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Anlagestrategie Hochzinsanleihen – attraktive, aber riskante Gewinnbringer

Seit Jahresbeginn haben Hochzinsanleihen rund sieben Prozent abgeworfen. Doch trotz attraktiver Renditen sollten Anleger Rücksetzer abwarten.
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Finanzprofis fragen sich verstärkt, wie weit der Aufwärtstrend bei den Papieren noch gehen kann. Quelle: Getty Images
Hochzinsanleihen

Finanzprofis fragen sich verstärkt, wie weit der Aufwärtstrend bei den Papieren noch gehen kann.

(Foto: Getty Images)

Frankfurt Wie groß die Nervosität an den Märkten ist, zeigt die jüngste Twitter-Attacke von US-Präsident Donald Trump. Seine über das soziale Netzwerk verbreitete Drohung, die Zölle für chinesische Waren zu erhöhen, hinterließ nicht nur am Aktienmarkt Spuren. Der Tweet hievte auch die Renditen europäischer Hochzinsanleihen in die Höhe, also Zinspapiere von Emittenten schwächerer Bonität.

Entsprechend sackten die Kurse der Papiere ab. Insbesondere für die exportabhängigen Automobilzulieferer, ein wichtiger Sektor in dem Junk-Bonds-Markt, verloren die Kurse deutlich, kletterten damit die Renditen. Patrick Zeenni, Experte für Hochzinsanleihen beim Vermögensverwalter Candriam ist zwar überzeugt: „Trump blufft im Handelsstreit mit China.“

Der US-Präsident werde alles daransetzen, dass ein Deal zustande kommt, spätestens wenn er sich im November 2020 zur Wiederwahl stellt. Doch dass die Bondskurse auf einzelne Tweets des US-Präsidenten reagieren, liegt vor allem daran, dass die Kursrally bei Hochzinsanleihen schon extrem heiß gelaufen ist. Für Anleger ist das ein klares Signal, zunächst einmal abzuwarten, wie Bondsexperten raten.

Seit Jahresbeginn hat das Marktbarometer für europäische Junk-Bonds der US-Bank Bank of America Merill Lynch, der „Bofa Merill Lynch Euro Developed Markets Non-Financials High Yield Index“, um rund sieben Prozent zugelegt. Den kräftigen Einbruch der Kurse von Ende 2018 hat die Anlageklasse damit mehr als wettgemacht.

Zwar werfen die Schrottanleihen mit derzeit im Schnitt rund 3,5 Prozent noch deutlich mehr Rendite ab, als etwa sichere Bundesanleihen oder Unternehmensbonds mit Topbonität. Doch immer mehr Finanzprofis fragen sich, wie weit die Rally noch gehen kann.

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So sagt etwa Peter Aspbury, Portfoliomanager bei JP Morgan Asset Management: „Bleiben die Risikoaufschläge (gegenüber Staatsanleihen) konstant, dürfte der Ertrag auf das gesamte Jahr bei neun Prozent liegen. Das hat unsere Erwartungen weit übertroffen.“. Aus seiner Sicht müssen sich Anleger jetzt jedoch mit den Zinserträgen der Anleihen zufriedengeben.

Raum für weitere Kurssprünge sieht er kaum: „Es ist keine Frage, dass die US-Konjunktur etwas langsamer wachsen wird. Das begrenzt das Potenzial für weitere Kursanstiege.“

Europawahl im Blick

Stattdessen rücken nun wieder die Gefahren in den Fokus: „Die größten Risiken sind politischer Natur“, erklärt Aspbury. „Es kann sein, dass es bei den Wahlen in Europa negative Überraschungen gibt.“ Auch Candriam-Experte Zeenni blickt gespannt auf die Europawahl Ende Mai: Ein starkes Abschneiden populistischer Parteien könnte seiner Meinung nach das Vertrauen der Anleger erschüttern und auch die Regierungskoalition in Italien zwischen der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der stramm rechten Lega destabilisieren.

„Das könnte die Stimmung der Investoren gegen Europa richten.“ Aus Zeennis Sicht ist ein leichter Rücksetzer nach der Hochzinsrally durchaus positiv. „Eine Korrektur schadet nicht.“ Vielmehr ergeben sich dadurch Möglichkeiten für Anleger, die die Rally bislang verpasst haben. „Für eine gute Einstiegsmöglichkeit warten Investoren in der Regel auf eine Marktkorrektur von ein bis zwei Prozent“, sagt er. Die Europawahl sollten Anleger in jedem Fall abwarten.

Doch abseits der politischen Risiken ist das Marktumfeld für Hochzinsanleihen weiter günstig. Ein wichtiger Treiber der Kurse ist die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sagt Aspbury. „Dass die EZB weitere Zinsschritte vorerst abgesagt hat, hat den Risikoappetit der Anleger verstärkt.“

Es ist die schiere Anlagenot, die besonders Pensionsfonds, Versicherungen und die Verwalter großer Privatvermögen verstärkt in Hochzinsanleihen treibt. Solange die zehnjährige Bundesanleihe um die null Prozent oder sogar negative Renditen abwirft, bleibe die Nachfrage nach riskanteren Papieren intakt, bestätigt Zeenni.

Ein weiterer Pluspunkt ist das konjunkturelle Umfeld. Viele Ökonomen, beispielsweise die Wirtschaftsweisen der Bundesregierung, haben ihre Wachstumsprognosen für die Euro-Zone zwar deutlich nach unten korrigiert. Doch sie rechnen weiterhin mit einem leichten Wachstum und einer niedrigen Inflation.

Aus Investorensicht ist dieser Mix besonders günstig. Denn der trübe Wachstumsausblick sorgt dafür, dass sich Unternehmen nicht massiv verschulden, sondern eher auf Schuldenabbau setzen. Das verknappt Anleihen am Markt und macht sie tendenziell teurer. Zudem bleiben die Ausfallraten von Junk-Bonds gering.

2018 lag der Anteil der Anleihen, der nicht zurückgezahlt wurde, auf dem niedrigsten Niveau seit 2007. Mit einer scharfen Rezession, die in der Regel Firmeninsolvenzen nach oben treibt und die Anlageklasse massiv unter Druck setzt, rechnen indes nur wenige.

Trüber Konjunkturausblick

Gleichzeitig reduziert die niedrige Inflation die Gefahr einer Zinserhöhung durch die EZB. Steigende Leitzinsen bringen die Kurse von Anleihen generell unter Druck und schlagen bei Hochzinsbonds meist besonders durch. Viele Investoren, die allein durch das Niedrigzinsumfeld in den Junk-Bonds-Bereich getrieben wurden, könnten dann wieder verstärkt auf Staats- und Unternehmensanleihen mit guter Bonität setzten.

Doch bislang ist von einer solchen Entwicklung nichts zu sehen – im Gegenteil: „Die Nachfrage nach Hochzinsanleihen ist erstmals seit drei Jahren gestiegen“, sagt Aspbury. Der Effekt wird verstärkt, weil immer mehr Investoren sogenannten Kreditfonds den Rücken kehren. Diese Produkte bündeln Unternehmenskredite zu komplexen Investmentprodukten mit variablen Zinsen.

Diese waren bei institutionellen Investoren als Absicherung gegen eine mögliche Zinswende der EZB beliebt. Doch seit die ausbleibt, setzen viele Investoren wieder auf klassische Hochzinsanleihen, bestätigt, Thomas Samson, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Muzinich. „Diese Entwicklung hat sich nun umgekehrt.“

Gleichzeitig nimmt das Angebot an Junk-Bonds immer weiter ab. Im Jahr 2018 lag das Emissionsvolumen für Hochzinsanleihen Daten von JP Morgan zufolge nur knapp über 60 Milliarden Euro. 2017 waren es noch über 100 Milliarden Euro. Zudem wurden vor allem bestehende Anleihen abgelöst.

Zieht man die fällig gewordenen Anleihen ab, kamen 2017 und 2018 neue Anleihen mit einem Volumen von lediglich knapp 20 Milliarden Euro auf den Markt. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass auch 2019 kein besonders starkes Jahr für neue Hochzinsemissionen wird.

Weiter verschärft wird der Angebotsmangel durch große Emittenten, zuletzt etwa den französischen Autobauer Peugeot, die ihr Kreditrating verbessern konnten und in den Rang der sogenannten Investmentgrade-Firmen aufgestiegen sind. Das knappe Angebot stützt die Kurse vieler Hochzinsunternehmen zusätzlich.

Dennoch rät Fondsmanager Zeenni zur Vorsicht: „Der Trend immer weiter sinkender Ausfallraten ist gestoppt.“ Anleger sollten daher sehr gezielt Titel auswählen oder auf Fonds setzen. Zeeni rät, Firmen mit hoher Verschuldung und einem zyklischen Geschäftsmodell, etwa Autozulieferer, zu meiden. Zu den europäischen Hochzinsfonds mit der besten Performance über drei Jahre gehören dem Fondsanalysehaus Morningstar zufolge Produkte von Switzerland Invest (WKN: HAFX63), Threadneedle (WKN: A2JN8L) und Blackrock (WKN: A14WXZ).

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