Bond-Markt Italien-Anleihen? Nein Danke!

Goldman Sachs, eine der mächtigsten Banken der Welt, schmeißt fast alle seiner Italien-Bonds aus dem Depot. Stattdessen rechnen die Amerikaner mit dem Schlimmsten - und kaufen Kredit-Ausfallversicherungen.
Update: 10.08.2012 - 16:12 Uhr 20 Kommentare
Italienische Euromünze. Die Amerikaner sind skeptisch. Quelle: dpa

Italienische Euromünze. Die Amerikaner sind skeptisch.

(Foto: dpa)

Goldman Sachs, eine der mächtigsten Banken der Welt, hat den Bestand an italienischen Staatsanleihen im zweiten Quartal um 92 Prozent gesenkt. In den ersten drei Monaten des Jahres war das Volumen der Bonds noch ausgebaut worden. In einer Pflichtmitteilung von Goldman steht, dass das Markt-Risiko bei italienischen Staatsanleihen bis Ende Juni auf 191 Mill. Dollar geschrumpft sei - nach 2,51 Mrd. Dollar Ende März. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Positionen bei italienischen Kredit-Derivaten in dem jüngsten Quartal, was das Gesamt-Engagement bei Papieren des Staates und anderer Emittenten von plus 2,4 Mrd. Dollar Ende März auf minus 977 Mill. Dollar Ende Juni fallen ließ.

Italien und Spanien waren zuletzt an den Bonds-Märkten stark unter Druck geraten. Die Renditen bewegten sich teils um die Marke von 7 Prozent. Auf diesem Niveau hatten andere Länder umfangreiche Hilfe beantragen müssen.
Goldman Sachs veröffentlicht regelmäßig das Engagement in Italien, Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, weil diese fünf Länder von Investoren als die risikoreichsten in Europa angesehen werden. Mit Blick auf alle fünf Länder sank das Markt-Risiko ebenfalls auf minus 977 Mill. Euro, nach plus 2,68 Mrd. Euro Ende März. Unterm Strich reduzierte Goldman den Bestand an Aktien und Bonds. Gleichzeitig verstärkte sich das Unternehmen aus New York bei Kredit-Derivaten.

Das so genannte Kreditrisiko, welches das Risiko aus einem möglichen Zahlungsausfall oder einer Verschlechterung der Kredit-Qualität des Geschäftspartners oder Schuldners misst, stieg bei den fünf Ländern auf 3,35 Mrd. Dollar Ende Juni, nach 2,52 Mrd. Ende März. Dahinter steht vor allem ein Anstieg des Kreditrisikos in Spanien - von 639 Mill. Dollar auf zuletzt 1,67 Mrd. Dollar. Es ergibt sich im Wesentlichen aus Anleihen nichtstaatlicher Emittenten.
Derivate umfassen unter anderem Credit Default Swaps (CDS). Sie fungieren als eine Art Kreditausfallversicherung, falls der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.
In den Pflichtmitteilungen erklärte Goldman, dass die Bank für die fünf Länder Kreditderivate im Nominal-Volumen von 154,4 Mrd. Dollar ausgestellt und Derivate über 165,2 Mrd. Dollar gekauft hat. Die Angaben beziehen sich auf Juni.

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20 Kommentare zu "Bond-Markt: Italien-Anleihen? Nein Danke!"

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  • @ PeterJ: keine chorknabe? niedlich gesagt. achje, verschwörungstheorie is ja nett "jirgendwie diskriminiered jemeint". jut, wie wärs weil et einfach so nett zu ihren aussagen passet: den italienischen privatvermögen wird noch den jeld von de mafia zujerechnet? oh, habe se da denne doppelt, dreifach, vierfach usw. soviele! jo, i denk de könne mit jeld umgehe - nur anders alse wir. komme we zusamme is de wesentliche frage? ach je, war da nich au so ne "verschwörungstheoiemanne" von de schweiz - sankte galle. jo, und weme gehörete im "big boyes clube" de argenture? NEIN, mehr teilautonomie im finanzsystem wird das weltfinanzsystem stabiler machen und gerechter. in europa sehe ich nur die gefahr, dass wir auch die bewährt guten aspekte des kapitalismus, gegen einen art kommissionssozialismus tauschen. vieles bewährt gutes im kapitalismus gibt den menschen auch viele wesentliche freiheit durch gestaltungsspielräume - freie empfaltung der begabungen.

  • "Abgesehen davon wetten die US-Banken ja nicht auf sinkende Kurse, sondern erzeugen diese in Zusammenarbeit mit den US-Ratingagenturen - nachdem sie entsprechende Positionen auf fallende Kurse gekauft haben."

    Deswegen wird es Zeit diese unheilvollen Allianzen loszuwerden, und zwar so schnell wie möglich.
    Solche Finanzwetter müssen genauso geächtet werden wie Schurkenstaaten. Sie ziehen Steuergelder über ordentlich arbeitende Banken ab. Nicht mehr und nicht weniger, sind also aktive Steuerhinterzieher in meinen Augen. Der Libor war erst der Anfang, jetzt wird es Zeit für die nächste Runde.

  • Tja, könnte es sein, dass sich die ehemals internationalen Finanzmärkte nun wieder renationalisieren? Dies ist auch in der EU zu beobachten: Versicherer kaufen nur primär heimische Papiere. Die Zentralbanken hingegen verfahren anders: Die EZB kauft PIIGS-Anleihen, um deren Zinsen zu senken. Die SNB wiederum kauft Bundesanleihen, um den Frankenkurs zu stützen. Temporär mag das ja eine gute Tat sein, allerdings frage ich mich, wie lange die Notenbanken noch diese outright-Geschäfte tätigen, ohne auch die Mindestreservesätze anzuheben - so kann nämlich die zusätzliche Geldmenge aus den Anleihekäufen eingefroren werden und wird nicht inflationswirksam. Die EZB (1%) oder die SNB (2%) hätten im Vergleich zur FED (10%) noch genug Luft nach oben.
    Falls sich aber unsere Staaten lieber über negative Realzinsen entschulden möchten, werden höhere Mindestreservesätze wohl ein Traum bleiben.

  • Goldman Sachs stößt seine Italien-Anleihen ab? - macht doch denen nichts. Geht es nach Merkel, Schäuble, Trittin und Gabriel, kaufen wir die Großanleger und ausländischen Banken aus ihren Risikopositionen locker raus.
    Das ist gelebte Solidarität mit den ganz Armen dieser Welt, liebe Bundesbürger!
    Aber Sie haben immerhin die Wahl ob das Rauskaufen über den ESM erfolgt (Schäuble, Merkel), oder über Druckerpresse (Gabriel, Trittin) . Vielleicht passiert ja auch beides, wenn der ESM als Bank agieren wird. Das ist gelebte Demokratie!

    Mein Tipp: Freie Wähler wählen- vor denen hat die CSU schon jetzt so viel Angst, dass der Oberopportunist Seehofer immer mehr auf Anti-Euro-Kurs einschwenkt. So treibt man immerhin einen Keil in die Einheitsfront der Eurofanatiker!

    Im übrigen empfehle ich jedem die exzellenten Analyse "Das Euro-Desaster" von Matthias Elbers. Wer die gelesen hat, hat die Eurokrise verstanden und die Diskurshoheit gegenüber daherlabenrden Politikern und ihren Claqueuren. Man kann diese Analyse gratis beim ifo-Institut von Professor Sinn downloaden (2.Link von oben).

    http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik

    Lesen und weiterempfehlen- Gegenöffentlichkeit herstellen!

  • Es sind mal wieder die destruktiven Kräfte am walten. Sie schaffen keine Werte sondern zerstören sie. Und am ende, einem Virus gleich, auch sich selbst.

  • Man sollte sich vielleicht ein bischen mehr Hintergrundwissen aneignen, bevor man Aussagen über (inzwischen) ziemlich offensichtliches Verhalten bestimmer Banken als "Verschwörungstheorie" abstempelt. Das ist ja immer das Totschlagargument (das aber gar kein Argument ist), das auch viele andere bringen, nach dem Motto "das kann ja gar nicht sein [die Banken wollen doch nur Gutes für die Kunden und Steuerzahler]"
    Ich empfehle Bücher von glaubwürdigen und unabhängigen Experten zu lesen, die wirklich die Hintergründe kennen, wie z.B. das Buch "crashkurs" von Dirk Müller.

    Abgesehen davon wetten die US-Banken ja nicht auf sinkende Kurse, sondern erzeugen diese in Zusammenarbeit mit den US-Ratingagenturen - nachdem sie entsprechende Positionen auf fallende Kurse gekauft haben.

    P.S.: Ich habe ja auch früher an eine heile und gute (Finanz)welt geglaubt ("freie Marktwirtschaft"), nur je länger man sich damit auseinander setzt, desto mehr muß man erkennen dass das alles ganz anders läuft ...

  • Ich stimme da zu, wer würde denn heute auch noch Griechenlandanleihen kaufen. Alles das Selbe!

  • obwohl Draghi Ex-Goldmann Mitarbeiter ist? Das lässt interessante Schlüsse zu. Wer will jetzt noch Italien-Anleihen kaufen ausser der EZB, und das auf unsere Kosten?

  • Ja, ich muss hier vielen beistimmen. Das was Goldman macht, ist ein Akt organisierten Verbrechens. Zuerst pumpt die Bank alle ihre Kinden an, unbedingt in Italien zu investieren, und dann wettet sie gegen die eigene Kundschaft. Das wiederholt sich hier zum x-ten mal. Gut passt auch ins Bild, dass Goldman Sachs wieder mal von der korrupten Regierungskste weissgewaschen wurde. Aber eben: Geithner und Co. haben der Bank ja schon bei Lehman-Brothers gewaltige Gewinne auf Kosten der Steuerzahler eingefahren. Diese Bank - und viele andere mit - sind ein unheilbares Krebsgeschwür, das nur dank dem korrupten Wall-Street-Filz so wuchern kann. Und sukkzessive weitere Länder killt, auswaidet und dann den Kadaver den Hunden zum Frass vorwirft. Anders als uanständig kann hier ein gerechtigkeitsliebender Mensch schon gar nicht mehr schreiben.

  • Die Ratten verlassen das sinkende Schiff...

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