Anleihen Zwischen USA und Europa herrscht eine Zinskluft – mit diesen drei Strategien können Anleger sie nutzen

Der Zinsunterschied zwischen Deutschland und den USA liegt auf einem Rekordniveau. Für die Anleger eröffnet diese Konstellation Chancen.
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Langfristig dürfte sich die Zinsdifferenz ihrem historischen Mittelwert von 0,46 Prozentpunkten wieder annähern. Quelle: Ikon Images/Getty Images
Tiefe Zinskluft

Langfristig dürfte sich die Zinsdifferenz ihrem historischen Mittelwert von 0,46 Prozentpunkten wieder annähern.

(Foto: Ikon Images/Getty Images)

FrankfurtEs kommt nicht oft vor, dass Finanzexperten todsichere Anlageempfehlungen geben. Doch Christoph Rieger, Anleiheexperte bei der Commerzbank, glaubt, eine solche Investmentmöglichkeit gefunden zu haben. Sie sei ein „no brainer“, sagt er – ein Investment, bei dem Anleger ihr Hirn ausschalten können. Rieger empfiehlt, lang laufende US-Staatsanleihen zu kaufen. Denn der Zinsaufschlag, den Investoren gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen erhalten, liegt auf Rekordniveau.

Die Renditen für deutsche und amerikanische Staatsanleihen sind zuletzt noch einmal deutlich auseinandergelaufen. Derzeit beträgt die Zinsdifferenz bei Papieren mit zehnjähriger Laufzeit knapp 2,7 Prozentpunkte – das ist der höchste Wert seit 30 Jahren.

Treiber dieser Entwicklung ist die grundverschiedene Ausrichtung der Geldpolitik in den USA und Europa. Während die US-Notenbank Fed sukzessive die Zinsen anhebt, dürfte die Europäische Zentralbank das Ende der Nullzinszeit erst gegen Ende 2019 einläuten. Die EZB hinkt den Amerikanern damit gut vier Jahre im Zinszyklus hinterher.

Doch langfristig – da sind sich viele Anleiheexperten einig – dürfte sich die Zinsdifferenz ihrem historischen Mittelwert von 0,46 Prozentpunkten wieder annähern. Für Anleger bietet diese historisch einmalige Situation die Möglichkeit, trotz des schwierigen Marktumfelds mit Anleihen eine positive Rendite zu erzählen. Das Handelsblatt beschreibt drei Strategien, mit denen defensive wie spekulative Anleger von dem Zinsunterschied profitieren können.

Kaufen und halten

Commerzbank-Experte Rieger empfiehlt langfristig orientierten Anlegern, sich US-Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit ins Depot zu legen. „Das ist etwas für Leute, die sagen: In 30 Jahren möchte ich in Rente gehen, und bis dahin brauche ich mir den Kurs nicht mehr anzuschauen.“ Die im Jahr 2048 fällige Anleihe (ISIN: US912810SD19) hat einen Zinskupon von drei Prozent und wird aktuell mit einem Kurs von 92 Euro gehandelt – unterm Strich erhalten Anleger also eine Rendite von 3,4 Prozent.

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Die 30-jährige Bundesanleihe wirft dagegen nur knapp 1,2 Prozent ab. Weil die US-Notenbank mit ihrem Zinserhöhungszyklus bereits deutlich weiter ist, dürften die Kurse von US-Anleihen auf längere Sicht stabiler bleiben als europäische Anleihen. Denn steigende Leitzinsen bedeuten typischerweise fallende Bondkurse und steigende Renditen. Doch die kommenden Leitzinserhöhungen in den USA seien bereits weitgehend eingepreist, sagt Rieger.

Allerdings holen sich Anleger mit dieser Strategie ein Wechselkursrisiko ins Depot. Für den Erwerb der US-Anleihen müssen deutsche Anleger Dollar kaufen. Auch die Höhe der Zinseinnahmen, in Euro gerechnet, schwankt mit dem Wechselkurs. Wer sich gegen Währungsrisiken absichert, etwa indem er Euro-gehegte US-Anleihefonds kauft, dem bleibt nach Abzug der Hedging-Kosten kein Renditevorteil gegenüber europäischen Bonds.

Doch Rieger hält das Wechselkursrisiko bei lang laufenden US-Anleihen für vertretbar. „Bei den aktuellen Bewertungen könnten Investoren einen Anstieg des Euros auf über zwei Dollar verkraften“, rechnet er vor. Zwar sei bei einem so langen Anlagehorizont eine solch extreme Dollar-Abwertung durchaus denkbar, sollte die US-Inflation dauerhaft deutlich über der Euro-Inflation liegen. Doch eine derart starke reale Euro-Aufwertung erscheint ihm noch unrealistischer. „Das würde von der EZB wohl kaum toleriert werden“, ist der Commerzbank-Experte sicher.

Vollständig absichern

Doch selbst Anleger, denen solche Währungswetten zu heiß sind, können von der historischen Renditedifferenz profitieren. Denn die Kosten, sich gegen Wechselkurschwankungen abzusichern, hängen direkt von den Zinsniveaus in den zwei Währungsräumen ab, sagt Christian Kopf, Leiter Renten und Währungen bei Union Investment. Das bedeutet: Gleicht sich das Zinsniveau in den USA und Deutschland wieder an, sinken auch die Hedging-Kosten.

„Wer heute zehnjährige auf Dollar lautende Unternehmensanleihen kauft und diese in Euro absichert, wird zwar kurzfristig damit nicht mehr verdienen als mit auf Euro lautenden Unternehmensanleihen“, sagt Kopf. „Aber im Verlauf der nächsten zehn Jahre wird diese Investition wahrscheinlich mehr abwerfen als Euro-Anleihen.“

Die Devisenabsicherungskosten sollten vom derzeit extrem hohen Niveau absinken, ist er sicher. Das heißt: Wer sich jetzt die vergleichsweise hohen Kupons in den USA sichert, kann in Zukunft nach Abzug der Hedging-Kosten mit einem höheren Zinsertrag rechnen. Zudem profitieren Anleger davon, dass die Fed mit der Anhebung der Leitzinsen weiter ist als die EZB.

„Die Gefahr eines weiteren Renditeanstiegs durch Leitzinserhöhungen ist auf der anderen Seite des Atlantiks weniger ausgeprägt“, sagt Kopf. „Es könnte also eine gute Zeit sein, Rentenanlagen global zu diversifizieren.“ Dafür können Anleger beispielsweise einen Indexfonds wie den iShares Global Corporate Bond EUR Hedged (ISIN: IE00B9M6SJ31) oder einen aktiv gemanagten Fonds mit Währungssicherung wählen.

Spekulative Wette

Ein Anleihemanager, der bereits seit geraumer Zeit auf eine Einengung der Zinsdifferenz zwischen den USA und Deutschland setzt, ist der langjährige Pimco-Chef Bill Gross. Für ihn ist das der „Trade des Jahrhunderts“. Doch bislang hat sich das für die Anleger seines Janus Henderson Global Unconstrained Bond Fund (ISIN: IE00BLWF5Q02) nicht ausgezahlt. Der Fonds ist auf Jahressicht 3,8 Prozent im Minus.

Besonders Gross’ Wetten auf steigende Kurse von US-Treasuries sowie fallende Kurse von Bundesanleihen haben dem einstigen Bondguru herbe Verluste eingebracht. Die Andeutung von Fed-Chef Jerome Powell, die Leitzinsen stärker anheben zu wollen, hat die Kurse von US-Papieren zuletzt ins Rutschen gebracht. Zudem waren Bundesanleihen angesichts wachsender Sorgen vor einer Schuldenkrise in Italien als sicherer Hafen gefragt, was die Kurse gestützt hat.

Doch wenn die These stimmt, dass sich Bundesanleihen und US-Treasuries nicht ewig voneinander entkoppeln können, müsste sich die Wette für Gross irgendwann auszahlen – und damit auch für jene Anleger, die ihm die Treue gehalten haben.

Theoretisch könnten Anleger auch selbst auf fallende Bund-Kurse wetten, etwa durch den Kauf von sogenannten Short-ETFs auf den Bund-Future (ISIN: LU0530119774). Doch diese hochkomplexen Finanzwetten eignen sich nur für Anleger, die sich zutrauen, einen Kurssturz bei Bundesanleihen zeitlich genau vorherzusagen. Und daran ist bislang selbst der Bondkönig Bill Gross gescheitert.

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1 Kommentar zu "Anleihen: Zwischen USA und Europa herrscht eine Zinskluft – mit diesen drei Strategien können Anleger sie nutzen"

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  • Es stecken doch ganz schön viele "könnte", "sollte" und "müsste" in dem Text. Vielleicht sollte man sein Gehirn doch einschalten und die Risiken genauer betrachten. Wer sich das nicht zutraut, kann sich selbstverständlich in seinem Kreditinstitut beraten lassen und ist hinterher ganz sicher schlauer. Solchen todsicheren Empfehlungen einfach nur blind zu vertrauen und das Gehirn nicht zu benutzen, ist nicht nur fahrlässig, sondern dumm. Übrigens waren die Zinswetten, die einige Kommunen in Schieflage gebracht haben auch solche sicheren Tipps. Den Salat haben jetzt die Leute, die das Gehirn damals nicht benutzt haben.

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