Anleihen Bond-Bären haben Zwei-Billionen-Rally verpasst

Angesichts der schwachen Inflation und der jüngsten Fed-Bekundungen haben Bonds immer noch ihre Anhänger. Sie haben weltweit den besten Jahresauftakt seit mindestens 1996 hingelegt. Für die Bären kam das überraschend.
Anleihen haben bei vielen Anlegern Hochkonjunktur. Quelle: dpa
Kein Grund für Bärenstimmung

Anleihen haben bei vielen Anlegern Hochkonjunktur.

(Foto: dpa)

New York/FrankfurtRezessionssorgen und Anreize der Zentralbanken in Europa und Japan haben die seit drei Jahrzehnten währende globale Anleihen-Rally neu belebt. Bonds weltweit haben den besten Jahresauftakt seit mindestens 1996 hingelegt. Sie kommen für das erste Quartal auf einen Ertrag von 3,2 Prozent und haben 2,1 Billionen Dollar an Marktwert gewonnen, wie ein Index von Bank of America Merrill Lynch zeigt, der Papiere von Staats- und Firmenanleihen bis hin zu Hypothekenanleihen umfasst.

Für die Bären war die Stärke eine Überraschung. Sie hatten darauf gewettet, dass die Rally in ihren letzten Zügen liegt, nachdem die US-Notenbank im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen angehoben hatte. Zu Beginn des Jahres sagten Strategen voraus, die Rendite der zehnjährigen Treasuries werde im ersten Quartal auf 2,45 Prozent stiegen. Tatsächlich rentierten die US-Staatsanleihen am Donnerstagmorgen bei 1,81 Prozent, nach 2,27 Prozent am 31. Dezember.

„Je niedriger die Renditen geworden sind, desto mehr Gründe haben sich dafür angesammelt, dass sie niedrig bleiben müssen“, sagt Robert Tipp, Chef-Investmentstratege im Bereich Festverzinsliche bei Prudential Financial in Newark in New Jersey. Er sieht die zehnjährige US-Rendite zum Jahresende bei 1,9 Prozent.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Staatsanleihen führen die Rangliste mit einem Gesamtertrag von 3,7 Prozent bis zum 29. März an. Anzeichen für eine globale Wachstumsabschwächung und Turbulenzen an den Aktienmärkten und bei Währungen haben dazu beigetragen, die Nachfrage nach den als vergleichsweise sicher geltenden Papieren anzuheizen.

Zudem haben einige Zentralbanken ihre geldpolitischen Anreize ausgeweitet. Die Bank von Japan kündigte im Januar negative Zinsen an, und die Europäische Zentralbank senkte ihren Einlagenzins im März weiter unter null. Als Folge bezahlen Investoren in diesen Ländern bei einigen Anleihen dafür, Geld zu verleihen. Trotzdem war die Nachfrage nach Staatsanleihen so groß, dass mittlerweile Papiere im Volumen von mehr als acht Billionen Dollar im globalen Index von Bank of America mit einer Rendite unter null notieren.

„Die EZB und die BOJ kaufen einen Haufen Anleihen“, sagt Jack McIntyre, Vermögensverwalter bei Brandywine in Philadelphia. „Sie verdrängen den privaten Sektor, aber der private Sektor ist noch da und hat Geld, das arbeiten muss.“

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