Anleihen Spanien-Bonds rentieren über sechs Prozent

Zweifel an Spaniens Krisenmanagement haben Europas Finanzmärkte verunsichert. Die Renditen für zehnjährige Anleihe stiegen wieder über sechs Prozent. Bundesanleihen sind dagegen wieder heißbegehrt.
Update: 26.09.2012 - 16:50 Uhr 36 Kommentare
Börse in Madrid. Quelle: dpa

Börse in Madrid.

(Foto: dpa)

FrankfurtBundesanleihen haben am Mittwoch deutliche Kursgewinne verzeichnet, Anleihen aus Spanien, Italien und Portugal gaben erheblich nach. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen spanischen Anleihe ist am Mittwoch wieder über die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent geklettert. Gleichzeitig verteuerten sich die Kosten für die Versicherung spanischer Verbindlichkeiten gegen Zahlungsausfall.

Marktteilnehmer spekulieren, dass Spanien den Antrag auf ein Rettungspaket hinausschieben und warten will, bis die steigenden Finanzierungskosten auch Italien zwingen, Hilfen zu beantragen. Spanien “wäre in besserer Gesellschaft und würde weniger unter dem Stigma leiden, wenn es gleichzeitig mit Italien um Hilfen ersuchen würde”, sagte Raphael Gallardo, Leiter Makroökonomie bei Rothschild Asset Management in Paris. Der Renditeabstand zwischen italienischen und spanischen Anleihen hatte sich am Dienstag auf 65 Basispunkte verringert, nach 108 Basispunkten am 3. September.

In Spanien hatte der Präsident der Region Katalonien, Artur Mas, am Dienstag zu Neuwahlen für den 25. November aufgerufen. Es sei an der Zeit für Selbstbestimmung für die reichste spanische Region, hatte er gesagt. ”Das ist das Letzte was Rajoy jetzt braucht und das Letzte was Europa braucht”, sagte Ken Dubin, Politikprofessor an der Carlos III Universität und an der IE Business School in Madrid. Ministerpräsident Mariano Rajoy kämpft um Zustimmung zu seinen Sparmaßnahmen, um die Haushaltsziele einzuhalten. Nur Stunden nach den Äußerungen von Mas in Barcelona demonstrierten Tausende Spanier in Madrid.

Darüber hinaus kamen Zweifel auf, ob der permanente Rettungsschirm ESM die Gelder für die Rekapitalisierung der spanischen Banken bereitstellen kann. Deutschland, die Niederlande und Finnland forderten am späten Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung, dass zunächst Privatkapital, sodann nationale öffentliche Gelder und zuletzt ESM-Mittel bei der Bankenrekapitalisierung eingesetzt werden sollten.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag zuletzt neun Basispunkte niedriger bei 1,49 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 112 Basispunkte auf 141,19 Prozent.

Deutschland ist am Primärmarkt aufgetreten und hat eine zehnjährige Bundesanleihe um fünf Milliarden Euro aufgestockt. Die Gebote blieben mit 3,95 Mrd. Euro jedoch deutlich unter der Erwartung, die Zuteilung lag bei 3,191 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Rendite lag bei 1,52 Prozent. In die Marktpflege gingen gut 1,8 Milliarde Euro.

Italien hat Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von 181 Tagen im angestrebten Volumen von 9 Milliarde Euro platziert. Die durchschnittliche Rendite lag bei 1,503 Prozent gegenüber 1,585 Prozent im August.

Zehnjährige spanische Staatsanleihen rentierten zuletzt 25 Basispunkte höher bei 5,93 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Italien-Anleihen stieg um acht Basispunkte auf 5,16 Prozent. Bei den Portugal-Bonds lag die Rendite 16 Basispunkte höher bei 8,60 Prozent.

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36 Kommentare zu "Anleihen: Investoren misstrauen Spanien - und setzen auf Deutschland"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Morgenthau-Plan oder warum Europa verblutet.
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer berücksichtigen und entgegen wirken.
    Es geht um Europa, nicht um Deutschland das aber nur Teil davon ist!

  • lol
    "wer glaubt denn bitte schön allen Ernstes, dass die spanischen Zahlen korrekter sein sollten als es die Griechischen waren und sind. "

    Wissen Sie woher die Redewendung "das kommt mir spanisch vor" stammt?
    Aus Österreich, als man spanische Gesetze übersetzen wollte, oder übersetzt hat.
    Es wird ALLES erfasst, die Bürokratie wurde in Spanien erfunden, und glauben Sie mir, ein spanischer Steuerbeamter ist genauer als jeder andere, die ich bisher gesehen habe.
    Franco wollte genau wissen wo das Geld ist und wer es hat. Das haben Diktaturen leider besser im Griff, das wirkt noch heute.
    Rajoy hat heute noch zu tun, genauso wie die Damen und Herren in Deutschland auch, wo sich die öffentlich rechtlichen selbst bedienen, oder dem Steuerzahler Hermes-Bürgschaften aufgehalst werden, mit Exporten die in Deutschland verboten wurden.

  • Aufruf:
    Verkauft Gold und Silber

    Besser in Spanische und Italienische Anleihen investieren.

    Die bringen wenigstens Zinsen und sind super sicher!!!!!!!

  • "Firmen in denen einem Gewerkschafter, die Bürokratenmafia und Richter auf der Nase herumtanzen will keiner."
    Na Gottseidank! :)

    Diese "Verschwörungstheorie" hat mir ein Nachbar kredenzt, der im übrigen der Meinung ist, die Kirche soll sich gefälligst auch beteiligen.
    Ob er das nun ernst gemeint hat, nunja, er hätte gern die Sozialisten behalten.
    Die Konservativen hier haben die Gewerkschaften schon ordentlich gestutzt. Aber, sie haben Recht, es ist noch vieles verkrustet. Aber nicht so das man dieses Land jetzt auf Teufel komm raus kaputt reden muß.
    Spanien hat Dinge in seiner Verfassung stehen, da würden andere Regierungen von träumen.
    Der Spanier ist verpflichtet zu arbeiten zum Beispiel.
    Was den Gewerkschaften hier schon einiges gekostet hat.

  • @statesman
    Das ist eine spanische Bank.

  • '@rechner' sagt
    ---------------------
    "Bei einer Gesamtstaatsverschuldung von unter 100% BSP ist dann ein langsamer Schuldenabbau durchführbar." Im Aug betrugen die Staatsschulden 75,9%, Tendenz steigend.
    Empirische Untersuchungen (Reinhart, Rogoff, Cechetti...) zeigen, dass eine Schuldenquote ab 85% das Wachstum sinken lassen.
    ---------------------

    Diese empirischen Untersuchungen KÖNNEN das gar nicht zeigen. Sie können nur eine historische negative Korrelation feststellen.

    WIRKLICHE Zusammenhänge aufzuzeigen ist ein bißchen schwieriger.

    ABgesehen davon - auch mit geringem oder gar keinem Wachstum kann man Schulden abbauen.

    +++

    '@rechner' sagt
    ---------------------
    Bei Verschuldung privater Haushalten liegt die Schwelle bei 85% des BIP, bei den Unternehmen bei 90% des BIP. Leider sind in S die priv. Haushalte hoch verschuldet(so hoch wie US Haushalte). Spanische Unternehmen jedoch (ohne Bankensektor) sind mit über 300% etwa mindestens 3 x so hoch verschuldet wie deutsche und mehr als doppelt so hoch wie us-amerikanische.
    ---------------------

    Es wäre hilfreich, wenn Sie etwas genauere Angaben machen könnten:

    Soll das Netto sein?

    Oder relativ zum BSP oder anderen Größen?

    +++

    '@rechner' sagt
    ---------------------
    Ach, und die spanische Banken haben eine Verschuldung in Höhe von 328 Mllliarden Euro, das ist fast noch einmal die Hälfte der Staatsschulden.
    ---------------------

    Also, das stimmt schon mal gar nicht - die Zahl ist viel zu niedrig.

    Macht aber nichts - es ist das Geschäft von Banken, "Verschuldung" zu haben.

    Allein die Deutsche Bank hat übrigens etwa 2.000 Milliarden Schulden. Die Commerzbank über 600 Milliarden.

    Doe "Verschuldung" aller deutschen Banken dürfte etwa das drei bis viefache der deutschen Staatsverschuldung betragen.

  • 'Nitschke? sagt
    ---------------------
    Endlich mal jemand der die Dinge beim Namen nennt. Hauptprofiteur des Leidenes der Südländer ist Deutschland !!! Nicht der Zahlmeister sonder der Gewinner
    ---------------------

    Deutschland als Hauptprofiteur des "Leidenes der Südländer" - selten so gelacht:

    Bruttosozialprodukt-Anstieg 2001-2011
    ===============================

    Deutschland: 22,3%
    Italien: 27,4%
    Portugal: 27,5%
    Griechenland: 29,1%
    Frankreich: 33,5%
    Spanien: 57,8%
    Zypern: 67,2%

    ...

    Daß die südlichen Herrschaften sich auch noch Erhöhungen von Löhnen, Gehältern und Sozialleistungen geleistet haben die weit über den Anstieg ihres BSPs hinausgehen haben sie sich selber zuzuschreiben.

    +++

    Mein Opa pflegte zu sagen: "Die Dummen werden nicht alle."

    Gilt offensichtlich auch für Gutmenschen.

  • 'netshadow' sagt
    ----------------------
    Spanien hat einige attraktive Anlagen, die unbedingt billig gekauft werden wollen.
    Dieses "Schirmspekulationsspiel" wird soweit getrieben, bis Spanien vermeintlich gezwungen ist, seine Ressourcen für einen Appel und nen Ei an Konzerne zu verscherbeln und so den spanischen Markt zu "erschließen".
    ----------------------

    So hat eben jeder seine Verschwörungstheorien ;)

    Bei den "Ressourcen" in Spanien handelt es sich im wesentlichen nicht um Bodenschätze, sondern um Staatsunternehmen.

    Wenn man für diese einen guten Preis erzielem will, muß man die Gewinnerzielungsmöglichkeiten für Unternehmen verbessern.

    Firmen in denen einem Gewerkschafter, die Bürokratenmafia und Richter auf der Nase herumtanzen will keiner.

    Das gilt auch für Spanien, und in weit höherem Ausmaß für Griechenland.

  • 'Gast' sagt
    -------------------
    Das Defizit lag im Jahr 2011 übrigens nicht bei 8,5% sondern bei 8,9%.
    -------------------

    Meine Zahl 8,5% stammt von eurostat:

    http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=gov_dd_edpt1&lang=en

    Ihrer Zahl will ich zwar nicht widersprechen, wüßte aber gerne 'mal die Quelle.

    +++

    'Gast' sagt
    -------------------
    Wobei man da mal abwarten muss, die haben es doch tatsächlich geschafft drei Mal nach oben zu korrigieren. Im August wurde das BIP für 2010 und 2011 jeweils nach unten korrigiert.Da ist dann schonmal locker eine Halbierung drin.
    -------------------

    Eine Halbierung des BIP per Statistik-Korrektur?

    Das meinen Sie doch hoffentlich nicht im Ernst.

  • Endlich mal jemand der die Dinge beim Namen nennt. Hauptprofiteur des Leidenes der Südländer ist Deutschland !!! Nicht der Zahlmeister sonder der Gewinner

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