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Blick auf die Akropolis in Athen

Wie tragfähig ist die Finanzplanung der Regierung?

(Foto: Moment/Getty Images)

Anleiheemissionen Warum die Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt so schwierig ist

Die Regierung des krisengeschüttelten Landes wirbt um das Vertrauen der Anleger. Doch die zeigen sich skeptisch – genau wie die Ratingagenturen.
1 Kommentar

AthenAlexis Tsipras verbreitet Zuversicht: 2019 werde „ein Meilenstein“, der den „Beginn der großen Erholung“ markiere, verkündete der griechische Premier am Dreikönigstag auf der Insel Samothraki. Tatsächlich hat für Griechenland ein Schicksalsjahr begonnen. Nachdem die Hilfskredite versiegt sind, muss der Athener Finanzminister Euklid Tsakalotos in diesem Jahr mit einer Bondemission den Appetit der Anleger testen. Doch die sind misstrauisch.

Griechische Schuldpapiere werden mit immensen Risikoprämien gehandelt. Ein früherer Premierminister fürchtet sogar, dass Griechenland schon bald ein neues Rettungspaket braucht. Nach dem Auslaufen des Hilfsprogramms Ende August des letzten Jahres sollte Griechenland sich eigentlich wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Aber auch vier Monate später hat das Land keinen Marktzugang.

Die Rendite der zehnjährigen Anleihe liegt bei 4,4 Prozent. Von keinem anderen Euro-Land verlangen die Anleger so hohe Zinsen. Hauptgrund ist die Sorge, dass Tsipras nach dem Ende des Hilfsprogramms Strukturreformen zurückdrehen und im Wahljahr 2019 mit teuren Geschenken die Haushaltsdisziplin opfern könnte.

Entsprechend ungewiss ist die Rückkehr an den Markt. Kürzlich hat die staatliche Schuldenagentur PDMA ihre Finanzierungsstrategie für 2019 vorgelegt. Das 20 Seiten umfassende Papier lässt allerdings die meisten Fragen unbeantwortet: Wann zapft Athen den Markt an? Wie viel Geld will das Land aufnehmen? Welche Fälligkeiten und welchen Kupon sollen die geplanten Bonds haben?

Dazu finden sich in dem Strategiekonzept nur vage Andeutungen. Möglicherweise will man sieben Milliarden Euro aufnehmen, vielleicht aber auch nur drei. Termine und Laufzeiten werden nicht genannt. Sicher ist nur: Griechenland braucht in diesem Jahr für die Refinanzierung fälliger Anleihen und die Tilgung von Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF) 11,74 Milliarden Euro.

Das Geld ist vorhanden – und dennoch steckt Athen in einem Dilemma. Finanzminister Tsakalotos hat aus der letzten Rate der Hilfskredite und eigenen Ersparnissen einen Liquiditätspuffer von 26,5 Milliarden Euro aufgebaut. Die Rücklage deckt den Refinanzierungsbedarf für die nächsten 22 Monate. Aber auf diesem Polster kann sich Tsakalotos nicht ausruhen. Er muss bald den Markt testen, wenn das Land die Krise endlich abschütteln und das Vertrauen der Anleger schrittweise zurückgewinnen will.

Die Schuldenagentur nennt dafür drei mögliche Szenarien. Sie sehen vor, drei bis sieben Milliarden Euro am Markt aufzunehmen. Abhängig vom Volumen der Emission würde die Agentur 1,1 bis fünf Milliarden aus der Rücklage entnehmen. Außerdem erwartet Griechenland im kommenden Jahr 1,2 Milliarden Euro von den nationalen Zentralbanken der Euro-Zone. Dabei handelt es sich um Spekulationsgewinne aus dem Ankauf griechischer Staatsanleihen.

Weitere 1,4 Milliarden aus Privatisierungserlösen könnten ebenfalls für die Tilgung fälliger Schulden verwendet werden, veranschlagt die PDMA. Ob dieses Geld in die Kasse kommt, ist aber fraglich, nachdem die Regierung bisher ihre Privatisierungsziele stets verfehlt hat.

So oder so ist die Rückkehr an den Markt ist kein Spaziergang. Die Ratingagenturen notieren Griechenland tief im Ramschbereich. Bei Fitch trennen das Land drei Stufen von der Liga der investitionswürdigen Schuldner, bei Standard & Poor’s sind es vier und bei Moody’s sogar sechs. Damit stufen die drei großen Bonitätswächter Griechenland als einziges früheres Euro-Krisenland weiterhin als nicht investitionswürdig ein.

Wolfango Piccoli, Co-Direktor des Beratungsunternehmens Teneo International, meint: Ob und wann Griechenland wieder einen Marktzugang findet, hänge von externen Faktoren wie der Entwicklung an den globalen Finanzmärkten ab, aber auch von der Regierung in Athen. Die müsse nun vor allem die verbliebenen Reformvorgaben zeitig umsetzen.

„Sehr unbequeme Lage“

Wenn der Liquiditätspuffer schneller als erwartet aufgebraucht werde, etwa infolge eines schwächeren Wirtschaftswachstums, könnte Griechenland „in eine sehr unbequeme Lage“ kommen, sagte Piccoli dem Handelsblatt: „Das würde Befürchtungen über die Notwendigkeit eines neuen Rettungspakets wecken.“

Der frühere sozialdemokratische Premierminister Kostas Simitis, der Griechenland von 1996 bis 2004 regierte, teilt diese Sorge: In der EU gelte es als sicher, dass Griechenland schon bald wieder um Hilfskredite des Euro-Stabilitätsfonds ESM bitten müsse, sagte Simitis jetzt der Zeitung „To Vima“.

Auch Nikos Vettas, Ökonom und Direktor des industrienahen Wirtschaftsforschungsinstituts IOBE, sieht die Gefahr, dass Griechenland „von den Kapitalmärkten abgeschnitten bleibt“. Schwache Investitionen, eine niedrige Produktivität und ein hoher Schuldendienst könnten ein neues Rettungsprogramm nötig machen, schrieb Vettas jetzt in einer Analyse.

Tatsächlich kann Griechenland schon sehr bald wieder in eine finanzielle Notlage geraten. Denn in Athen tickt eine Zeitbombe: Hunderttausende Pensionäre haben in den vergangenen Monaten die Gerichte angerufen, weil sie die in der Krise beschlossenen Rentenkürzungen für verfassungswidrig halten – und recht bekommen.

Mit wachsender Nervosität wartet die Regierung jetzt auf die letztinstanzliche Entscheidung des Staatsrats, des obersten Verwaltungsgerichts. Bestätigt es die Ansprüche der Rentner, könnten sich die Kosten für den Staat auf bis zu 15 Milliarden Euro belaufen, je nachdem, für welchen Zeitraum die Richter den Rentnern rückwirkende Erstattungen zusprechen. Diese Summe entspräche rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Damit wären nicht nur der Haushalt 2019 und die mittelfristige Finanzplanung des Landes Makulatur, sondern auch alle bisher angestellten Berechnungen zur Schuldentragfähigkeit. Neue Hilfskredite wären dann wohl der einzige Ausweg.

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1 Kommentar zu "Anleiheemissionen: Warum die Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt so schwierig ist"

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  • Sehr geehrter Herr Höhler,

    hören Sie nie zu, wenn die Spatzen von den Dächern pfeifen? Wenn sie in einstimmigem Chor das Lied von der langfristigen Untragbarkeit der griechischen Schulden singen? Dass die Griechen ungeniert einen Schuldenschnitt fordern, sollten Sie doch vernommen haben. Dass der IWF mit seinen tiefsinnigen Analysen den Griechen beipflichtet, sollte ihnen auch nicht entgangen sein.

    Klar doch, die europäischen Politiker möchten den Schuldenschnitt so weit wie nur möglich in die Zukunft verschieben. Aber er wird unweigerlich kommen. Und wenn es dann so weit ist, wird man die privaten Gläubiger aus politischen Gründen nicht ausnehmen können. Ich wünsche diesen viel Spaß beim Geld verlieren.

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