Anleiheauktion Madrid muss Investoren höhere Renditen bieten

Spanien hat den Kapitalmarkt erfolgreich um Geld angezapft, muss Investoren aber mit deutlich steigender Rendite locken. Die Emission verlief besser als erwartet, Entspannung ist aber nicht in Sicht.
Update: 07.06.2012 - 14:23 Uhr 8 Kommentare
Ein spanischer Stierkämpfer: An den Märkten hat Spanien einen weiteren Kampf für sich entschieden. Quelle: dapd

Ein spanischer Stierkämpfer: An den Märkten hat Spanien einen weiteren Kampf für sich entschieden.

(Foto: dapd)

Für Spanien ist am Anleihemarkt keine Entspannung in Sicht. Das Land hat zwar keine Probleme, frisches Geld zu bekommen, muss aber immer höhere Zinsen zahlen. Das hochverschuldete Land sammelte am Donnerstag rund 2,1 Milliarden Euro ein und damit etwas mehr als die angepeilten ein bis zwei Milliarden Euro. Die durchschnittliche Rendite für zehnjährige Anleihen stieg jedoch auf 6,044 Prozent nach zuletzt 5,743 Prozent. Auch die Renditen für Papiere mit einer Laufzeit bis 2014 und 2016 kletterten um rund einen Prozentpunkt im Vergleich zu früheren Emissionen. Die Nachfrage der Investoren überstieg das Angebot deutlich. Die Auktion der zehnjährigen Papiere war 3,3-fach (zuvor 2,4-fach) überzeichnet.

Ein Alarmruf von Spaniens Finanzminister Christobal Montoro hatte jüngst die Finanzmärkte verschreckt. Der Minister hatte erstmals offen Probleme bei der Geldbeschaffung eingestanden. Daher wurde die Anleihenemission des Landes mit besonderer Spannung erwartet.

Spanien wehrt sich derzeit mit Händen und Füßen, unter den Rettungsschirm seiner Euro-Partner zu schlüpfen. Der Regierung in Madrid machen vor allem das hohe Haushaltsdefizit, die finanzschwachen Regionen und der taumelnde Bankensektor zu schaffen.

Zuletzt hatten Investoren das Land aufgrund der Probleme im Bankensektor immer kritischer bewertet. Deswegen herrschte wegen der großen Nachfrage, die auch ein Indiz für das Vertrauen der Anleger ist, am Donnerstag trotz höherer Zinsen auch Erleichterung. Am Sekundärmarkt für bereits gehandelte Anleihen gingen die Renditen denn auch merklich zurück. Die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen näherte sich hier wieder der Marke von sechs Prozent an, nachdem sie zeitweilig bis auf 6,7 Prozent gestiegen war. Händler begründeten diese Entspannung mit der Hoffnung auf eine baldige Lösung der Bankenkrise in Spanien.

Die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich kam dagegen zu günstigeren Bedingungen als zuletzt an neues Geld. Insgesamt nahm das Land am Donnerstag 7,836 Milliarden Euro auf, wie die französische Finanzagentur in Paris mitteilte. Die Papiere waren rund zweifach überzeichnet. Der größte Teil der Summe (3,48 Milliarden Euro) entfiel auf eine zehnjährigen Anleihe. Die Rendite lag hier bei 2,45 Prozent und damit niedriger als bei der letzten vergleichbaren Auktion Anfang Mai (2,96 Prozent).

Die Finanzmärkte nahmen die Auktionen erleichtert auf. Der Eurokurs kletterte in Richtung der Marke von 1,26 US-Dollar. Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls positiv.


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8 Kommentare zu "Anleiheauktion: Madrid muss Investoren höhere Renditen bieten"

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  • Unglaublich! Mein Nachbar hat mich seit Jahren immer um Kohle angeschnorrt. Nun, als guter Mensch, von Schuldgefühlen geplagt, der auch immer vom besagten Nachbarn auf seine soziale Verantwortung hingewiesen wurde, habe ich ihm die Kohle gegen eine adäquate Gegenleistung, sprich Zins, geliehen. Hat ja auch viele arme Kinder zu versorgen, wa? Nachdem ich mich wunderte, dass dieser immer mit seinem A...ch im Bett liegt, dicken Mercedes fährt, aber immer klamm war, während ich mit Drahtesel zur Arbeit mich morgens um 4 Uhr ausse Furzmulde geschwungen habe, verlangte ich ein bisschen mehr an Gegenleistung für das geliehene Geld, weil ich Sorgen hatte, dass er im Bett liegend, irgendwann nicht mehr meine Gegenleistung erbringen kann. Nun ja, jetzt werde ich als Ausbeuter und Spekulant beschimpft. O.K. Jetzt kriegt er überhaupt keine Kohle mehr von mir. Unglaublich! Jetzt demonstrieren die Gutlinge ausse Siedlung vor meiner Tür, dass ich dem Müßiggänger gefälligst Geld leihen soll. Farbbeutel an meiner Hausfassade sind noch das geringste Übel. Aber das dieser Müßiggänger als moralisch höherwertiger von diesen Gutlingen eingestuft wird, macht mich schon platt, wa?

  • Ihr immer mit euren "bösen Spekulanten". Das ist eine Erfindung der Politik. Willst du dein Geld in griechische und spanische Staatsanleihen investieren? Komm, los, mach doch! Nein? Bist du nun ein böser böser Spekulant, der den armen unschuldigen Ländern kein Geld gibt? Ich bitte dich.

  • Staatsanleihen mit famoser Renidte, wo ist Gabor Steingart? Ruft der schon seinen Broker an?

  • Es wird von einer Fiskalunion fantasiert und schon stiegen die Zinsen für Deutschland und den Rest der Nordteurostaaten. Vielleicht wirft man mal einen Blick auf diese Tabelle. http://pigbonds.info/ Ein absolutes Warnsignal. Bald können wir uns auch zu den Pleitestaaten gesellen. Die Rettungspakete, Garantien und der ESM machen es möglich. Es gibt nur einen guten Rat! Geld in Sicherheit bringen.

  • Wenn Eurobonds kommen, werde auch ich in Spanien investieren! Das Geld von Deutschland abziehen und in die PIIGS damit gehen. Deutschland wird dann so wie alle im Euroraum halt nicht 1.36 % Zinsen für seine 10 jährigen Staatsanleihen zahlen sondern den Durchschnitt aller Zinssätze in Europa. Was das für Deutschland heißt kann man sich denken. Ein paar Sparpakete werden da schon fällig werden. Habe gerade einen Durchschnittswert von den 10 jährigen Staatsanleihen von Euroraum errechnet. Dieser würde bei 6.4% liegen. Ok, da sind die Panikzinsen von Griechenland auch inklusive. Aber mit 5% wird man schon rechnen können. Gute Nacht!

  • Ich sehe keine Investoren, sondern nur Spekulanten. Die haben wahrscheinlich auch schon CDS abgeschossen, um am Niedergang und der Zahlungsunfähigkeit, die sie mit ihrer Zinstreiberei erst selbst verursacht haben, noch einmal zu verdienen.

  • Angeblich ist ja Spaniens Staatsverschuldung nicht so dramatsich, was auch zunächst stimmt. Dennoch müssen auch die ganzen Schulden der Kommunen und die Kosten für die Bankenrettung mit einberechnet werden.

    Inverstoren sehen sich diese Zahlen ganz genau an. Dann kommt schon eine etwas höhere Verschuldung raus.

    Das Problem ist jedoch - wie so oft bei Geld - das Vertauen:

    1. Spaniens Rajoy hat gleich zu Amtsbeginn die EU-Komminssion belogen.
    2. Reformen wurden gemacht, aber falsch.
    3. Der Umgang in der Krise ist gegenwärtig katastrophal.
    4. Die Jugendarbeitslosigkeit ist dramatisch - das ist ein gesellschaftliches Problem, das in den monetären Bereich hineinstrahlt.
    5. Die internationale Konjunktur stottert.
    6. Korruption in den Regionalregierungen, es ist nur die Spitze des Eisbergs bekannt.
    7. Dann ist Spanien ja noch selbst als Euro-Retter unterwergs.
    8. Die Politik ist - trotz der eigentlich guten Vorraussetzungen - katastrophal dilletantisch.
    9. Zu Recht begehren die Leute - die nix dafür können auf - was aber wieder zu Unsicherheiten und Vertruensverlust bei Investoren fürht.

    Es ist immer wieder das Vertrauen, das massiv leidet.

    Es war in den Südländern bisher nie erforderlich gewesen, Vertrauen herzustellen. Man hat halt dann selbst Geld gedruckt.

    Nun ist es anders: Nur Vertrauensbildende Maßnahmen, d.h. langfristig angelegte Reformen, die nachhaltig und ernst gemeint sind, schaffen Vertrauen. Wenn Herr Rajoy indexgebundene Löhne nur aussetzt, dann ist das eben keine vertrauensbildende Maßnahme, keine Verlässlichkeit.

    Ich plädieren im Falle von Spanien für einen Radikalschnitt, eine harte Landung.
    Dann weiss jeder wie hoch die Schulden sind und wie hoch die Wirtschaftsleistung ohne ein auf Pump finanziertes Wachstum sind. (man kann jede harte Landung abfedern).
    Ab diesem Zeitpunkt kann es nur noch nach oben gehen.

  • 6,04% für zehnjährige Anleihen!
    Mit 99%iger Wahrscheinlichkeit für einen Schuldenschnitt wie Griechenland, da in der EU gleiches Recht für alle gilt.
    Nur wenn die Ausfallversicherung weniger als 4% jährlich kostet, oder das Zinsniveau sinkt (Euro-Bonds!), lohnt es sich zu investieren.

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