Andrew Bosomworth im Interview „Wir sind gerade auf der Kippe“

An den Börsen geht es wieder mal turbulent zu. Im Interview erklärt Andrew Bosomworth von Pimco, warum er sich weniger Sorgen um die Schwellenländer macht, sondern um Europa. Die erkaufte Stabilität währe nicht ewig.
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Andrew Bosomworth ist Managing Director bei Pimco und Leiter des Portfoliomanagements in Deutschland. Quelle: Sebastian Schaal

Andrew Bosomworth ist Managing Director bei Pimco und Leiter des Portfoliomanagements in Deutschland.

(Foto: Sebastian Schaal)

Herr Bosomworth, Investoren ziehen massiv Kapital aus den Schwellenländern ab. Müssen wir uns Sorgen machen?
Nein, aber wir müssen genauer unterscheiden. Die Probleme in Ländern wie Argentinien oder der Türkei sind hauptsächlich hausgemacht. Sie sind in den vergangenen Jahren nur überdeckt worden, weil durch die lockere Geldpolitik in den USA genug Liquidität in der Welt vorhanden war. Wenn die Fed nun die Liquidität zurückfahren sollte, dann müssen wir uns fragen, welche Länder damit besser klar kommen und welche nicht.

Welche kommen nicht klar?
Die Länder, die stark von ausländischem Kapital abhängig sind. Das gilt zum Beispiel für die Türkei, die sowohl ein Haushaltsdefizit als auch ein Leistungsbilanzdefizit verzeichnet. Daneben wären in jeweils unterschiedlichem Ausmaß Südafrika, Argentinien, die Ukraine oder Indonesien zu nennen. 

Warum kommt es gerade jetzt zu einer solchen Kapitalflucht?
In den vergangenen Jahren ist viel Kapital in die Schwellenländer geflossen, weil dort die Zinsen höher waren als in den Industrieländern. Jetzt gehen viele Anleger davon aus, dass sie künftig höhere Zinsen für US-Staatsanleihen erhalten. Deshalb legen sie ihr Geld wieder in den USA an – die Kapitalströme kehren sich um. Das ist der übliche Herdentrieb.

Rechnen Sie damit, dass die Kapitalabflüsse aus manchen Schwellenländern noch zunehmen?
Das kann schon passieren. Ich rechne aber nicht mit einer tiefgreifenden Krise in den Schwellenländern.

Was bedeutet das für Sie als Investor?
Wir sind zum Glück in den meisten Strategien nicht betroffen, abgesehen von speziellen Schwellenländer-Fonds. Daher können wir uns die Lage mit aller Ruhe anschauen.

Wann wird die Türkei wieder attraktiv für Investoren?
Es wäre gefährlich, jetzt zuzugreifen. Aus meiner Sicht handelt es sich um ein fallendes Messer. Aber wir schauen uns das natürlich genau an. Ich bin davon überzeugt, dass es Gelegenheiten geben wird, günstig zu kaufen. Attraktivität ist immer eine Frage des Preises. Auch eine Ramschanleihe kann attraktiv werden, wenn der Preis stimmt. 

„Von Griechenland halten wir uns fern“
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13 Kommentare zu "Andrew Bosomworth im Interview: „Wir sind gerade auf der Kippe“"

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  • Teil III
    Nur ein Reset im Finanzbetrugssystem, einem Trennbankensystem, die Geldschöpfung zurück in staatliche Hände und in Europa die Wiedereinführung der Landeswährungen kann die westl. Ind.staaten vor einem jahrzehntelangem Siechtum mit inner Unruhen und Bürgerkriegen vielleicht noch verhindern.
    Und natürlich wieder die Mauer aufbauen, das gehört auch zum Sanierungsplan. So wird da ein Schuh daraus.

  • Teil II
    Und für diese paar Leuchttürme waren 2000 Milliarden Euro nötig? Zum Vergleich: Nach dem 2.WK erhielt die BRD umgerechnet auf die heutige Kaufkraft ca. 80 Milliarden. Euro, um das Wirtschaftswunder Made in Germany aus den Ruinen des 2.WK aufzubauen.

    Wenn nun die selben Fehler auf Europaebene fortgeführt und nicht aus den immer noch fortwährenden Fehlern der Wiedervereinigung gelernt wird, dann kann man sich an den 5 Fingern abzählen, wohin das alles führt: ins Chaos, wo die Vermögen Deutschlands verschleudert werden, die mit viel Fleiß und noch mehr Entbehrungen nach dem 2.WK erschaffen wurden. Doch vielleicht ist genau dies das Ziel der „Guillaumes“ in unserer Regierung:
    Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer wieder zu Ungleichgewichten führen.
    Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden “ Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet. Zitat von unserem Taxi-Fahrer Joschka Fischer anno 2008 in den USA.

    Diese Krise betrifft nicht nur Europa, sondern fast alle westl. Ind.staaten, ausgelöst vom größten Betrug in der Geschichte der Menschheit.
    „Nicht wir Politiker machen die Politik, wir sind nur die Ausführenden. Was in der Politik geschieht, diktieren die internationalen Großkonzerne und Banken“.
    Johannes Rau (*16.01.1931-†27.01.2006), ehem. Bundespräsident

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden. - Horst Seehofer, CSU

    Prof. Schachtschneider: "Herr Schäuble macht eine Politik zum Schaden Deutschlands. Die Politik vertritt nicht mehr die Interessen der Bürger sondern verbeugt sich vor den internationalen Finanzmächten. Es ist daher Zeit für Widerstand.

  • @Wirtschaft
    „Die Menschen wollten diese Wiedervereinigung haben“
    Auf dieser Behauptung ist Ihr Kommentar aufgebaut und deswegen falsch. Aber an dem Beispiel Wiedervereinigung kann man die Probleme am besten erklären. Das ist richtig.

    Die OST-Bürger wollten die D-Mark und Reisefreiheit – aber keine Wiedervereinigung. Ein solcher Weihnachtswunsch ist unmöglich. Und nur ein kleiner Teil der WEST-Bürger, die Leute, die nicht 1+1 zusammenzählen konnten, waren auch dafür. Die Wiedervereinigung wird aus der Portokasse bezahlt usw. Die damals „veranschlagten“ Milliarden reichten nicht mal, um das marode Schienennetz in Stand zu setzen.

    Otto Pöhl, der damalige Bundesbankpräsident ist sogar wegen der D-Mark Einführung in der DDR zurückgetreten. Waigel meinte, dass eine 5:1 oder 4:1 Währungsumstellung vielleicht machbar wäre.
    Aber Helmut´s Gier nach Wählerstimmen und Machterhalt hat mit der 1:1 Umstellung beide Deutsche Staaten ins Chaos gestürzt. Das selbe erleben wir gerade mit dem Euro.
    Bereits am 10.07.1990 waren 80% der DDR-Betriebe zahlungsunfähig und konnten nur noch mit staatlichen Überbrückungskrediten die Löhne auszahlen. Sämtliche Absatzmärkte gen Osten sind durch die 1:1 Umstellung weggebrochen, die Lohnstückkosten hatten sich vervielfacht.
    Helmut´s Gier zum Machterhalt stürzte die DDR ins vorprogrammierte Chaos und die BRD in eine immer noch andauernde Subventionspolitik, zum Goldesel degradiert. Genau das selbe blüht uns jetzt mit Europa.
    Bisher hat uns der DDR-Spaß über 2000 Milliarden Euro gekostet und die Arbeitslosigkeit, (ohne die ganzen Tricks) auf nur 15% senken können. Ganze Landstriche wurden im Osten entvölkert und mit Ballungszentren wie Leipzig und Dresden entstanden Luxusstädte, wo im Westen gerade mal München mithalten kann.

  • Man kann die Eurozone mit einem anderen Beispiel vergleichen, nämlich der deutschen Wiedervereinigung.

    Damals hatten wir auch einen sehr gut entwickelten Westen und einen brachliegenden Osten. Allerdings hat man dem Osten nicht nur einfach die D-Mark übergestülpt, sondern den Übergang in eine Transferunion eingeleitet. Die Sozialversicherungssysteme galten sowohl für Ost und West als auch der Länderfinanzausgleich (die Tatsache, dass manche Politiker daran rütteln wollen, belegt nur deren fehlenden Sachverstand). Andernfalls wäre Deutschland auch wieder zerbrochen. Da man es aber klug gemacht hat, ist Deutschland in den drauffolgenden Jahren zusammengewachsen. Ein Element war auch wesentlich: Die Menschen wollten diese Wiedervereinigung haben. Es war also Politik im Sinne der Menschen.

    Bei der Gründung der Eurozone gab es hingegen keine Transferunion. Stattdessen hat man einfach herumgewurschtelt. Jetzt hat man das erkannt und möchte den Übergang in eine Transferunion einleiten. Da kein Land das benötigte Geld aufbringen kann, druckt man Papiergeld ohne Gegenwert und entwertet dadurch die eigene Währung. Dies kann dazu führen, dass eine boomende Konjunkturphase zu einer gewaltigen Inflation führt.

    Sinnvoller wäre es dagegen eine Art EU-Solidaritätszuschlag einzuführen, mit dem dann die anderen Länder aufgepäppelt werden. Allerdings setzt auch dies voraus, dass die Bürger wirklich bereit sind ein Teil Ihres Einkommens an die anderen Länder abzugeben. Aber das möchten die meisten Menschen einfach nicht, ich gehöre da auch dazu. Daher wird die Eurozone auch keinen längerfristigen Bestand haben. Die Menschen wollen das einfach nicht und man kann nicht gegen die Menschen regieren.

  • 1) Einige Kommentatoren mokieren sich über die Aussagekraft dieses und anderer Interwiews. Sie erwarten zuviel, denn bekanntlich wird überall nur mit Wasser gekocht. Diese zu lesen ist jedoch durchaus aufschlußreich, denn man erfährt, wie diese Burschen, die immerhin die Märkte bewegen können, ticken und kann dies in die eigenen Überlegungen einbeziehen. Auch was im Interwiew nicht gesagt wird, hat, richtig interpretiert, durchaus Neuigkeitswert.

    2) Wir haben keine Deflation und wir werden so schnell auch keine sehen. Dieser Fachausdruck wird völlig sinnwidrig verwendet.
    'Deflation' bezeichnet den Zustand, wenn die Geldmenge dem Warenangebot nicht folgen kann, der Geldumlauf also zu gering ist. Das war eine typische Erscheinung, als die Geldmenge noch an einen Standard, in erster Linie an das Gold, gebunden war und daher durch den Zwang zur Golddeckung nicht beliebig oder rasch genug ausgeweitet werden konnte. Die Preise mußten sinken.

    In der gegenwärtigen Situation ist die Geldmenge derart aufgebläht, daß das Warenangebot gleich mehrfach damit bezahlt werden könnte. Es ist vielmehr so, daß die Umlaufgeschwindigkeit rapide sinkt und ständig weiter zurückgeht. Die Pferde wollen einfach nicht saufen. Die Investitionen stocken, weil die nötige Planungssicherheit fehlt (EEG) und die Gewinnaussichten trübe sind. Der Konsum stockt, weil der Konsument seine Schulden abbaut (statt neue zu machen quasi zum Nulltarif) und sich um seine Alterssicherung Sorgen macht, also spart.

    Daß wir noch(!) keine Inflation haben, verdanken wir dem Preisdruck aus Asien und den anderen Schwellenländern, wo jährlich einige 100 Millionen mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen. Dort, wo es bereits kneift, gibt es durchaus immer höhere Preise, z.B. Nahrung und Energie.

  • Tolles Interview, das man sich hätte sparen können. Der Herr hat auch keine Lösung, nur die üblichen Parolen: Durchwurschteln, Notenbank muss Geld drucken, irgendwie wird schon nix passieren, am Ende wird doch alles steigen.

    Typischer Fondsverkäufer eben. Könnte auch Politiker sein.

  • Langfristig gesehen sind die Preise an der Börse an die reale Marktwirtschaft gekoppelt. Geldanlagen sollen die Rente sichern und wenn man weiß, dass man die Kohle erst in 30-40 Jahren braucht, dann kann man auch dementsprechend Sicherheitsmaßnahmen einbauen, entsprechende Finanzinstrumente gibt es. Nur kurzfristig gesehen, ist an der Börse nichts zu Gewinnen bzw. nur mit Glück. Was sich viele mal anschauen sollten, ist die Durchschnittsrendite. Die liegt nämlich bei weitem Höher als die eines Sparbuchs oder Festgeldkonto. Der DAX Beispielsweise hat innerhalb von 5 Jahren 60% Plus gemacht. Das ist eine jährliche Durchschnittsrendite von 12%. Und ein Crash wie der von 2008 ist Börsentechnisch 2 Jahre später wieder vergessen. Außerdem ist ein gewisser Zyklus zu ergehen, alle 8-10 Jahren kommt es zu einer heftigen Korrektur oder dem Platzen einer Blase. Also: Nerven behalten!

  • Zitat "Wir sind zum Glück in den meisten Strategien nicht betroffen, abgesehen von speziellen Schwellenländer-Fonds. Daher können wir uns die Lage mit aller Ruhe anschauen."

    Das zeigt sehr deutlich, dass der Typ nur ein Verkäufer ist. Als ob alles andere (in den AGI/Pimco Fonds) bei einer eskalierenden Schwellenländerkrise immun wäre.

  • Hierzu passende Meldungauf DWN:

    Krise bei der Allianz: Pimco-Chef El-Erian wirft das Handtuch

    ( http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/22/krise-bei-der-allianz-pimco-chef-el-erian-wirft-das-handtuch/ )

    In 2013 hatte PIMCO demzufolge 30 MRD Abflüsse - und sich angeblich bei US Staatsanleihen (die jetzt in diesem Artikel "schöngeredet" werden - welch Wunder...) erheblich verspekuliert...

    Man erkennt immer wieder diese "selbstlosen Aussagen" und "Prognosen" von "Spezialisten"...

  • Das "Konventionelle Unkonventionelle" ist ja längst die neue Norm geworden. An diesem Interview zeigt sich doch sehr deutlich, dass das, was einst als freies Spiel der Kräfte in einem freien Markt unser Wirtschaftssystem definiert hat nicht mehr existiert.

    Die Zentralbanken haben keinen stützenden, korrigierenden Effekt mehr, sondern sind die normative Kraft geworden, um die sich ein neues Wirtschaftssystem gebildet hat.

    Dieses System ist in Funktion und Ideologie ähnlich weit von einer freien Marktwirtschaft entfernt, wie es die Planwirtschaft im Ostblock des letzten Jahrhunderts war.
    Wenn Bernake oder jetzt Yellen oder Draghi husten, erzeugt das einen ähnlichen Effekt wie damals, als vom Politbüro die planwirtschaftlich avisierten Produktionsziele fürs kommende Jahr bekanntgegeben worden sind.

    Die Marktwirtschaft und der Kapitalismus existiert nur noch in den Köpfen der Leute, aber nicht mehr im realen Wirtschaftskreislauf.

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