Anleihen im Krieg Ukraine-Gläubiger bleiben hart

Die Ukraine muss bis September 500 Millionen Dollar an private Gläubiger zahlen. Doch die Verhandlungen stocken: Eine dringend benötigte Schuldenerleichterung wird es vorerst wohl nicht geben.
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Kiew will 19 Milliarden Dollar umschulden. Doch die seit Monaten laufenden Verhandlungen gestalten sich schwierig. Quelle: Reuters
Petro Poroschenko

Kiew will 19 Milliarden Dollar umschulden. Doch die seit Monaten laufenden Verhandlungen gestalten sich schwierig.

(Foto: Reuters)

San FranciscoDie Ukraine ringt weiter mit ihren größten privaten Gläubigern – der größte unter ihnen ist die Investmentgesellschaft Franklin Templeton – um eine dringend benötigte Schuldenerleichterung. Nach zweitägigen Verhandlungen in San Francisco teilten die Parteien in der Nacht zum Freitag in einer gemeinsamen Stellungnahme mit, die Gespräche fortsetzen zu wollen.

Die ukrainische Finanzministerin Natalija Jaresko war mit einer Delegation nach Kalifornien gereist, um eine Lösung mit den von der US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton angeführten Investoren zu finden. Ursprünglich hatte Jaresko die Gläubiger nach London geladen.

Für die von einer schweren Wirtschaftskrise und vom Krieg gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes erschütterte Ukraine ist ein Kompromiss extrem wichtig. Die Zugeständnisse der Anleihehalter sind eine Bedingung des Internationalen Währungsfonds (IWF), an die Finanzhilfen über 17,5 Milliarden Dollar (15,7 Milliarden Euro) geknüpft sind.

Kiew will 19 Milliarden Dollar umschulden. Doch die seit Monaten laufenden Verhandlungen gestalten sich schwierig. Die Zeit drängt: In diesem und im nächsten Monat werden Zins- und Anleihezahlungen in Höhe von mehr als 500 Millionen Dollar fällig. Ohne eine Einigung könnte es zum Zahlungsausfall kommen.

Auf diese Schwellenländer schwört Hasenstab
Michael Hasenstab
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Hasenstab, Fondsmanager von Franklin Templeton, steht im Rufe kühne Investments zu tätigen. In ukrainischen Staatsanleihen ist der 41-Jährige mit mehreren Milliarden investiert. Dort ging es seit dem gestrigen Mittwochabend um alles: Der Staat will mit seinen Gläubigern eine Einigung über einen Schuldenschnitt durchsetzen. Dafür plädiert unter anderem der Internationale Währungsfonds (IWF).

Aufschub statt Schuldenerlass
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Um die Ukraine (hier Truppen nahe Donezk) zu sanieren, braucht es einen Schuldennachlass von 15 Milliarden Dollar. Die privaten Gläubiger sind zu Zugeständnissen bereit, aber nicht zum Verzicht. Man wolle das vorrangige Finanzproblem der Ukraine adressieren – die kurzfristige Liquidität. „Wir glauben, dass die Finanzschwierigkeiten der Ukraine zu lösen sind, ohne sofort den Wert der Anleihen abzuschreiben“, meint Hasenstab.

Verzockt?
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In der Ukraine könnte Hasenstab sich durchaus verspekuliert haben. Er gilt mit seinem Fonds als größter privater Gläubiger der Ukraine. Seit 2011 hat Hasenstab schrittweise für 7,6 Milliarden Dollar Ukraine-Bonds gekauft. Diese Wette könnte ihm nun auf die Füße fallen, wenn sich private Gläubiger am frisch aufgestockten Hilfsprogramm für das Land beteiligen müssen.

Schwacher Ölpreis
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Neben der Ukraine sieht Hasenstab auch bei Schwellenländern Chancen. „Unter den Schwellenländern gibt es derzeit etliche wie Korea, Indien oder China, die unseres Erachtens vom niedrigeren Ölpreis enorm profitieren. Das kann kräftige Wachstumsimpulse auslösen“, schreibt der Fondsmanager nun in einem Kommentar.

Quelle: procontra-online.de & Handelsblatt

Wachstumsschübe durch die USA
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Volkswirtschaften wie Mexiko, Korea oder Malaysia (hier die Hauptstadt Kuala Lumpur) profitieren über den Exportkanal auch von der anziehenden US-Konjunktur, so Hasenstab. Höheres Wachstum in den USA sei häufig ein dynamischer Wachstumsmotor für Schwellenmärkte.

VW in Mexiko
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Mexikos Exportwirtschaft sei viel stärker von der Nachfrage der US-Verbraucher nach den in Mexiko produzierten Autos abhängig. Große Automobilfirmen – darunter auch VW – haben ihren Sitz in dem Land. Realwirtschaftliche Verbindungen zu den USA, wie etwa Überweisungen mexikanischer Arbeiter in den USA, würden die wirtschaftlichen Aussichten des Landes viel stärker als Preisschwankungen des Öls prägen.

Falsche Einschätzung
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Häufig kursieren viele Fehleinschätzungen über Schwellenländer, sagt Hasenstab. So wurden Mexiko (hier der Strand der mexikanischen Stadt Cancún) und Malaysia in die Kategorie der Ölproduzenten einsortiert und ihre Währungen massiv abgestraft. In Wirklichkeit exportiere Mexiko zwar Öl, doch darauf entfielen nur rund zehn Prozent des Gesamtexports.

  • dpa
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