Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Anleihen Rendite für Bundesanleihe auf Rekordtief – Warum Investoren trotzdem weiterkaufen

Investoren flüchten in sichere Anlagen – und zahlen nahezu jeden Preis für deutsche Staatspapiere. Das Ausmaß der Rally überrascht auch Experten.
Kommentieren
Schon seit Monaten bezahlen Investoren den deutschen Staat dafür, ihm Geld zu leihen. Quelle: dpa
Euro-Münzen

Schon seit Monaten bezahlen Investoren den deutschen Staat dafür, ihm Geld zu leihen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die seit Anfang Juni andauernde Rally an den Anleihemärkten drückt die Rendite für deutsche Staatsanleihe auf immer neue Tiefs. Am Mittwoch notierte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei minus 0,39 Prozent. Damit könnte das Papier schon bald den Einlagenzins von minus 0,4 Prozent für Geschäftsbanken unterschreiten, den die Europäische Zentralbank (EZB) erhebt.

Zwar bezahlen die Investoren dem deutschen Staat bereits seit Monaten dafür, ihm Geld zu leihen. Die negative Rendite kommt dadurch zustande, dass Anleger Bundesanleihen zu einem höheren Preis kaufen, als den Betrag, den sie nach Ende der Laufzeit inklusive Zinsen zurückerhalten. Doch wird die Schwelle von minus 0,4 Prozent überschritten, wäre es für Investoren demnächst billiger, ihre zehnjährigen Bundesanleihen zu verkaufen und ihr Geld bei einer Bank zu deponieren. Die Bank könnte das Geld bei der EZB zu einem Zinssatz von minus 0,4 Prozent deponieren und diese Kosten dem Anleger als Strafzins in Rechnung zu stellen.

Allerdings sind die Investoren bei zweijährigen und fünfjährigen Bundesanleihen schon länger bereit, Renditen zu akzeptieren, die unter dem negativen Einlagensatz der EZB liegen. Tatsächlich sind es auch nicht die klassischen Kleinsparer, die in diesem Umfeld noch Bundesanleihen kaufen.

Das hat vor allem einen Grund: Der deutsche Staat gilt als extrem solider Schuldner. Innerhalb der Euro-Zone sind Bundesanleihen die sichersten und am leichtesten handelbaren Papiere. Die Investoren geben ihr Geld daher lieber dem deutschen Staat, als es einer Bank anzuvertrauen.

Wie wichtig Investoren Liquidität ist, also eine gute Handelbarkeit der Anleihen, zeigt der Renditeabstand zur zehnjährigen KfW-Anleihe. Sie notiert aktuell bei rund minus 0,15 Prozent. Die KfW hat eine hundertprozentige Staatsgarantie – das Ausfallrisiko entspricht daher der Bundesanleihe. Doch das Volumen der ausstehenden Anleihen ist bei der KfW deutlich geringer. Daher kann es schwerer sein, ein großes Paket von Anleihen schnell loszuwerden – ein Problem, das Anleger bei Bundesanleihen nicht haben.

Einige Investoren müssen Anleihen kaufen

Hinzu kommt: Einige Großinvestoren sind gezwungen, deutsche Bundesanleihen zu kaufen. Viele Pensionskassen und Versicherungen etwa haben extrem strikte Anlagerichtlinien. Sie dürfen keine Aktien halten und nur Schuldpapiere von Emittenten mit bester Bonität kaufen. Sie haben kaum eine andere Wahl, als einen Teil ihres Geldes beim Bund anzulegen.

Zudem gibt es Vermögensverwalter, die sich streng an einem Index für europäische Anleihen orientieren. Diese Marktbarometer enthalten immer einen gewissen Prozentsatz von Bundesanleihen – wer diese nachbilden will, muss deutsche Staatspapiere kaufen, koste es, was es wolle. Attraktiv kann die Bundesanleihe auch für spekulative Investoren sein, die über Terminkontrakte am sogenannten Futures-Markt darauf wetten, dass die Kurse der Anleihe weiter steigen.

Auch gibt es Käufergruppen, bei denen die Rendite keine Rolle spielt, etwa Notenbanken: So kauft die Bundesbank 2019 im Auftrag der EZB Bundeswertpapiere mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro – das entspricht mehr als einem Viertel des Gesamtvolumens, das die Bundesrepublik am Markt platziert.

Andere Zentralbanken kaufen Bundesanleihen, um Währungsreserven anzulegen. Zuletzt gab es einige Notenbanken, etwa aus China und Russland, die ihre Währungsreserve in Dollar aufgelöst und umgeschichtet haben. Ein Teil der Mittel dürfte auch in den Euro und deutsche Staatspapiere geflossen sein.

Hinzu kommt, dass der deutsche Staat immer weniger Anleihen ausgibt, weil er sich durch die Schuldenbremse dazu verpflichtet hat, keine neuen Schulden zu machen. Das führt dazu, dass das Angebot an Bundesanleihen auf dem Markt knapp ist.

All diese Faktoren drücken die Rendite der Bundesanleihe immer weiter nach unten. Doch das Ausmaß der Rally überrascht auch Experten. Erst vor wenigen Wochen hatten die Analysten der HSBC und der Commerzbank die Marke von minus 0,4 Prozent als Zielwert für die Bundesrendite bis Jahresende ausgegeben. Nun zeichnet sich ab, dass dieses Ziel deutlich schneller erreicht wird.

Mehr: Der Dax steigt auf ein neues Jahreshoch. Lesen Sie hier, was den deutschen Leitindex am Mittwoch bewegt.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Anleihen - Rendite für Bundesanleihe auf Rekordtief – Warum Investoren trotzdem weiterkaufen

0 Kommentare zu "Anleihen: Rendite für Bundesanleihe auf Rekordtief – Warum Investoren trotzdem weiterkaufen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote