Anleiheauktionen Italien und Spanien lassen Euro-Anleger jubeln

In der europäischen Schuldenkrise gibt es neue Hoffnung. Ohne jede Probleme nahmen Italien und Spanien am Anleihemarkt Milliarden auf – und das deutlich billiger als gedacht. Dax und Euro treibt das nach oben.
Update: 12.01.2012 - 13:54 Uhr 35 Kommentare

'Die Eurokrise ist ein Stück weit geheilt'

DüsseldorfDer erste große Stresstest am europäischen Anleihemarkt ist überraschend positiv verlaufen. Spanien verkaufte bei einer Anleiheauktion dreijährige Papiere im Wert von 9,98 Milliarden Euro - fast doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Außerdem musste das Land deutlich weniger Zinsen bezahlen als bei der letzten vergleichbaren Auktion. Die Durchschnittsrendite der Anleihen mit Laufzeit bis Juni 2015 lag bei 3,38 Prozent. Im Dezember hatte Spanien für 2015 auslaufende Bonds noch 5,18 Prozent zahlen müssen.

Einen großen Erfolg feierte auch Italien. Das Land verkauft wie geplant kürzer laufende Papiere im Wert von zwölf Milliarden Euro und konnte sich über einen regelrechten Zinssturz freuen. 8,5 Milliarden Euro nahm Italien über einjährige Schatzanweisungen auf, für die eine Rendite von 2,735 Prozent bezahlt wurde. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Italien Gläubigern bei der letzten vergleichbaren Auktion hatte bieten müssen. Im Dezember lag die Rendite noch bei 5,952 Prozent. Weitere 3,5 Milliarden Euro nahm das Land mit dem Verkauf von Titeln mit 136 Tagen Laufzeit ein. Hier sank die Rendite von 3,25 auf 1,644 Prozent, den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr.

An den Märkten wurden die Emissionserfolge der Peripheriestaaten mit deutlichen Kurssteigerungen gefeiert. Der Deutsche Aktienindex baute seine leichten Gewinne aus dem frühen Handel aus und stieg in der Spitze um 1,7 Prozent auf 6.256 Punkte. Vor allem Bankaktien konnten kräftig zulegen. Der Euro stieg auf 1,2765 Dollar, nachdem er am Morgen zeitweise noch unter 1,27 Dollar gelegen hatte. Die Rendite spanischer Staatsanleihen sank um 22 Basispunkte auf 5,03 Prozent, italienische Anleihen mit gleicher Laufzeit rentierten mit 6,56 Prozent 38 Basispunkte niedriger als am Vortag. Zu Beginn der Woche hatte die Rendite zeitweise noch über sieben Prozent gelegen.

Auch die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) fielen: Fünfjährige Swaps zur Versicherung von spanischen Staatsanleihen gingen um 17 Basispunkte zurück. Damit beliefen sich die Kosten für die Versicherung von Anleihen über zehn Millionen Euro auf 395.000 Euro. Die CDS Italiens kosteten mit 490.000 Euro gut 25.000 Euro weniger.

Die Auktionen am Donnerstag bilden den Auftakt für eine Reihe von Milliarden-Emissionen aus Peripherie-Staaten. Allein Italien muss im ersten Quartal Kredite im Wert von rund 150 Milliarden Euro aufnehmen. Schon am Freitag will das Land den Kapitalmarkt erneut anzapfen. Dann sollen fünfjährige Anleihen im Wert von bis zu 4,75 Milliarden Euro verkauft werden.

Italien und Spanien waren in den vergangenen Monaten in den Fokus der Märkte geraten. Die Investoren fürchteten, dass die beiden Länder in den Sog der europäischen Schuldenkrise gezogen werden und sich womöglich am Kapitalmarkt nicht mehr finanzieren könnten – ein Schicksal, das in der Euro-Zone bereits Griechenland, Portugal und Irland ereilt hat. Anders als bei diesen kleineren Staaten wäre der gemeinsame Rettungsschirm der Euro-Zone mit einer Rettung von Spanien und vor allem Italien aber wohl überfordert.

Italien bereitet den Märkten insbesondere mit seiner immensen Staatsverschuldung Sorgen, die bei 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt. Außerdem leidet das Land unter einer chronischen Wachstumsschwäche, die sich nun zu einer Rezession auszuweiten droht. In Spanien ist die Schuldenquote mit 60 Prozent des BIP noch vergleichweise niedrig. Dafür weist das Land ein gewaltiges Haushaltsdefizit und eine Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent auf.   

Italien will nicht ansteckend sein
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35 Kommentare zu "Anleiheauktionen: Italien und Spanien lassen Euro-Anleger jubeln"

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  • "Dann sind wir mit dem Euro über den Berg, nicht jedoch mit der Staatsverschuldung", wäre schön, ist aber völlig falsch: Die Staatsverschuldung ist ja das Problem des Euro. Ihre Höhe wird für den gesamten Währungsraum officiell mit rd. 7 Bio. Euro angegeben - eine Schnapszahl? Allein die BRD hat mit über 2,0 Bio. Euro aus aufgenommenen Krediten (ohne Euro- Rettungsschirme) und rd. 5,0 Bio. Euro staatlichen Verplichtungen gegenüber den Sozialkassen (1,0 Bio. Euro allein an Pensionen für zukünftige Pensionäre) Gesamtverbindlichkeiten von 7,0 Bio. Euro. Allein daraus wird deutlich, daß bei noch miserablerer Buchführung in anderen Ländern die oben genannten Zahlen für die gesamte EU "gesponsort" sind. Da kann man doch nur noch raten, wann uns die Inflation aus der Klemme hilft.

  • Börsengurus haben Augen und Ohren überall. Sie sehen und hören vor allem aber, was alle hören und sehen könnten, wenn sie es nur etwas konzentriert tun: Die Euro-Krise ist die konsequente und vorhersehbare Folge der Entscheidung von 1999, ohne vorherige verbindliche Koordinierung der Wirtschafts-, Finanz- und Abgabenpolitik in den Ländern, den Euro als Gemeinschaftswährung einzuführen. Sie kann also nur beendet werden, wenn diese Entscheidung rückgängig gemacht wird, wozu aber die Politik nicht in der Lage ist und weshalb auch mit Argusaugen darauf geachtet wird, Volksbefragungen zu vermeiden. Denn die Politik hat sich längst zu entgegengesetzten Maßnahmen entschieden: Eurobonds, ERS, Euro-Inflationierung. Und was die EZB jetzt veranstaltet, ist doch schon das Ziel, denn ihre Unabhängigkeit hat sie schon lange verloren. Und wenn Merkozy sich mit bereits reichlich gescheiterten Maßnahmen aufbläst, dann nur zur Wählerberuhigung: Vielleicht reicht´s ja wieder für die nächsten vier Jahre.

  • Streuble will im Nachtragshaushalt 2012 4,3 Milliarden für den ESM einstellen- lächerlich.Die 470 Milliarden Energiewende ist interpöliert auch nicht eingestellt.Da die Atommeiler abgeschalte bleiben ist das Defizit durch Vergleich der Zuwachskosten und Wegfallkosten, ca 12%, auch nicht eingestellt. Das Defizit Pensionen ist interpöliert auch nicht eingestellt. der 4% Unterschied zwischen Wirtschaftsrecht und Kamaralistik ist auch nicht eingestellt.Soll Herr Streuble mal die schwäbische Hausfrau fragen und ein Reserveh aufbauen bis März.

  • @FinanzJesus
    Sie verstehen leider überhaupt nicht den finanztechnischen Zusammenhang und argumentieren im erkenntnisleeren Raum. Und hören Sie bitte auf, alles was nicht Ihrer Auffassung entspricht als Kommunistisch zu verunglimpfen. Und Ihr Vergleich mit Weimarer Zeit ist abstrus. Die haben nämlich genau das gemacht, was Frau Merkel versucht. In die Krise hinein zu sparen. Ihr Vorwurf die Finanzierung der Staaten durch die EZB sei Gelddrucken ist völlig blödsinnig. Das tun die Banken, die die Staatsanleihen finanzieren doch auch. Also, wenn Sie von der Materie nichts verstehen, sollten Sie besser schweigen und nicht absurde Stammtischparolen verbreiten.

  • Der Jubel ist sehr verfrüht. Wir haben morgen die Schwergewichte im Bond-Ring. Die 10jährigen italienischen Anleihen. Hier findet die Nagelprobe von heute statt.
    Jubeln können wir erst gegen Jahresende, wenn alles gut gelaufen ist. In Euroland müssen bis Jahresende über 700 Mrd. Euro neu verbrieft werden. Dann sind wir mit dem Euro über den Berg, nicht jedoch mit der Staatsverschuldung.
    Dazu schieben wir einen immer größer werdenden Pensionsleistungsberg von über 39 Billionen (Deutschland 7,8 Billionen) vor uns her, die fällig werden wenn der Überalterungsbauch unserer Bevölkerungspyramide verstärkt in Rente geht.
    Wenn wir weiterhin unseren Politikern die Steuerung unserer Pensionen überlassen, werden wir unser blaues Wunder erleben.
    Am Beispiel von Rheinland-Pfalz kann man das beispielhaft sehen. 16 Mrd. Schulden, Auflösung der Rücklagen für Beamtenpensionen, die dann aus dem laufenden Haushalt finanziert werden sollen. Der Beamtenbauch der 60er und 70er Jahre geht in Rente. Wie soll das gehen. Dabei ist Rheinland-Pfalz weniger als 10 % der Bundesrepublik, mit relativ günstiger Struktur.
    Weniger Schulden - das glaube ich bis heute noch nicht.
    Dazu kommen sehr teure Rot-Grüne Regierungen, die die weniger verfügbaren Gelder, dogmatisch und wachstumsfeindlich ausgeben. Sie versprechen dabei immer zukünftiges Wachstum und Umgestaltung zur ökologischen Wirtschaft. Die nicht ökologische geht derweil zu Grunde.
    Also zum Jubel besteht gar kein Anlass.

  • So, so, die Analysten jubeln! Doch warten wir erst einmal ab um wieviel der Anleihebestand bei der EZB in den nächsten Tagen steigt. Wetten, dass die heute gehandelten Anleihen in Kürze dort auftauchen?? Selbstverständlich darf die EZB die Anleihen nicht direkt aufnehmen, aber auf ein "Augenzwinkern" hin, kauft vielleicht UniCredit oder sonstwer für ein paar hundert Millionen, wenn sie wissen, die EZB nimmt sie ihnen übermorgen wieder ab. Ein kurzer Anruf reicht hier völlig aus, man braucht keine schriftlichen Unterlagen, rein gar nichts - und die EZB kauft die Anleihen via "StrohBank" auf. Damit wäre den Bestimmungen genüge getan, da die EZB nicht direkt die Staaten finanziert - diese Taschenspielertricks kennen wir inzwischen ja. Es kann mir niemand erzählen, dass die Marktmeinung sich innerhalb weniger Tage so verändert hat, dass man inzwischen bereit ist, quasi nur noch zum halben Zins das Geld an die PIIGS zu verleihen.

  • @puk
    Ist doch voellig egal ob die Staatsanleihen von Peter oder von Paul gekauft werden. Die EZB ueberschuettet die Banken mit frisch gedrucktem Geld zu 1%. Die kaufen im Gegenzug PIIGS Anleihen zu 5%. Primärmarkt oder Sekundärmarkt, ist doch voellig wurscht. Die EZB druckt und das kommt, wenn auch ueber kurzen Umwegen, bei den PIIGS an. Das ist eben KEIN wesentlicher Unterschied, sondern ein ganz einfacher Geldwaesche Trick.

  • ach, ich würde mir auch gerne €10Mrd zu null Prozent von der EZB leihen können, um dann sämtliche Staatsanleihen zu kaufen für 3 - 4 % Rendite ein kleiner Zwischenverdienst :-)

  • @ Apollo

    Sie profitieren vom "Geld" der EZB.

  • Weise Taktik: Die Risikoprämien mussten dringend gesenkt werden und das gap zu deutschen Anleihen geschlossen werden während die Pleitiers tagen.

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