Auktions-Flop Anleger boykottieren deutsche Staatsanleihen

Deutschland gilt in der Euro-Krise als letzte Zuflucht für Anleger. Seit Monaten sinken die Zinsen für deutsche Staatsanleihen. Jetzt scheint das Pendel umzuschlagen. Neue Staatsanleihen wird Deutschland kaum noch los.
Update: 23.11.2011 - 14:37 Uhr 83 Kommentare
Der Bundesadler strotzt vor Kraft. Doch deutsche Anleihen werden zunehmend unattraktiv. Quelle: dpa

Der Bundesadler strotzt vor Kraft. Doch deutsche Anleihen werden zunehmend unattraktiv.

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BerlinInvestoren verlieren den Appetit auf deutsche Staatsanleihen. Sechs Milliarden Euro wollte der Bund am Mittwoch bei der Versteigerung neuer Papiere mit zehnjähriger Laufzeit einsammeln. Die Anleger boten aber nicht einmal 3,9 Milliarden Euro, so dass für 35 Prozent des angebotenen Volumens die Nachfrage fehlte. Analysten sprachen von einem Desaster, Euro und Aktienmärkte gerieten unter Druck.
Regierung und Europäische Zentralbank (EZB) bemühten sich, Zweifel an der Fähigkeit Deutschlands zu zerstreuen, sich ausreichend Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen. „Das Ergebnis der heutigen Auktion spiegelt das äußerst nervöse Marktumfeld wider“, sagte ein Sprecher der für das Schuldenmanagement des Bundes zuständigen Finanzagentur. Das Ergebnis bedeute „keinerlei Refinanzierungsengpass für den Bundeshaushalt“. Das angestrebte Gesamtvolumen solle nun über Verkäufe am Sekundärmarkt erreicht werden, auf dem Anleihen gehandelt werden.

„Es ergibt sich daraus überhaupt kein Problem“, sagte auch der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble. EZB-Vizepräsident Vitor Constanzio betonte, er hege keine Zweifel an der Refinanzierung.

Der Bund muss sich allein in diesem Jahr 275 Milliarden Euro von Investoren leihen, um Defizite zu decken und Altschulden zu bedienen. Am Markt stieg die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen wieder über zwei Prozent und erstmals seit Oktober über die von US-Staatsanleihen. Der Euro fiel auf ein Sechs-Wochen-Tief von 1,3382 Dollar. Der Deutsche Aktienindex Dax gab nochmals nach.

Experten und Märkte reagierten schockiert auf das Ergebnis. „Das ist ein völliges Desaster“, sagte Analyst Marc Ostwald von Monument Strategies. „Es ist besorgniserregend, dass die beste Bonität Europas sich nicht im geplanten Umfang refinanzieren konnte“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Wir werten das als Misstrauensvotum gegen die Euro-Zone.“

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83 Kommentare zu "Auktions-Flop: Anleger boykottieren deutsche Staatsanleihen"

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  • sorry, aber es sind 50 Bundesstaaten ... FÜNFZiG

  • Der Markt,die Anleger haben verstanden ,dass Deutschland
    eben genauso hoch verschuldet ist wie alle anderen Euroländer.Die zusätzliche Übernahme von Anleihen und Schulden sowie Gewährleistungen für andere Eurostaaten
    verschlechtern eben auch die Bonität von Deutschland.
    Dazu kommt die abwärts gehende Konjunktur in Deutschland.
    Die Anlager haben aber auch aus der Erfahrung mit Griechenland gelernt, wo 50 % Abschläge der Anleihen zu verarbeiten sind. Für die Bundesregierung sollte dies ein
    Hinweis sein, dass es auch für Deutschland zu Ende geht
    sich am Markt problemlos refinanzieren zu können!
    Es war eben alles, nur eine Frage der Zeit.

  • da Sie so vehement für die Vereinigten Staaten von Europa sind, haben Sie vergessen, daß Ostdeutschland von der Wiedervereinigung völlig überfordert wurde und seitdem nur mit gigantischen Summen jährlich am Sterben gehindert wird? Dasselbe ist mit dem Mezzogiorno in Italien, der kommt auch nie auf die Füße. Im Gegensatz zu dem, was all diese Gutmenschen glauben, wird ein Schwacher nicht stärker, wenn er einem Starken in den Arm gelegt wird, im Gegenteil.

  • Frau Merkel kann das ganz einfach mit der SPD und den Grünen beschließen lassen, denn die sind seit Beginn der Krise dafür, daß D sämtliche Schulden übernimmt (weil sie nicht rechnen können und weil sie unsere faktische Staatsverschuldung von ca 350% - also weit mehr als Japan - nicht auf dem Schirm haben!). Wenn die Vergemeinschaftung der Schulden kommt, kann man die sog "Schuldenbremse" gleich in die Tonne treten: was hilft es uns zu sparen, wenn wir in rasch steigendem Ausmaß für die Schulden der Nachbarn in Anspruch genommen werden?

  • Nein, denen nicht, sondern Ihnen. Wissen Sie nicht, daß D für mindestens 28% sämtlicher EZB-Verbindlichkeiten haftet? Und wenn immer mehr Länder ihr Rating verschlechtern, wird es immer mehr. Die Anleger handeln völlig rational: Angesichts des Drucks auf D, eine auch formale Vergemeinschaftung der Schulden zuzulassen, ist der finanzielle Zusammenbruch des Landes vorhersehbar (während die Privathaushalte in den PIGGS wesentlich mehr Vermögen besitzen als die in allen Zahlerländern zusammen...). Soviel Zinsen kann man mir gar nicht bieten, als daß ich darauf wette, daß das noch 10 Jahre gut geht!

  • die vor moral triefende schwäbische hausfrau zeigt sich als betrügerisches marktweib: 2.5 %+++? inflation - und 1,9 % verzinsung - das ist ein betrügerisches angebot.
    ein gelungener betrug war die kapitalerhöhung bei der commerzbank -staatsanteil immerhin 25% und damit natürlich politisch abgestimmt -mit der verwässerung von kurs und dividende. -

  • Sehr gut, so muss es sein.Wenn Anleger deutsche Anleihen
    liegen lassen ,wachen vielleicht einige der verantwortlichen
    Politiker auf, dass nämlich die Anleger nicht so dumm sind
    wie die Regierung hofft.Die Politik hat deutlich vor geführt, daß die Rückzahlung von Schulden durch die Staaten
    nicht mehr gesichert sind.Die Anleger,vorwiegend Versicherungen und Banken sind vorsichtiger geworden, nein sie handeln eigentlich logisch konform und ihren Aktionären gegenüber verantwortlich.Die Kleinanleger sollten diesem Beispiel folgen und auf den Kauf von Staatsanleihen, besonders der Eurozone verzichten.Wenn die
    Staaten kein neues Geld auf diese Weise erhalten, lernen sie endlich auch mal das Sparen.

  • @ SabineM,
    Waren Sie Krank oder in Urlaub oder irgendsowas?
    "PIGS" ist schon lange überholt, danach kam "PIIGS" und "Kerneuropa wird angegriffen" heißt jetzt die Parole. Die nächste Folge: Anleger boykottieren deutsche Staatsanleihen.
    Sie haben mindestens zwei Episoden verpasst!
    Unbedingt nachholen!

  • Was man den Industriesachwache Länder vor 10 Jahren zugemutet hat, sich gegen die deutsche und französische Wirtschaft zu behaupten, war einfach unrealistisch. Gerade das Gegenteil ist passiert. Die italienische Industrie hat Marktanteile zu Gunsten der deutschen und französischen Industrie eingebüßt. Die natürliche Standortsvorteile und Nachteile sind so unterschiedlich dass es hätte jedem klar sein müssen das es so laufen würde. Vielleicht war es auch vielen klar und durch Bestechung und Versprechungen wurden die Verträge durchgeboxt. Diese Verträge waren für die, nun durch eine schwache Währung nicht mehr geschützte, schwache Industrieländer eine Katastrophe und haben zu der heutigen Krise geführt.
    Nicht die Staatsausgaben allein sondern vor allem die schwache Staatseinnahmen sind für die Überschuldung verantwortlich. Die Staatseisnahmen sind direkt von der Wirtschaftsstärke eines Landes abhängig.

  • @ Philosoph: "...eine gemeinsame Währung funktioniert eben nur mit gemeinsamer Wirtschafts-, Steuer- und Finanzpolitik... und dann eben auch in letzter Konsequenz mit gemeinsam verantworteten Schulden."


    Das ist eine abstruse Idee. Nehmen wir als Beispiel aus dem realen Leben das Wohneigentum-Gesetz WEG. Für gemeinsame Zwecke, die genau festgelegt sind, gibt es für jedes Jahr einen Wirtschaftsplan, mit gemeinsam beschlossenen Positionen. Stellen Sie sich einmal vor, Herr Philosoph, ihr Nachbar würde sich mit einem Privatkredit den Luxus mit vergoldeten Wasserhähnen leisten und Sie dann am Abbezahlen des Kredits beteiligen wollen. Wie würden selbst Sie als offensichtlich weltfremder Philosoph darauf reagieren? Würden Sie bei den Goldhähnen von "gemeinsam verantworteten Schulden" sprechen, nur weil Sie in der gemeinsamen Wohnanlage wohnen, und „dann eben auch in letzter Konsequenz“ mitbezahlen ?

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