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Anleihen „Nie wieder Zinserhöhungen“: Die Märkte hoffen auf die Notenbanken

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fällt auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Dahinter steckt vor allem die Zinspolitik der EZB und Fed.
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Am Donnerstag fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – dem in Europa am meisten beachteten Zinspapier – auf bis zu 0,12 Prozent. Quelle: dpa
Bankenskyline in Frankfurt am Main

Am Donnerstag fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – dem in Europa am meisten beachteten Zinspapier – auf bis zu 0,12 Prozent.

(Foto: dpa)

FrankfurtAlle Jahre wieder. Ende 2018 hatten Analysten bei Banken unisono vorhergesagt, dass die Kurse von deutschen Bundesanleihen fallen und ihre Renditen im Gegenzug steigen sollten. Im Durchschnitt prognostizierten die vom Handelsblatt befragten 30 Banken per Jahresende 0,72 Prozent Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe. Seit 25 Jahren sagen die Analysten meistens steigende Anleiherenditen voraus, doch Recht behielten sie damit nur selten.

Und zumindest derzeit sieht es so aus, als ob Analysten daneben gelegen haben. Am Donnerstag fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – dem in Europa am meisten beachteten Zinspapier – auf bis zu 0,12 Prozent. So niedrig lag die Rendite zuletzt im November 2016. Seit Ende vergangenen Jahres hat sich die Rendite halbiert. Der Kurs stieg seither um 1,3 Prozent.

Dafür gibt es im Prinzip zwei Auslöser. Sie heißen Mario Draghi und Jerome Powell. Erst hatte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) die Märkte überrascht, indem er im Januar betont hatte, dass für die Wirtschaft im Euro-Raum die Risiken inzwischen überwiegen. Zudem betonte Draghi, dass die Märkte verstehen würden, wie die EZB reagiere. Hintergrund dieser Aussage: Viele Investoren waren zu diesem Zeitpunkt schon davon ausgegangen, dass die EZB den Leitzins in diesem Jahr nicht erhöhen wird. Die indirekte Bestätigung dieser Annahme sorgte für erneut fallende Anleiherenditen.

US-Notenbank-Chef Powell schlug kurze Zeit später ähnliche Töne an. Er betonte, dass die US-Notenbank (Fed) vor weiteren Zinserhöhungen geduldig abwarten wolle, wie sich die Konjunktur entwickelt. Außerdem deutete er an, dass die US-Währungshüter die Bilanzsumme der Notenbank mittelfristig nicht weiter im bisherigen Tempo von bis zu 50 Milliarden Dollar pro Monat abschmelzen werden und den Bilanzabbau auch irgendwann stoppen werden. Das ließ die Renditen der US-Staatsanleihen fallen – und mit ihnen auch erneut die der Bundesanleihen.

„Die Anleihemärkte spiegeln damit wider, dass die Zeit der geldpolitischen Normalisierung schon wieder vorbei ist“, meint Steven Major, Research-Chef für Anleihen bei der britischen Großbank HSBC. Zuletzt machten dabei sogar Gerüchte die Runde, dass die EZB ihre sogenannte Forward Guidance ändert. Das würde bedeuten, dass sie die Leitzinswende auch offiziell weiter nach hinten schiebt, wenn sich die Konjunktur noch weiter verschlechtert.

Bislang hatten die Notenbanker um Draghi betont, dass die Leitzinsen bis mindestens nach dem Sommer 2019 noch unverändert bleiben sollten. An den Märkten herrsche von daher eine „Nie mehr Zinserhöhungen-Stimmung“, meint Michael Leister, Leiter des Zinsresearchs bei der Commerzbank.

Diese Stimmung wird dadurch verstärkt, dass sich immer tatsächlich immer deutlicher eine schwächere Wirtschaftsentwicklung abzeichnet. Auf 0,12 Prozent fiel die zehnjährige Bund-Rendite am Donnerstag nachdem die EU-Kommission ihre Wachstumsprognosen für Europa deutlich gesenkt hatte. Für die Euro-Zone erwartet sie jetzt nur noch Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Im Herbst war die EU-Kommission noch von 1,9 Prozent ausgegangen.

Für das schuldengeplagte und in einer leichten Rezession steckende Italien senkte die Kommission die Prognose sogar um einen vollen Prozentpunkt auf nur noch 0,2 Prozent. Die Kurse italienischer Anleihen fielen daraufhin und ihre Renditen stiegen. Mit 2,93 Prozent liegt die Rendite der zehnjährigen italienischen Anleihe aber noch deutlich unter den 3,7 Prozent vom Oktober. Dies entsprach damals dem höchsten Stand seit mehr als viereinhalb Jahren.

Dass die Flucht in die sicheren Bundesanleihen so ungebremst weiter geht und wieder das historische Tief von minus 0,2 Prozent erreichen, dass es kurz nach dem Brexit-Votum im Sommer 2016 gab, gilt indes als unwahrscheinlich. Die „Nie-Mehr-Zinserhöhung-Stimmung“ dürfte auch schnell wieder kippen. Zwar nicht unbedingt für den Euro-Raum, aber für die USA. Ökonomen rechnen in diesem Jahr mit noch mindestens einer Zinserhöhung der Fed.

Spätestens im Sommer sollten sowohl der Lohn- als auch der inländische Preisdruck so anziehen, dass die Fed die Geldpolitik weiter straffen müsse, meint Elmar Völker, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Der US-Arbeitsmarkt brummt nach wie vor, der Handelsstreit mit China verteuert Importe in die USA und auch der Ölpreis ist wieder gestiegen. Dies alles spricht für höhere Inflation.

Die Spekulationen über Zinserhöhungen in den USA dürften also bald wieder hochkochen. Und dann dürften auch die Renditen an den Anleihemärkten wieder steigen. Allerdings voraussichtlich weniger deutlich als Analysten noch im Dezember vorhergesagt haben.

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