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Bond-Emission Anleger reißen sich um griechische Staatsanleihen – 2,5 Milliarden Euro eingesammelt

Griechenland geht mit einer siebenjährigen Anleihe an den Kapitalmarkt. Mit dieser Emission hat die Schuldenagentur ihr Ziel für 2019 bereits übertroffen.
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Der griechische Staat hat erfolgreich eine siebenjährige Anleihe begeben. Quelle: dpa
Griechischer Euro

Der griechische Staat hat erfolgreich eine siebenjährige Anleihe begeben.

(Foto: dpa)

Athen Der neue griechische Finanzminister Christos Staikouras kann eine Woche nach der Amtseinführung seinem Chef, Premierminister Kyriakos Mitsotakis, eine gute Nachricht melden: Die erste Bond-Emission nach dem Regierungswechsel war am Dienstag ein voller Erfolg.

Die staatliche Schuldenagentur PDMA konnte mit einer siebenjährigen Anleihe 2,5 Milliarden Euro einsammeln. Die Ausgaberendite liegt bei 1,9 Prozent. Die Nachfrage nach dem neuen Papier war groß. Mit Angeboten von rund 13 Milliarden Euro war die Emission mehr als fünffach überzeichnet.

Mit dem Marktgang nutzte die Regierung das günstige Klima am Bondmarkt. Die Aussicht auf weitere Zinssenkungen im Euroraum führt zu einer wachsenden Nachfrage nach italienischen und griechischen Schuldtiteln, weil diese noch eine nennenswerte Rendite abwerfen. Steigende Kurse ließen die Rendite des zehnjährigen Griechen-Bonds von 4,4 Prozent am Jahresanfang auf knapp über zwei Prozent im Juni zurückgehen. Das war der niedrigste Stand überhaut seit dem Beitritt Griechenlands zur Eurozone.

Auch die Spreads gingen deutlich zurück: Der Renditeabstand des siebenjährigen griechischen Bonds zur entsprechenden Bundesanleihe fiel von vier Prozent Ende vergangenen Jahres auf jetzt 1,8 Prozent.

Griechenland hatte seinen Marktzugang Anfang 2010 mit dem Ausbruch der Ausbruch der Schuldenkrise verloren und war acht Jahre lang von internationalen Finanzspritzen abhängig. Die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) stützten das Krisenland mit Hilfskrediten von insgesamt 288,9 Milliarden Euro. Davon kamen 205 Milliarden vom Euro-Stabilitätsfonds ESM und seinem Vorgänger EFSF. Griechenland soll die ESM-Kredite zwischen 2034 und 2060 zurückzahlen.

Seit dem Auslaufen des Hilfsprogramms Ende August vergangenen Jahres hat Griechenland bereits zwei Mal den Kapitalmarkt angezapft: im Januar 2019 nahm die Schuldenagentur mit einem fünfjährigen Bond 2,5 Milliarden Euro auf und im März mit einem Zehnjahrespapier noch einmal den gleichen Betrag. Beide Emissionen waren seinerzeit rund vierfach überzeichnet. Die Papiere sind am Sekundärmarkt gefragt: Während die Ausgaberendite der zehnjährigen Anleihe im März noch 3,90 Prozent betrug, notierte das Papier am Dienstag bei einer Rendite von 2,23 Prozent.

Mit diesem dritten Marktgang hat die Schuldenagentur ihr im vergangenen Dezember formuliertes Ziel, im laufenden Jahr sieben Milliarden Euro am Markt aufzunehmen, bereits übertroffen. Aktuell hat das Land zwar gar keinen Kapitalbedarf. Griechenland ist dank eines Liquiditätspuffers von mehr als 30 Milliarden Euro bis mindestens Ende 2022 durchfinanziert. Finanzminister Staikouras könnte Erlöse aus der Emission aber verwenden, um teurere Hilfskredite des IWF vorzeitig zurückzuzahlen.

Griechenland muss wieder Vertrauen aufbauen

Unabhängig davon ist es wichtig, dass Griechenland mit regelmäßigen Emissionen Vertrauen aufbaut, um einen vollen Marktzugang zurückzugewinnen. Für die neue Regierung, die aus der Parlamentswahl vom 7. Juli hervorging, ist die Platzierung der Anleihe aber auch ein politischer Erfolg.

Der konservativ-liberale Premierminister Mitsotakis tritt mit einem wirtschaftsfreundlichen Programm an. Er will mit Strukturreformen, Privatisierungen und Steuersenkungen die immer noch von der Krise geschwächte griechische Wirtschaft in Schwung bringen und das Wachstumstempo von derzeit unter zwei Prozent in den nächsten Jahren auf vier Prozent mehr als verdoppeln.

Mitsotakis wird am Samstag seine erste Regierungserklärung abgeben und muss sich am kommenden Montag der Vertrauensabstimmung im Parlament stellen. Dort verfügt seine Nea Dimokratia (ND) mit 158 der 300 Mandate über eine absolute Mehrheit. Die erfolgreiche Bond-Emission ist ein erstes Vertrauensvotum der Märkte für Mitsotakis.

Der Marktgang gilt auch als wichtiger Schritt auf dem Weg Griechenlands zu einer besseren Bonität. Die großen Ratingagenturen bewerten griechische Staatsanleihen immer noch als Ramschpapiere. Die Agenturen Fitch und DBRS stufen Griechen-Bonds als „spekulativ“ ein, Moody’s und Standard & Poor’s (S&P) sogar als „hockspekulative Anlage“.

Damit rangiert Griechenland noch drei bis vier Stufen unter dem begehrten „Investment Grade“. Mitsotakis hat sich vorgenommen, das Land binnen 18 Monaten in die Liga der investitionswürdigen Schuldner zu führen. Ob er diesem Ziel mit der Platzierung des siebenjährigen Bonds nähergekommen ist, dürfte sich bereits im nächsten Monat zeigen: Die Agentur Fitch hat für den 3. August eine Aktualisierung ihres Ratings angekündigt, S&P folgt am 23. August.

Mehr: Weniger Staat, weniger Steuer, mehr Wachstum - Das sind die Pläne des neuen griechischen Premiers Kyriakos Mitsotakis.

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