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Anleihen Santander schockt seine Nachrang-Investoren

Die Bank Santander verstößt gegen ein ungeschriebenes Gesetz auf dem Markt für sogenannte Coco-Bonds. Der Fall könnte Signalwirkung für die Branche haben.
Update: 13.02.2019 - 17:58 Uhr 1 Kommentar
Die spanische Bank verprellt mit einem ungewöhnlichen Schritt einen Teil ihrer Anleihe-Investoren. Quelle: Bloomberg
Das Logo der Santander Bank in der Zentrale in Madrid

Die spanische Bank verprellt mit einem ungewöhnlichen Schritt einen Teil ihrer Anleihe-Investoren.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtDie spanische Bank Santander hat mit einem ungewöhnlichen Schritt einen Teil ihrer Anleiheinvestoren verprellt: Das Geldhaus verzichtete am Dienstagabend darauf, einen sogenannten Coco-Bond zum erstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen und die Gläubiger auszubezahlen.

„Cocos“, Contingent Convertibles, sind besonders spekulative, nachrangige Anleihen, die theoretisch eine unendliche Laufzeit haben, jedoch zu bestimmten Zeitpunkten gekündigt werden können. Schlittert eine Bank in die Krise, werden die Anleihen in Aktien umgewandelt, um kurzfristig das Eigenkapital einer Bank zu stützen. Die Entscheidung von Santander könnte Konsequenzen für die Refinanzierung aller europäischen Banken haben – auch der Deutschen Bank.

Bei Santander heißt es, der Regulierer sehe vor, dass Banken eine bestimmte Menge dieser Papiere halten müssen. Das bedeutet, die spanische Bank hätte den Coco durch einen ‧anderen ersetzen müssen. Doch der wäre unter den aktuellen Marktbedingungen teurer gewesen. Im Regelfall kündigen Banken ihre Cocos trotzdem zum erstmöglichen Termin, weil sie ihre Investoren bei Laune halten wollen.

Wie die Investoren reagieren, wenn Banken gegen dieses ungeschriebene Gesetz verstoßen, zeigt sich bei Santander. Der Kurs des Cocos ging in der Spitze um 1,5 Prozent zurück, am Anleihemarkt ein heftiger Verlust. Inzwischen hat sich der Kurs weitgehend erholt. Besonders verärgert waren viele Investoren, weil die Bank sie bis zur letzten Minute im Unklaren gelassen hatte: „Die Art und Weise, wie diese Entscheidung kommuniziert wurde, dürfte viele Investoren vor den Kopf gestoßen haben“, sagt Michael Hünseler vom Vermögensverwalter Assenagon. „Mehr Transparenz und eine bessere Kommunikation wären angezeigt.“

Papiere anderer Geldhäuser im Fokus

Aus seiner Sicht riskiert Santander einen langfristigen Schaden, weil sich die Investoren auch bei anderen Papieren des Instituts zurückhalten und höhere Risikoaufschläge fordern könnten. „Ich halte es für möglich, dass daraus zusätzliche Kosten entspringen könnten, die zum heutigen Zeitpunkt noch nicht quantifizierbar sind“, warnt Hünseler. Hinzu kommt: Es ist keineswegs ausgemacht, dass ein neuer Coco für Santander teurer geworden wäre als der alte. „Das Umfeld für eine Refinanzierung ist seit Anfang des Jahres nicht schlecht. Die Nachfrage der Investoren ist auch für Nachrang- und Hybridanleihen wieder da“, argumentiert Andreas Meyer vom Vermögensverwalter Aramea.

Für die Branche könnte der Fall Signalwirkung haben. „Die Entscheidung rüttelt den Markt auf“, warnt Analyst Marco Troiano von Scope Ratings. Für Fondsmanager Meyer ist mit dem Schritt von Santander der erste Beweis erbracht, dass die „Emittenten bei ihrer Kündigungsüberlegung rein ökonomisch vorgehen.“ Nun geraten auch Papiere anderer Geldhäuser in den Fokus, bei denen die Kündigung zum ersten Termin platzen könnte. So wird etwa der ab 2020 kündbare Coco der Deutschen Bank mit einer Rendite von 20 Prozent gehandelt. „Der Markt geht sehr deutlich davon aus, dass die Anleihe nicht zum ersten Termin gekündigt wird“, sagt Assenagon-Manager Hünseler.

Doch das muss keine schlechte Entwicklung sein, sagt Scope-Analyst Troiano: Santander werde nicht der letzte solche Fall sein. „Die Investoren werden sich daran gewöhnen.“ Dass die Papiere nicht quasi automatisch zum ersten Termin gekündigt werden, sei vom Regulator gewollt. „Die Investoren müssen lernen, dass Cocos potenziell unbefristete Anleihen sind. Dafür erhalten sie auch mehr Rendite.“

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1 Kommentar zu "Anleihen: Santander schockt seine Nachrang-Investoren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mangelnde Transparenz sehe ich nicht. Auf der Bilanzpressekonferenz hat José Antonio Álvarez bereits mitgeteilt, dass es eine rein wirtschaftliche Entscheidung bezüglich der Kündigung der Anleihe geben werde.
    Banco Santander spart sich 12 Mio. EUR/Jahr durch diese Entscheidungen. Somit ist es nachvollziehbar, aktuell die Anleihe weiter im Markt zu lassen.
    Die Investoren, die Cocos in ihren Portfolios halten, dürfte diese Entscheidung keinesfalls überraschen.

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