Anlegerschützer empört Prokon-Ankündigung wirkt wie „Erpressung“

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisiert das Vorgehen des von der Insolvenz bedrohten Windanlagen-Finanzierers Prokon scharf. Mehr als doppelt so viele Anleger wie bei Lehman sind betroffen.
Update: 13.01.2014 - 06:45 Uhr 36 Kommentare
Es geht um rund 1,4 Milliarden Euro: Prokon-Gläubiger müssen sich vielleicht bald auf ein Planinsolvenzverfahren einstellen. Quelle: dpa

Es geht um rund 1,4 Milliarden Euro: Prokon-Gläubiger müssen sich vielleicht bald auf ein Planinsolvenzverfahren einstellen.

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DüsseldorfNach der Pleitedrohung des Windparkbetreibers Prokon wächst der Druck auf den Gesetzgeber. „Der eigentliche Skandal ist, dass die Politik den grauen Markt noch immer nicht gebändigt hat“, sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Handelsblatt. „Auf die betroffenen Anleger wirken die aktuellen Verlautbarungen schlichtweg wie eine klassische Erpressung“, sagte sein Kollege, DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler, der „Bild am Sonntag“.

Zuvor hatte die Windpark-Firma aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe ihren Anlegern in einem Schreiben mit der Insolvenz gedroht, wenn sie ihr Kapital zurückforderten. Knapp 1,4 Milliarden Euro haben rund 75.000 Anleger in Genussrechte von Prokon investiert. Zum Vergleich: Bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers waren etwa 30.000 Anleger betroffen.

Weil es sich dabei um sogenannte Graumarktangebote handelt, ist die Finanzaufsicht Bafin machtlos. "Prokon betreibt keine erlaubnispflichtigen Bankgeschäfte und untersteht damit nicht der Aufsicht der Bafin“, sagte eine Sprecherin. Umso lauter werden jetzt Stimmen, den Aufsehern mehr Kompetenzen zu geben und den grauen Markt zu regulieren.

"Der Fall Prokon zeigt, dass die Einwände gegen eine strengere Regulierung der Finanzmärkte unberechtigt sind", sagte der Finanzpolitiker Lothar Binding (SPD) dem Handelsblatt. "Wir müssen versuchen, die grauen Märkte auszumerzen." Auch Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs sieht Handlungsbedarf. Der Staat dürfe „der Abzocke von Anlegern nicht tatenlos zusehen“.

Wenn es nach dem von der Insolvenz bedrohten Windkraftfinanzierers Prokon geht, sind an der misslichen Lage vor allem die anderen Schuld: Unter anderem hätte die schlechte Berichterstattung in den Medien dazu geführt, dass Anleger zuletzt verstärkt Genussrechte gekündigt – und damit für das Unternehmen wichtige Liquidität abgezogen haben.

So appellierte das Unternehmen am Samstag auf seiner Internetseite an die verbliebenen Anleger: „Wir sind auf Ihre Hilfe angewiesen.“ Nicht die wirtschaftliche Lage setze Prokon unter Druck, sondern „der Kapitalentzug durch die Kündigungen unserer Anleger.“

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36 Kommentare zu "Anlegerschützer empört: Prokon-Ankündigung wirkt wie „Erpressung“"

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  • @-Logo - stimme Ihnen voll zu: Wer sich auf den grauen Kapitalmarkt begibt, kommt darin um: Bafin schafft nocht nicht malden geregelten Makt.

  • Aus dem Faltblatt für Wirtschaftlichkeit:

    "Stille Reserven der Windparks in Planung 175 Mio.€"


  • Ich verstehe die Aufregung nicht. Höhere Rendite bedeutet höheres Risiko, und das dürfte den meisten PROKON-Anlegern bewusst gewesen sein. Falls es nun wirklich zur Insolvenz kommen sollte, bekommen die Anleger eben weniger zurück, als sie investiert haben. Das kann auch bei anderen Anlageformen wie Aktien oder Fonds in der gleichen Größenordnung passieren. Selbst bei Gold.
    Aber in dem Artikel geht es auch nicht um jammernde PROKON-Anleger, sondern es wird die Auffassung der DSW dargestellt. Interessant wäre hier eine repräsentative Umfrage unter beteiligten Anlegern.

  • @scater
    "..Dass riesige Unternehmenswerte geschaffen wurden steht ausserhalb jeder Farge !.."
    Das stelle ich sehr wohl in Frage!
    Das Unternehmen hat bestimmt sehr viel investiert.
    Das sind aber noch lange keine "riesigen Unternehmenswerte"!
    Wie viel ein Unternehmen bzw. eine Immobilie wert ist, hat nichts damit zu tun was da mal hineingesteckt / investiert wurde.
    Vgl. Cargolifter.

  • „Und wer bei 8% alle direkt als "dumme gierige Anleger" klassifiziert soll mir mal erklären wieso eine Deutsche Bank mal 25% Rendite versprochen hat und Grossanleger bei 8% Rendite nur ein müdes Lächeln über haben.“
    Gern: Letzten Endes ist es nur eine einfache Frage des Chance-Risiko-Verhältnisses. Die Zielgröße der DB bezog sich nur auf das EK der Aktionäre, sprich das reine bilanzielle EK (ohne Mezzanine d.h eigenkapitalnahe Finanzierungskonstrukte wie Nachranganleihen, verbriefte stille/atypische stille Be-teiligungen oder eben auch Genussscheine siehe Prokon). Bei Mezzanine Capital handelt es sich um eine Mischform aus reinem Eigen- und Fremdkapital; ist also hinsichtlich Risiko (und Risikoentlohnung d.h. Rendite) auch zwischen den beiden Elementen einzuordnen (Rendite höher FK, aber niedriger EK). Die DB hat wie seinerzeit alle Banken die Spielräume aus Basel II genutzt um das eigene EK mit Mezzaninen Finanzierungsbausteinen quasi zu hebeln. Angesicht der enormen Risiken die Prokon auf sich geladen hat (Relation CF/Gesamtverschuldung inkl. Genussrechte; CF/ZAW inkl. Genussrechte sowie die Finanzierungsstruktur d.h. der kfr. kündbaren Genussrechte --> was Prokon nun zum Ver-hängnis werden dürfte) wäre eine risikoadäquate Entlohnung sicher höher ausgefallen als die offerier-ten 8 %. Schlichtweg haben sich da wohl wieder mal Privatanleger auf der Suche nach der tollen, gewinnbringenden, sicheren, bankenunabhängigen und ethisch einwandfreien Anlage in die Irre führen lassen und Finanzkonstrukte gezeichnet, deren Risiken sie allgemein (Genussscheine) nicht verstanden und im speziellen (Bonität/Risikotragfähigkeit von Prokon/Geschäftsmodell) im Gegenzug zu institutionellen Anlegern (die vor Fehleinschätzungen aber auch nicht gefeit sind) nicht abschätzen konnten.

  • also ganz ehrlich . prokon warb mit 8,5% zinsen . unrealistisch . ich selbst wollte da einsteigen . mein bankberater hat davon dringend abgeraten . er hatte recht . selbst schuld wer glaubt 8,5% abzugreifen. nur die gier war grösser als die vernunft .
    geschieht den anlegern recht .
    warum sollte sich der staat da einmischen ?
    wir sind die mündigen bürger. jeder weiss was er tut . ende .

  • Dies ist nach meinen Informationen falsch!
    Als Anleger weiss ich , dass bei Prokon keine Vermittlungsgebühr wie z.B. bei den Finanzagenturen üblich ( bis zu 20 %) ausgezahlt wurden, denn die Anlage wurde direkt mit dem Unterehmen abgewickelt.
    Nahezu 100 % des Investments sind auch ins Unternehmen für Investitionen geflossen .

    Banken sind darüber natürlich nicht begeistert .

  • Zitat : Mehr als doppelt so viele Anleger wie bei Lehman sind betroffen.

    - diesen Alegern geschieht das zurecht : als Provisionsschmarotzer sich eine goldene Nase zu verdienen ist unredlich !

    Die Energiewende ist gescheitert, alle Provisionsschmarotzer sind mit dieser Utopie auch gescheitert !

    GRÜN-ROT-SCHWARZ macht den Weg ins Verderben frei !

  • @forumsdino
    "..wieso eine Deutsche Bank mal 25% Rendite versprochen hat.."
    Die 25% Rendite beziehen sich auf das Eigenkapital!
    Wenn dieses nur 3% beträgt, sind 25% Rendite lächerlich.
    Großanlegern arbeiten bei niedrigen Kapitalmarktzins i.d.R. mit hohem Fremdkapitalanteil. Da sind 8% Rendite auf das Eigenkapital ebenfalls ein Witz.
    Natürlich muss man auch dazusagen, wenn es mal schlecht läuft, ist ein Laden mit wenig Eigenkapital Ruck-zuck pleite! Der Hebel Fremdkapital wirkt eben in beide Richtungen
    Genau das hat ja die Krise ausgelöst!

  • @forumsdino, das mit der Rendite ist doch ganz einfach und eine simple Division. Setze ich bei Prokon 100 Euro ein und bekomme 8 Euro raus habe ich 8% Rendite. Setzt die Deutsche Bank 100 Euro Eigenkapital ein und bekommt 8 Euro raus hat sie ebenfalls nur 8% Eigenkapitalrendite. Setzt die Deutsche Bank aber nur 32 Euro Eigenkapital ein und bekommt 8 Euro raus sind es sagenhafte 25% Eigenkapitalrendite. Je weniger Kapitaleinsatz bei gleichem absoluten Ergebnis, desto höher die relative Rendite. Diese Kennziffer und das damit verbundene falsche Verständis von Rentabilität begünstigt die hohe Verschuldungsquote der Banken und ist damit ein extremer Verstärker der vorherrschenden Probleme.

    Was ich damit sagen wollte, 25% EK Rendite und die 8% Verzinsung von prokon kann man nicht miteinander vergleichen, weil sie gänzlich verschieden sind. 8% Verzinsung in einer Zeit in der alles über 1,5% für den normalsterblichen mit einem steigenden Risiko verbunden ist, sind schlicht und ergreifend unrealistisch.

    MfG, der Spielverderber

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