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Anleihen US-Zinskurve kippt – Stärkstes Rezessionssignal seit der Finanzkrise

Zweijährige US-Staatsanleihen werfen erstmals seit 2007 mehr Rendite ab als zehnjährige Papiere. In der Vergangenheit war das ein verlässlicher Krisenindikator.
Update: 14.08.2019 - 16:21 Uhr Kommentieren
Angesichts der inversen Zinskurve stehen die Börsenindizes unter Druck. Quelle: AFP
Fahnen der USA an der Wall Street

Angesichts der inversen Zinskurve stehen die Börsenindizes unter Druck.

(Foto: AFP)

Frankfurt Die Anzeichen für eine Rezession mehren sich: Am Mittwoch sind die Renditen für zweijährige US-Staatsanleihen erstmals seit 2007 über die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen gestiegen. Erstere stiegen auf 1,63 Prozent, die Renditen für Zehn-Jahres-Bonds sanken auf 1,62 Prozent.

Dieses Phänomen bezeichnen Fachleute als Inversion der Zinskurve. Es gilt als verlässlicher Krisenindikator: In neun von zehn Fällen ist es der Commerzbank zufolge binnen zwei Jahren nach der Umkehr der Zinskurve zu einer Rezession in den USA gekommen. Die Reaktion an den Märkten fiel daher deutlich aus: Sichere Häfen wie Gold oder langlaufende Staatsanleihen waren gefragt. Der Dax baute seine Verluste stark aus, der amerikanische Dow-Jones-Index gab zum Start gut 400 Punkte nach und auch beim Ölpreis ging es deutlich bergab.

„Der sprunghafte Rückgang der Renditen langfristiger US-Staatsanleihen ist ein Zeichen, dass Anleger mit einer Abkühlung der Konjunktur rechnen“, sagt Daniel Lenz, Anleiheexperte der DZ-Bank.

Üblicherweise verlangen Investoren einen Renditeaufschlag, wenn sie ihr Kapital langfristiger verleihen. Daher werfen zehnjährige US-Staatsanleihen in ruhigeren Marktphasen mehr ab als kürzer laufende Papiere. Doch in Krisenzeiten sind vor allem langlaufende Staatsanleihen gefragt. Das drückt die Renditen.

Wenn deutlich mehr Anleger zehnjährige Bonds kaufen und dafür zweijährige verkaufen, kommt es zu einer Inversion der Zinskurve. Dazu dürften auch die Erwartungen einer baldigen Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed beitragen.

In Phasen, in denen die Zinsen sinken, ist es für Investoren attraktiver, langlaufende Papiere zu halten, da sie üblicherweise stärker von Kursanstiegen profitieren. Steigen die Zinsen dagegen, fallen die Kurse für langlaufende Anleihen dagegen deutlich stärker als kurzfristige Papiere.

Auch in Großbritannien war am Mittwoch erstmals seit 2008 eine Inversion der Zinskurve zu beobachten. Der am Mittwochmorgen veröffentlichte Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung sowie die gesunkenen Konjunkturbarometer des Münchner ifo-Instituts und des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) geben weiteren Grund zur Sorge.

Eine Inversion von Teilen der US-Zinskurve ist jedoch kein neues Phänomen: Die Renditen für dreimonatige US-Staatsanleihen liegen bereits seit einigen Wochen über der Zehn-Jahres-Rendite. Das Verhältnis von Drei-Monats zu Zehn-Jahres-Zinsen wird beispielsweise von der New Yorker Dependance der Fed als Krisenindikator beobachtet.

Der Zwei-Jahres-Zehn-Jahres-Kurve widmen Marktteilnehmer jedoch ebenfalls große Aufmerksamkeit. Ihre Inversion gilt nun als weiteres Signal dafür, dass an den Finanzmärkten etwas grundsätzlich im Argen ist.

Der Bankensektor ist ein Grund, warum die Inversion der Zinskurve als gefährlich für die Realwirtschaft gilt: Ihr Geschäftsmodell aus kurzfristigen Einlagen und langfristigen Krediten kommt in der verkehrten Zinswelt an seine Grenzen, da sich ihre Zinsmarge entscheidend reduziert. Experten befürchten, dass Banken im nun herrschenden Marktumfeld weniger Kredite vergeben, die Investitionen der Unternehmen sinken und das Wirtschaftswachstum dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird.

Allerdings gibt es auch Anleiheexperten, die an der Aussagekraft der Zinskurve zweifeln: So sagt Christoph Rieger, Chefanleihestratege der Commerzbank: „Die Inversion der US-Zinskurve ist in erster Linie durch das globale Tiefzinsumfeld geprägt.“ Weltweit werfen Anleihen mit einem Volumen von über 15 Billionen Dollar negative Zinsen ab, die USA seien daher eine der wenigen Orte auf der Welt, an denen Zinspapiere noch einen Ertrag abwerfen. Daher sei die Nachfrage nach lang laufenden US-Staatsanleihen extrem groß.

Die kurzfristigen US-Zinsen hängen dagegen viel stärker von der Zinspolitik der Fed ab – und sind daher enger an den Leitzinskorridor von zwei bis 2,25 Prozent gekoppelt, so Rieger: „Wenn die Nachfrage nach langfristigen Staatsanleihen steigt, kann die Zinskurve auf kurze Sicht erstmal nur invertieren.“

Auch DZ-Bank-Experte Daniel Lenz sieht keinen Automatismus, dass auf eine inverse Zinskurve zwangsläufig eine Rezession folgt: „Die Fundamentaldaten zeigen, dass die Lage der US-Wirtschaft nach wie vor besser ist als die Reaktion der Märkte vermuten lässt.“ Er erwartet, dass die Zinssenkungen der Fed auch die Renditen für kurzfristige Papiere senken – und sich die Inversion der Zinskurve zurückbildet.

Ob Rezession oder nicht: Auf eines müssen sich die Anleger nach Ansicht von Joachim Fels, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Pimco, jedoch einstellen: „Eine Zinssenkung der Fed markiert den Anfang des nächsten großen Lockerungszyklus in den USA.“ Die Fed könnte ihre Zinsen wie die EZB auf null senken und auch ein Anleihekaufprogramm starten. Dann, so Fels, „könnten negative Renditen auch auf US-Staatsanleihen schon bald zur neuen Normalität werden“.

Mehr: Wer Staaten Geld leiht, bekommt derzeit dafür keinen Zins, sondern zahlt drauf: In Deutschland wirft keine Bundesanleihe eine positive Rendite ab. In anderen Staaten ist das ähnlich.

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