Anleihen und Athen Investoren unterschätzen die griechische Gefahr

Griechenlands Widerstand bringt die Euro-Zone ins Wanken. Italien und Spanien könnten ebenfalls in Bedrängnis geraten. Doch Anleihe-Investoren interessiert das nicht. Sie ignorieren die griechische Ansteckungsgefahr.
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Sprüht der Funke nach Alexis Tsipras Wahlsieg in Griechenland auf Podemos-Bewegung von Pablo Iglesias über? Wenn ja, sollten sich Anleihe-Investoren warm anziehen. Quelle: ap

Sprüht der Funke nach Alexis Tsipras Wahlsieg in Griechenland auf Podemos-Bewegung von Pablo Iglesias über? Wenn ja, sollten sich Anleihe-Investoren warm anziehen.

(Foto: ap)

Die entspannte Haltung der Investoren könnte die Gefahr, die von Griechenland für den Euro-Raum ausgeht, noch verstärken. Sie nehmen bei italienischen und spanischen Staatsanleihen nahezu rekordniedrige Zinsen hin und ignorieren damit die Gefahr einer Ansteckung der Peripherieländer durch die Bemühungen Griechenlands, einen neuen Schulden-Deal von mehr als 300 Milliarden Euro auszuhandeln. Und sie senden damit falsche Signale an die europäischen Politiker.

„Irgendjemand sagt irgendwas, was freundlich klingt, und schon schließt der Markt daraus, dass eine Lösung in Sicht ist“, sagte Stephen Lewis, Chefvolkswirt bei ADM Investor Services International in London, in der vergangenen Woche. „Dabei muss das überhaupt nicht stimmen. Ein Ende der Sparpolitik in Griechenland wäre ein Ende der Sparpolitik im Euro-Raum insgesamt.“

Doch anstatt Anleihen abzustoßen und die Regierungen zum Handeln zu zwingen, sehen die Investoren nur eine geringe Gefahr, dass Griechenland den Euro-Raum verlässt. Das ermutigt die europäische Politik, sich gegenüber einem Schuldenschnitt hart zu zeigen – und unterschätzt damit die Gefahr, dass eine Fehlkalkulation die Finanzstabilität der Region schwer schädigen würde, erklärt Chris Attfield von HSBC in London.

„Diese fehlende Ansteckung erhöht die Randrisiken in der Peripherie“, schrieb Attfield am 6. Februar, und bezog sich damit auf Ereignisse, die zwar wenig wahrscheinlich sind, im Fall ihres Eintretens aber starke Auswirkungen hätten. „Die Gefahr ist, dass dadurch das Gefühl entsteht, der Euro-Raum könne ein Ausscheiden Griechenlands überstehen.“

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hält bislang an seinem Wahlversprechen fest, die Kürzungen der Sozialausgaben im Zuge des Rettungsprogramms rückgängig zu machen. Seit seinem Wahlsieg hat Tsipras angekündigt, den Mindestlohn in Griechenland anzuheben, den Freibetrag zur Einkommensteuer wiedereinzuführen und Infrastrukturprivatisierungen zu stoppen. Zugleich erklärte er, er wolle Reparationen von Deutschland fordern. Mit all dem traf er bei seinen europäischen Amtskollegen auf keine Gegenliebe. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel signalisierte kaum Bereitschaft, über die Bedingungen des Rettungsprogramms zu verhandeln.

Während Tsipras' Wahlversprechen bei seinen Wählern gut ankommen, sind Investoren davon nicht angetan. Obwohl Tsipras zugesagt hat, Anleihen in den Händen privater Gläubiger zu bedienen, sind die Renditen auf Niveaus hochgeschossen, wie es sie seit der Umschuldung von 2012 nicht mehr gegeben hatte. Der Aktienmarkt verlor seit Tsipras' Wahlsieg neun Prozent.

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10 Kommentare zu "Anleihen und Athen: Investoren unterschätzen die griechische Gefahr"

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  • Eine Währungsunion ohne Fiskalunion, mit Teilverzicht auf Steuerhoheit der einzelnen Euroländer, ist nicht überlebensfähig.
    Das hat ja nie gegeben. Die Väter der Europäische Währungsunion hätten sich ein Beispiel an die Schweiz nehemen sollen, ein Fedrales Europa der 6 Kern- oder Gründerländer für den Anfang, andere Länder hätten auf Wunsch nach und nach dieses federale Europa beitreten können.
    Nur so wäre aus der Währungs- und Europäische-Union etwas werden können.

  • @ Herr Jürgen Dannenberg, (noch einmal, weil es so schön ist und das HB offenbar Probleme mit der Programmierung dieser Kommentar-Funktion hat / Ich wollte mit der ENTER-Taste eigentlich nur eine Zeile einfügen!) Woher nehmen Sie Ihr wissen, dass Deutschland weiterhin den Griechenland-Komplex aufrecht erhält ? Gibt es dafür einen empirischen Nachweis ?

  • @ Herr Jürgen Dannenberg

  • Der Artikel ist doch ein bisschen daneben geraten. Wie um alles in der Welt sollte eine griechische Wirtschaft, Deutschland und Europa bei Nichtzahlung der ausstehenden Forderungen gefährden können?
    Gut , wenn die nicht zahlen wollen, verkaufen wir unsere Forderungen halt an Hedefonds. Wo sollte da das Problem sein. Das Problenm wird wohl eher Merkel und Schäuble - wie verkaufe ich weiter Hilfspakete an das Wahlvolk.
    Aber der griechische Finanzminister, und seine eher an kriminelle Erpresser erinnernde Kumpane werden wohl Recht haben. ....... Deutschland zahlt am Ende sowieso.Originalton.
    Egal wie ich die beleidige.

  • Ich betone es nochmals, auch wenn viele es nicht hören oder lesen mögen (vor allen Dingen nicht die Bewohner der südlichen EURO-Länder): Finanzdisziplin hat absolute Priorität !!! Ansonsten ist der Untergang für alle EURO-Länder inkl. Deutschland nahe !

  • "Ein guter weiser Arzt weiß, wann man einen Krebs entfernen muss."

    Was hat das mit dem Thema zu tun?

  • "nämlich als gering, was die Stabilität der Zone auch ohne Griechenland beträfe."

    Die Wahrhscheinlichkeit eines Grexits oder Schuldenschnitts sind vermutlich nicht ausreichend eingepreist. Tritt das Ereignis ein, dann fallen die Preise etwa für Italien ziemlich sicher, wenn man aggressive Markteingriffe der EZB außen vor lässt. (Ob das passiert, ist gar nicht sicher)

    Der Punkt ist, dass man kurzfristig mit heftigsten Reaktionen rechnen muss, falls das vom Markt unerwartete nun doch doch eintritt - es geht also nur darum, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit allgemein wohl zu niedrig angesetzt wird.

  • Ein guter weiser Arzt weiß, wann man einen Krebs entfernen muss.

    entweder der Krebs
    oder der ganze Mensch

    es ist nur eine Frage der Zeit.

  • "Italien und Spanien könnten ebenfalls in Bedrängnis geraten. Doch Anleihe-Investoren interessiert das nicht. Sie ignorieren die griechische Ansteckungsgefahr."

    Bei Schuldenschnitt oder Grexit wird es kurzfristig zu Preisanpassungen kommen, weil der Markt dann auf die harte Tour mit dem tatsächlichen Risiko konfrontiert wird. Die Gewissheit "Draghi bürgt immer" wird dann genommen, weil die Eurozone zeigt, dass sie bereit ist, aussichtlose Mitgliedschaften zu beenden. Das ist aber eigentlich eine gute Sache, wenn der Markt wieder verantwortlich und realistisch bewertet...

  • Was für ein konfuser Artikel: Warum soll dies eine Gefahr sein, wenn die Anleihenmärkte derzeit nicht verrückt spielen. Es zeigt einfach, dass die Märkte die Bedeutung Griechenlands für die Euro-Zone richtig einschätzen, nämlich als gering, was die Stabilität der Zone auch ohne Griechenland beträfe.
    Und dies ist dann keine Gefahr, wie der Autor meint, sondern etwas ausgesprochen positives. Es verhindert einerseits eine Erpressung durch Griechenland und anderseits den Ansteckungseffekt, den der Autor befürchtet, nämlich dass andere Länder wie Spanien, Italien etc. Griechenland nacheifern wollen. Also ein völlig konfuser Artikel mit einer völlig konfusen Schlussfolgerung.

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