Anleihen Ukraine droht der Staatsbankrott

Kiew verliert zunehmend das Vertrauen von Investoren. Eine wichtige Ratingagentur stuft die Kreditwürdigkeit herab. Das Land steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Präsident Janukowitsch steht mit dem Rücken zur Wand.
Update: 21.02.2014 - 15:18 Uhr 12 Kommentare
Ukrainische Oppositionelle rasten hinter Barrikaden: „Wir denken, dass die Zukunft der gegenwärtigen Führung in der Ukraine derzeit unsicherer ist als jemals seit Beginn der Proteste im November 2013“, erklärte S&P. Quelle: dpa

Ukrainische Oppositionelle rasten hinter Barrikaden: „Wir denken, dass die Zukunft der gegenwärtigen Führung in der Ukraine derzeit unsicherer ist als jemals seit Beginn der Proteste im November 2013“, erklärte S&P.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, KiewDie Lage in der Ukraine spitzt sich zu - auch finanziell: Nach den seit Wochen andauernden Unruhen haben sich Investoren abgewendet. Die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) warnt vor einem Zahlungsausfall. Auch Russland scheint nicht mehr bedingungslos zu seinem Nachbarn zu stehen. Wenn es Präsident Viktor Janukowitsch nicht gelingt, die Gewalt bald zu beenden, droht ihm das Geld auszugehen.

Auch vor diesem Hintergrund unterbreitete der Präsident am Freitag einen neuen Vorschlag. Janukowitsch kündigte vorgezogene Präsidentschaftswahlen an, nannte dafür aber keinen Termin. Zugleich erklärte er, er akzeptiere eine Verfassungsreform und die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit. Die Vertreter der ukrainischen Protestbewegung des Maidan haben der Unterzeichnung eines vorläufigen Abkommens mit der Regierung zugestimmt.


An den Finanzmärkten entspannte sich die Lage am Freitag, nachdem sich eine politische Lösung abzeichnete. Die Landeswährung Hrywnja stieg bis auf 8,83 Dollar. Am Vortag war sie bis auf 9,085 Dollar gefallen. Seit Beginn der Proteste hat sie rund zehn Prozent verloren. Die in Dollar gehandelten zehnjährigen Staatsanleihen zogen ebenfalls leicht an, die Renditen gaben leicht nach. Sie liegen allerdings immer noch bei 10,5 Prozent.

Steiler Anstieg: Kosten für Kreditausfallversicherungen der Ukraine seit 2013. Quelle: Bloomberg

Steiler Anstieg: Kosten für Kreditausfallversicherungen der Ukraine seit 2013.

(Foto: Bloomberg)


Die Kosten für Ausfallversicherungen (Credit Default Swaps), mit denen sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall absichern, fielen nur leicht. Wer ein zehn Millionen Dollar schweres Paket ukrainischer Anleihen gegen Zahlungsausfall absichern möchte, muss aktuell 1,250 Millionen Dollar zahlen. Im Januar waren es rund 700.000 Dollar. Nur für Argentinien und Venezuela werden noch höhere Prämien fällig.

Die Ausgabe von fünfjährigen Anleihen im Volumen von zwei Milliarden Dollar musste die Ukraine nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters absagen. Die Nachfrage war zu gering. Der große Nachbar Russland wollte - anders als erwartet - offenbar nicht als Käufer einspringen.

Zuvor hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s das Land heruntergestuft. S&P senkte die Kreditwürdigkeit am Freitag zum zweiten Mal binnen drei Wochen - und zwar um eine Stufe auf „CCC“ - und damit acht Stufen unter der Güteklasse Investmentgrade. Staatsanleihen des Landes gelten damit als hoch spekulative Anlage. Ein Zahlungsausfall kann demnach nur bei einer günstigen Entwicklung verhindert werden. „Wir sind jetzt der Überzeugung, dass die Ukraine zahlungsunfähig sein wird, sollte sich die Lage nicht erheblich zum Positiven wenden - womit wir nicht rechnen“, heißt es in der Stellungnahme der S&P-Analysten.

Der größte Investor schweigt
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12 Kommentare zu "Anleihen: Ukraine droht der Staatsbankrott"

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  • Na und? Das hatten wir Ende der 1990er schon mal. Damals wurden 16% Anleihen der Ukraine nicht bedient. Pech für die %-gierigen Anleger, aber kein größeres Problem.

    Heute wird auch die Ukraine mit unseren Steuergeldern gerettet.

    Schluss mit DIESEM Europa. Bei der Wahl im Mai gibt es eine "Alterantive"!

  • @Skyjumper
    Was Sie da schreiben, sehe ich genau so.

    Hier wurde aber der Begriff "Staatsbankrott" thematisiert.

  • @mmnews_de

    "Hängen alle Länder am Tropf eines privaten Geldmonopols?"

    Präsident Kennedy unterzeichnete am 4. Juni 1963 ein präsidiales Dokument die"executive order number 11110" (Sein Todesurteil). Dieser präsidiale Beschluss ermächtigte den Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Herstellung von Geld wieder in die Gewalt des Staates zurückzubringen!

    Weg vom Kreditgeld der privaten FED die damit die ganze Welt verschuldet/versklavt!

    Nur 5 Monate nach der Unterzeichnung wurde Kennedy ermordet!

    Die (noch am selben Mordtag!) erste Amtshandlung seines Nachfolgers, des vorherigen Vize-Präsidenten und Hochgrad-Freimaurers (32. Grad) Lyndon Baines Johnson, eines skrupellosen, hoch kriminellen Hochfinanz-Handlangers, war es, Kennedys präsidialen Beschluss wieder aufzuheben, die bereits ausgegebenen Scheine wieder einziehen und mit den schon gedruckten einstampfen zu lassen.

    Ist das der Grund, warum sich kein Politiker traut die wahre Ursache unserer Probleme jemals anzugehen: nämlich das Geldmonopol bzw. verzinste Kreditgeldsystem der Privatbanken?

    Warum erfahren wir in den gleichgeschalteten Massenmedien nichts über das Schuldgeldsystem der Privatbanken?

  • "Kiew verliert zunehmend das Vertrauen von Investoren."

    Wer sind diese "Investoren" die entscheiden ob ein Land finanziell austrocknet?

    Es sind die int. Bankster!

    Staaten verschulden sich zu 97% bei Banken und Versicherungen!!!

    ( Die Versicherungs AGs gehören auch den Bankstern )

    Wieso sprechen die gleichgeschalteten Konzernmedien immer von "Investoren" und nicht Banken???

    Gehören die Konzernmedien vielleicht auch den Bankster?

    Hängen alle Länder am Tropf eines privaten Geldmonopols?

    Das von den internationalen Bankstern aus der Luft erzeugte Kreditgeld, welches die Bankster nur gegen Realvermögen als "Sicherheit" aushändigen, ist das vielleicht größte methodische Verbrechen der Geschichte!

    Spielt es eine Rolle was die Welt kosten, wenn private Banken bzw. deren EIGENTÜMER Geld aus dem nichts schöpfen?

    Gehört die Welt ( Medienkonzerne, Energiekonzerne, Lebensmittelkonzerne, Pharmakonzerne, etc. ) den Bankstern?

    Jeder der das nicht versteht, sollte im Internet nach "Schuldgeldsystem" bzw. "Das Zwangsgeldsystem Mario Fleischmann" oder "Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Krise" suchen.

  • Ihr Gedankenmodell bewegt sich für mich schon in den richtigen Bahnen, Nur die Frage die Sie daraus ableiten ist für mich die falsche, richtiger gesagt eine uninteressante.

    Aber stellen Sie sich mal vor, das Brandenburger Tor wäre seit Wochen durch EU-Skeptiker verbarrikadiert, jede Nacht fliegen Molotowcocktails gegen den Reichstag und das Kanzleramt. Mitglieder der Bereitschaftspolizei würden durch die "Demonstranten" gefangen genommen und Bundesministerien wären besetzt.

    Was glauben Sie, wie die deutsche Regierung und die Ordnungskräfte auf so ein Szenario reagieren würden? Ein Tip: Man Google mal nach "Rote Flora" und "Gefahrenzone in Hamburg".

    Ja, dann hätte das "Regime" in Berlin ganz schnell Besuch von allen möglichen ausländischen Politikern. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die grossen innenpolitischen Auseinandersetzungen in den 60-ern. Mit der Antwort der damaligen Parlamentarier leben wir heute noch: Die deutschen Notstandsgesetze.

  • Man stelle sich vor:

    das Brandenburger Tor wäre schon seit Wochen verbarrikatiert, einige Ministerien seit Monaten von Regierungsgegnern besetzt, jeden Abend würden "Feuerchen" gemacht etc., die Produktion kommt ins Stocken da nicht mehr gearbeitet wird,
    würde Deutschland nicht auch der Staatsbankrott drohen?

  • Genau in diesem Zustand passt die Ukraine in die EU! Griechenland, Zypern, Kroatioen, Rumänien, Bulgarien etc. lassen grüßen! Wann wird die EU endlich mal demokratisch und bürgermitbestimmend??? Viel Unsinn wäre von vorn herein verhindert! Verlogenes Brüssel!

  • Die Männer und Frauen aus Galiläa verrichten doch dort nur ihr Werk Gottes. Alles wird gut werden.
    Wolfgang und Angie haben schon einen genialen Rettungsplan:
    Der Michel zahlt schon, das ist alternativlos.

  • @GegendenPopulismus
    Die Frage kann man anders stellen: Was muss man tun, damit die Ukraine, der es ohnehin schon schlecht geht, ihre Polizisten und Soldaten nicht mehr bezahlen kann?
    Unsere Strippenzieher aus der EU und den USA haben eben an alles gedacht.

  • Dieser Kommentar folgt mal wieder einem bekannten Reflex und ist undifferenziert und und populistisch.

    Viel interessanter ist doch: Was macht die Polizei, das Milität etc. wenn keine Gehälter mehr gezahlt werden?

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