Anleihekaufprogramm EZB läuft auf vollen Touren

Die Europäische Zentralbank zieht ihre Ankündigung durch. In den Sommermonaten kauft sie mehr Anleihen als die eigentlich vorgesehenen 60 Milliarden Euro pro Monat. Das Spektrum der möglichen Kaufobjekte hat sie erhöht.
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Das Anleihekaufprogramm wird im Juli und August etwas gedrosselt – deswegen hat die Europäische Zentralbank vorher ordentlich zugelangt. Quelle: dpa
EZB-Präsident Mario Draghi

Das Anleihekaufprogramm wird im Juli und August etwas gedrosselt – deswegen hat die Europäische Zentralbank vorher ordentlich zugelangt.

(Foto: dpa)

Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), in den Sommermonaten mehr Anleihen als eigentlich angekündigt zu kaufen, hatte im Mai für heftige Aufregung gesorgt. Bei einem Dinner mit Hedgefonds-Vertretern hatte EZB-Direktor Bernoit Coeure angekündigt, dass im Mai und Juni mehr Käufe als in übrigen Monaten erfolgen würden. Denn von Mitte Juli bis August falle der Anleihehandel meist schwächer aus.

Die Information an eine breite Öffentlichkeit erfolgte aber erst am folgenden Morgen – und der Euro-Kurs bekam einen deutlichen Knick. Marktteilnehmer hatten eine transparente Kommunikation an alle Interessierten erwartet.

Am Montag teilte die EZB jetzt mit, Coeures Ankündigung auch im Juni in die Tat umgesetzt zu haben. Sie kaufte im Juni für 63,2 Milliarden Euro Anleihen – statt der eigentlich vorgesehenen 60 Milliarden Euro. Bereits im Mai hatte das Kaufprogramm die runde Zahl um etwa fünf Prozent überschritten, als die Bank für 63,1 Milliarden Euro zuschlug.

Auf der Einkaufsliste können europäische Staatsanleihen und Titel von staatlichen Finanzinstituten stehen. Für 51,4 Milliarden Euro kaufte die EZB im Juni Staatsanleihen und Papiere von Staatsagenturen, für 10,2 Milliarden Euro Pfandbriefe und für 1,59 Milliarden Euro Verbriefungen. Eine genauere Aufschlüsselung der Käufe nimmt die EZB nicht vor.

Ende vergangener Woche hatte die Zentralbank zudem den Kreis der möglichen Papiere erweitert, die sie kaufen kann. Erstmals können jetzt auch Unternehmensanleihen etwa vom italienischen Energieversorger Enel dazugehören. Die Notenbanker begründeten die Erweiterung des Einkaufszettels damit, dass es sich um Infrastruktur-Finanzierer handele. Marktbeobachter kritisierten aber, dass die EZB davor stehe, sich auch am Markt für Unternehmensanleihen zu engagieren – die Grenze zwischen den verschiedenen Anlageklassen scheint ihnen nicht deutlich genug gezogen.

„Wenn wir mehr machen müssen, machen wir mehr“
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8 Kommentare zu "Anleihekaufprogramm: EZB läuft auf vollen Touren"

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  • es werden mehr Anleihen gekauft als geplant wo es doch mal hieß, dass keiner verkaufen will? vielen Dank dafür, dass der Finanzgau nun schneller kommt, dann müsst ihr nicht mehr so Lügen.

  • Wieso erstattet nicht endlich mal eine Partei Strafanzeige wegen Konkursverschleppung oder Veruntreuung von Steuergeldern?

  • Ich laufe jetzt auch volle Toure in die Eisdiele

  • Abgesehen davon, daß der EuGH nicht zu entscheiden hat, was in Deutschland zur Verfassung zu sagen wäre, verhält sich die EZB natürlich rechtswidrig, denn sie betreibt Staatsfinanzierung, um vor allem Kosten/Zinsen für die Euroländer tief zu halten.

    Dazu verlagert sie systematisch die Risiken im Zusammenhabng mit den Euro-Anleihen auf die Steuerzahler - wie jüngst bei den Griechenanleihen zu sehen ist.
    Diese u.a. wurden in den Vorjahren über Marktpreis aufgekauft ( bis zu 2 Bio. Euro) und nun in wesentlichen Teilen verlustträchtig abgeschrieben.

    Die Bundesbank verliert allein aktuell - so ihr Präsident heute - an die 15 Mrd. Euro zu Lasten des Steuerzahlers in Deutschland.
    Es wird absehbar wesentlich mehr noch werden, was der deutsche Steuerzahler verkraften muß.

  • hoffentlich wird dem Draghi das Grinsen bald vergehen. zur rechtswidrigen Politik der EZB gibt es eigentlich nichts mehr zu sagen.

  • Draghi macht aus dem EURO die neue Lira! Damit hat er ja genügend Erfahrung ;0(

  • Und es entsteht weiter Geld aus dem Nichts.

    Der Euro wird zur Ramsch-Währung.

    Bald werden wir die Griechen darum bitten müssen, daß wir dem europäischen Drachmen-Raum beitreten dürfen.

  • Wenn das auf Dauer funktioniert, haben wir alle Probleme fest im Griff. Warum hat man das nicht früher schon gemacht. Wenn man Geld braucht druckt man welches. So einfach ist das.

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