Anleihe-Markt „Die USA sind nicht Griechenland“

Der Schuldenberg wächst, die Schlaglöcher in den Straßen auch. Die USA haben jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt. Anleihe-Investoren ist das egal. US-Bonds seien so sicher wie eh und je, sagen sie. Abwarten.
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Blick auf die New Yorker Wall Street. Quelle: dpa

Blick auf die New Yorker Wall Street.

(Foto: dpa)

New YorkPolitiker der beiden großen amerikanischen Parteien haben den Schuldenabbau auf ihre Fahnen geschrieben. Am Bondmarkt jedoch herrscht trotz der immensen Verschuldung kaum Besorgnis, im Gegenteil. Während die Staatsverschuldung der weltgrößten Volkswirtschaft von weniger als 9 Billionen Dollar in 2007 auf mehr als 16 Bill. Dollar (12,3 Billionen Euro) hochgeschnellt ist, fallen die Kreditkosten des Landes immer tiefer.

Zehnjährige Staatsanleihen rentierten am 25. Juli auf dem Rekordtief von 1,379 Prozent, verglichen mit mehr als fünf Prozent Mitte 2007, vor der Finanzkrise. Die niedrigen Renditen haben auch die Zinsen für Hypotheken, Auto- und Unternehmenskredite auf historische Tiefstände fallen lassen.

Die USA konnten vier Haushaltsdefizite im Volumen von jeweils mehr als einer Billion Dollar in Folge mit überaus niedrigem Zinsaufwand finanzieren. “Der Markt ist definitiv nicht besorgt, dass die USA zu einem Griechenland werden könnten”, sagt Anthony Valeri, ein Marktstratege bei LPL Financial in San Diego. Griechenland vollzieht in diesem Jahr die größte Schuldenrestrukturierung in der Geschichte, nachdem die Renditen zehnjähriger Bonds auf mehr als 30 Prozent geklettert waren.

US-Treasuries gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten oder wenn eine Rezession droht. Angesichts der anhaltenden Staatsschuldenkrise in Europa und der drohenden Fiskalklippe in den USA fließt derzeit eine Menge Geld in die US-Staatspapiere, wodurch die Renditen weiter sinken. Teilnehmer am Bondmarkt sehen deutlich mehr Manövrierfreiheit der USA für künftige Kredite als die Politiker in Washington.

Mit der Fiskalklippe sind automatisch am Jahresende in Kraft tretende Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen im Volumen von 607 Mrd. Dollar gemeint. Voraussetzung dafür, dass es dazu kommt, ist jedoch, dass sich Demokraten und Republikaner nicht auf einen Kompromiss einigen können, um dies abzuwenden.

Auch wenn die Auswirkungen der Maßnahmen auf ein Jahr verteilt werden, würde die Reduktion zu schnell erfolgen, warnt Steven Rattner, Chairman von Willett Advisors LLC und früherer Berater von Finanzminister Timothy F. Geithner. “Die Fiskalklippe ist ein drakonisches Schlachtbeil zur Defizitreduzierung, was wir jedoch eher brauchen ist ein Skalpell”, sagt Rattner.

Schulden sind so hoch wie niemals zuvor
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19 Kommentare zu "Anleihe-Markt: „Die USA sind nicht Griechenland“"

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  • Und da ist nochmal ein link, um die Verdauung des Abendessens zu fördern:

    http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite3_1_20/11/2012_470895

  • This reading is a must (Asian Times):

    http://www.atimes.com/atimes/Global_Economy/NK27Dj02.html

    Und das HB sollte solche Artikel zumindest zusammengefaßt übersetzen oder mit link zitieren. Die Musik spielt schon längst ganz woanders.

    Have a nice and qiet evening!



  • bei den 70% sind wohl (schätze ich) die schulden, die sich in hand von bundeseigenen institutionen befinden (siehe dazu wikipedia) herrausgerechnet.

  • Ich komme aus der ehemaligen DDR.Auch unsere Regierung druckte zum Ende wie verrückt Geld,um die Handelbilanzdefizite zu verwischen."Es ist zu viel Geld unter den Leuten" war damals ein gängiger Spruch.Die DDR Führung versuchte damals mit gewissen Maßnahmen das Geld abzusaugen,Farbfernseher für 6000 DDR Mark,Cassettenrecorder für 1200 Mark,der neue Trabbi im Preis verdopplet,der neue Wartburg kam ebenso fast 10 000 Mark mehr als der Alte.An die Miete und die Grundnahrungsmittel wollte man noch nicht rán,Honecker hat das persönlich sein Veto eingelegt.Trotzdem nahm der Außenwert der Währung Jahr für Jahr ab,in der Spitze mussten nach der Grenzöffnung 20 DDR Mark für eine DM bezahlt werden.Reines Gelddrucken nützt also nicht viel,es kommt immer auf den Wechselkurs zu anderen Währungen an.
    Und das bedeutet dasd irgendwann auch der Dollar verliert,natürlich nicht in den Außmaßen,aber signifikant und mehr als seit 2002.

  • @Spacerat
    Richtig gesehen. Aber die USA können sich damit ihr Wachstum nicht zurückkaufen. Und die USA haben mächtige Kreditgeber, wie China, Japan, Mittel-Ost, die sich auf der Überholspur befinden. Wenn die das Hütchenspiel nicht mehr mitmachen und ihr Engagement herunterfahren, um gar nicht zu reden von auflösen, dann wird es sehr eng.

  • Die Refinanzierung der USA unterscheidet sich grundsaetzlich von derer Deuschlands und der EU Laender.

    Die USA leiht sich Geld von der FED, welche die Zinsen der Anleihen wieder an die Regierung zurueckfuehrt. Die USA koennen sich also fast Zinsfrei finanzieren.

    In DE etc haengen die Geschaeftsbanken zwischendrin, welche die Zinsen in die Hoehe treiben und somit zum Bankrott der Laender fuehren sobald diese die Zinslast nichtmehr finanzieren koennen.

  • @denk.mal
    So ganz kann man Ihre Aussage nicht unterschreiben, denn:

    Japan hat ein nationales Problem. 95% der jap. Staatsanleihen sind in japanischer, also nationaler Hand. Wenn es da kracht, sind die Ersparnisse einer ganzen Generation entwertet. Die NBJ laviert geschickt am Abgrund entlang, nur eine Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil, da Japan überaltert.

    USA, siehe meinen Beitrag von vorhin.

    Die €-Zone hat die gesündeste große Währung der Welt, denn Handels- und Zahlungsbilanz sind aufs Ganze gesehen ausgeglichen und gesund. Das kann man weder vom Dollar, noch vom Yuan, Pfund, Yen oder Schweizer Franken so behaupten. Der Euro behält trotz allen Gegenwindes aus der $- und £-Zone überraschend gleichmäßig seinen Wert.
    Das €-Problem ist hausgemacht und intern. Man frägt sich, wie GR mit nur einigen Prozent Anteil am €-BIP ein derartiges Durcheinander anrichten kann. Die Antwort liegt in Brüssel, Paris und Berlin. Solange man dort gegen den Markt rudert und die Fiktion einer einheitlichen und unabänderbaren Währungszone aufrechterhält, ist kein Ende des Trauerspiels in Sicht. Im Gegenteil, sobald auch hier sich der Markt oder das Volk durchsetzt, wird es erheblichen Ärger geben.

  • Bei den USA dauerts länger, aber die marktlichen Gesetze sind überall gleich.

  • "Die USA sind nicht Griechenland"
    Schon wahr, aber die Marktgesetze sind dieselben. Die USA brauchen täglich rd. 1,5 Milliarden $ vom Rest der Welt. Solange der Rest der Welt liefert, geht das Spiel tatsächlich weiter.
    Auch GR bekam lange Jahre Kredit für lau, aber als die Marktmeinung kippte, ging dann alles ganz schnell.
    Die USA sind noch in einer viel stärkeren Ausgangslage, aber es bröckelt bereits an den Rändern. Ohne ein Prophet zu sein ist abzusehen, daß auch da eines schönen Tages die Stimmung dreht, und dann geht es auch schnell.
    Elefanten sterben langsam und zertrampeln dabei eine Menge Vegetation.

  • @Schlaumeier

    Die Grenze ist nicht unabhängiog von der Gläubigerstruktur und der Wirtschaftskraft.

    Japanische Staatsanleihen befinden sich zu riesigen Teilen in der Hand jaüpanischer (privater) Investoren. Zweifellos eine Blase, aber halt eine Blase mit spezieller Struktur.

    Wann eine Blase platzt, hängt von der Struktur des Materials ab, aus dem sie gewoben wird!

    Die strukturell schwächste Blase haben wir derzeit in der Eurozone. Würden dort die Banken verstaatlicht, könnte man rein mathematisch zwei Drittel aller Schulden durch einen gegenseitigen Erlass aufrechnen. So extrem zirkulär ist die Gläubigerstruktur! Das finanztechnische Problem dahinter wäre, dass die dahinter liegenden Vermögen vernichtet würden (Kreditgeld-Problematik).

    Von einem ähnlichen Problem wie dem der Eurozone sind die USA weit entfernt.

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