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Anleihen Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fällt wieder unter 0,5 Prozent

Einmal Zinswende und zurück, heißt das Motto an den Anleihemärkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe schwankt heftig.
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Die Würfel am Anleihemarkt sind noch nicht gefallen: Die Renditen sind wieder gesunken, sollten bis Jahresende aber wieder anziehen. Quelle: Imago
Würfel mit Prozentzeichen

Die Würfel am Anleihemarkt sind noch nicht gefallen: Die Renditen sind wieder gesunken, sollten bis Jahresende aber wieder anziehen.

(Foto: Imago)

Frankfurt Investoren brauchen in diesem Jahr starke Nerven. Das gilt nicht nur für ihre Engagements in Aktien, bei denen die Schwankungen seit Januar deutlich zugenommen haben.

Auch bei Anleihen ist das Auf und Ab der Kurse größer geworden. Anders als an den Aktienmärkten stehen die Zeichen jetzt aber wieder auf Entspannung: Das heißt: Die Anleihekurse sind wieder gestiegen, und die sich gegenläufig dazu entwickelnden Renditen fallen.

Im Fokus stehen in Europa deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Sie gelten als die Benchmark, also quasi als die Königsklasse unter den Anleihen, und stehen für das Niveau der Kapitalmarktzinsen, an dem sich Investoren orientieren. Im angelsächsischen Raum heißen sie „Ten Year Bunds“.

Jetzt ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erstmals seit Anfang des Jahres wieder unter die Marke von 0,5 Prozent gefallen. Im Tief lag sie am Mittwoch bei 0,48 Prozent.

Dabei treibt die „Risikoaversion“ die Anleger wieder in Anleihen, meinen die Zinsstrategen der Commerzbank. In der Tat: Die Ängste vor einem Handelskrieg der USA mit China, die Verluste der Technologieaktien an der Wall Street – ausgelöst durch den jüngsten Skandal um Facebooks Weitergabe von Nutzerdaten – machen Investoren Angst und lassen sie aus den risikoreichen Aktienmärkten fliehen.

Der Dax liegt am Mittwochmittag schon rund ein Prozent im Minus und damit unter 11.900 Punkten. Allein in den vergangenen anderthalb Wochen hat er unter dem Strich über vier Prozent verloren, seit Jahresanfang sind es sogar gut acht Prozent.

An der Wall Street zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Dow Jones Index gab seit Mitte des Monats ebenfalls rund vier Prozent nach; auf Jahressicht sind es 3,5 Prozent.

An den Bondmärkten heißt es dagegen seit dem Jahreswechsel: „Einmal Zinswende und zurück“. Anfang Februar war die zehnjährige Bund-Rendite auf bis zu 0,8 Prozent in die Höhe geschnellt. Die Rendite der ebenfalls im Fokus stehenden zehnjährigen US-Staatsanleihe näherte sich sogar erstmals seit über vier Jahren der Marke von drei Prozent.

Damals standen Investoren unter einer Art Inflationsschock, nachdem Daten zu den Lohnsteigerungen in den USA kräftiger ausgefallen waren als gedacht. Das ließ rasch Ängste vor einer schnell steigenden Teuerungsrate und rascheren Leitzinserhöhungen der US-Notenbank (Fed) aufkommen. Die Turbulenzen an den Anleihemärkten zogen dann auch die Aktienmärkte ins Minus.

Jetzt entwickeln sich Anleihen und Aktien wieder gegenläufig, und das ist das idealtypische Phänomen. Wenn die Investoren verunsichert und sozusagen im „Risk-off-Modus“ sind, greifen sie verstärkt zu Anleihen, bei denen sie bestenfalls ein wenig Zinsen bekommen, aber zumindest davon ausgehen, dass sie ihr eingesetztes Kapital zurückerhalten.

Bei „Risk-on-Stimmung“ dagegen werden Aktien bevorzugt, bei denen die Verlustgefahr größer ist, die auf der anderen Seite aber mit potenziell höheren Gewinnchancen locken. Bei Einzelinvestments gilt dies aber vor allem für institutionelle Investoren, die täglich Millionen oder sogar Milliarden an den Anleihemärkten bewegen und Anleihen auch während der Laufzeit handeln. So ist der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihen seit Anfang Februar um 2,8 Prozent gestiegen.

Für Anleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten und sich deshalb nicht um zwischenzeitliche Kursgewinne scheren müssen, ist das Auf und Ab der Bondmärkte weniger nervenaufreibend, dafür aber ein wenig frustrierend. Das knapp halbe Prozent Rendite, das es für die zehnjährige Bundesanleihe gibt, gleich schließlich nicht mal ansatzweise die Inflation aus, die in Deutschland zuletzt bei 1,3 Prozent lag.

In den USA ist dies zwar anders. Hier liegt die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe mit knapp 2,8 Prozent über der Teuerungsrate von 2,2 Prozent. Doch das hilft nur Dollar-Investoren. Für hiesige Anleger spielt schließlich der Wechselkurs eine entscheidende Rolle, und Verluste des Dollars können das Renditeplus schnell aufzehren.

Und wie geht es jetzt weiter? Analysten sind überzeugt, dass es an den Bondmärkten weiter holprig zugehen wird, die Renditen aber letztlich steigen werden.

Die Prognose für die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt laut der jüngsten Umfrage des Informationsdienstes Bloomberg per Jahresende bei einem Prozent, für die zehnjährige US-Rendite sind es knapp 3,2 Prozent. Der prognostizierte Renditeanstieg liegt auch daran, dass die USA angesichts der US-Steuerreform Einnahmeausfälle kompensieren müssen und deshalb mehr Schulden machen, also mehr Anleihen begeben müssen. Damit steigt das Angebot.

Gleichzeitig zieht sich die US-Notenbank noch mehr aus den Märkten zurück und investiert weniger Geld aus fällig werdenden Anleihen neu am Bondmarkt. Somit sinkt von dieser Seite die Nachfrage. Zudem wird die Fed die Leitzinsen in diesem Jahr noch zwei- oder dreimal erhöhen.

Zu sehr werden die Renditen aber nicht anziehen, meint Birgit Henseler, Anleiheanalystin bei der DZ Bank. Der Grund: Renditen über drei Prozent werden für Investoren wieder attraktiv und ziehen deshalb Käufer an – gerade auch aus dem Niedrigzinsland Japan.

In der Euro-Zone steht eine echte Zinswende zwar wohl erst Mitte 2019 an. Diese Erwartung der Märkte hält Bundesbank-Präsident Jens Weidmann für „nicht ganz unrealistisch“, wie er am Mittwoch bei einer Veranstaltung in Wien sagte.

Dennoch strafft auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik: Seit Anfang des Jahres hat sie ihr Anleihekaufprogramm auf monatlich 30 Milliarden Euro halbiert und wird es wohl bis Ende des Jahres ganz auslaufen lassen.

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