deutschlands Airline Nummer zwei.

Die Zahlen sind alarmierend. Umso mehr sollten Anleger jetzt darauf achten, wie Air Berlin seine missliche Lage in Worten vermittelt. Die Kommunikation bei der jüngsten Anleihe-Emission macht deutlich, dass die PR-Profis des Unternehmens nur das sagen, was sie müssen:

Ende April erläutert Air Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer noch bei der Bilanzpressekonferenz, Air Berlin wolle im Zuge der Restrukturierung 250 Millionen Euro über Anleihen einnehmen. Teils wolle man neue Anleihen begeben. Zudem wolle man Altgläubigern anbieten, bestehende Anleihen gegen länger laufende und schlechter verzinste neue Anleihen zu tauschen. Es fällt der Begriff Refinanzierung.

In der zugehörigen Ad-Hoc-Meldung – dem offiziellen Kommunikationsmittel zwischen Unternehmen und Anlegern – ist von Refinanzierung so deutlich nicht mehr die Rede. Die Airline richtet dort lediglich ein „Umtauschangebot“ an die Gläubiger zweier ausstehender Anleihen und nennt das entsprechende Tauschverhältnis.

Nun wüssten institutionelle Investoren genau, was unter einem solchen „Umtauschangebot“ zu verstehen sei, stellt Air Berlin klar. Darauf komme es an; an sie richte sich das Angebot letztlich.

Allein: Sollten nicht auch private Gläubiger – die Air Berlin Anleihen in kleiner Stückelung besitzen, von Kursschwankungen betroffen sind, jedoch nicht tauschen dürfen – verstehen können, worum es bei einem derartigen Anleiheumtausch wirklich geht? Es ist fraglich, ob wirklich jeder begreift, was ein Anleiheumtausch impliziert. Er bedeutet nicht weniger als alte Schulden durch neue abzulösen; er schafft dem Unternehmen Zahlungsaufschub nach hinten.

Wieviel Altschulden will das Unternehmen aber genau verlängern? In der Mitteilung heißt es, dass Air Berlin 150 Millionen Euro über eine neue Anleihe einnehmen und den Erlös „allgemeinen Unternehmenszwecken“ zuführen will. Der Privatanleger muss also rechnen:

Bei der Pressekonferenz war von 250 Millionen Euro die Rede, die das Unternehmen plant, über neue und Umtauschanleihen einzunehmen. Wenn 150 Millionen über neue Bonds „allgemeinen Unternehmenszwecken“ zufließen sollen, bedeutet dies umgekehrt: 100 Millionen Euro will das Unternehmen über den Umtausch gut machen.

Der Anleihetausch scheint wenig attraktiv
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Analyse - Wortgewandte Air Berlin

0 Kommentare zu "Analyse: Wortgewandte Air Berlin "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%