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Bundesanleihe Neues aus der Nullzins-Welt: Investoren bei 30-jähriger Anleihe verhalten

Null Prozent Zinsen über 30 Jahre: Diese Aussicht ist für viele Investoren offenbar wenig verlockend. Die Nachfrage der Anleger ist verhalten.
Update: 21.08.2019 - 18:04 Uhr Kommentieren
Der Bund kann sich erstmals über 30 Jahre ohne Zinslasten verschulden. Quelle: dpa
Euro-Münze vor Bundesadler

Der Bund kann sich erstmals über 30 Jahre ohne Zinslasten verschulden.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist eine Premiere der besonderen Art: Als erste Nation hat die Bundesrepublik am Mittwoch eine 30-jährige Anleihe ohne Kuponzins auf den Markt gebracht. Doch das Interesse der Investoren, dem Staat zum Nulltarif Geld zu leihen und für 30 Jahre auf Zinseinnahmen zu verzichten, war gering: Wie die Deutsche Finanzagentur mitteilte, gaben Anleger für die zwei Milliarden Euro schwere Neuemission Gebote in Höhe von 869 Millionen Euro ab.

Die Agentur ist für die Ausgabe neuer Bundesanleihen zuständig. Mehr als die Hälfte des avisierten Emissionsvolumens nahm der Bund in den Eigenbestand auf, um sie zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Sekundärmarkt zu verkaufen. Immerhin: Die Finanzagentur erzielte eine Durchschnittsrendite von minus 0,11 Prozent.

Das ist die niedrigste Rendite, die je bei einer Auktion der 30-jährigen Bundesanleihe erzielt wurde. Trotzdem sieht Michael Leister, Analyst der Commerzbank, die Auktion als Misserfolg: Das „lief alles andere als gut“. Dafür spreche unter anderem die hohe Quote der einbehaltenen Bundesanleihen.

Nur so konnte die Finanzagentur eine leichte Überzeichnung der Emission erreichen. „Das ist ein deutlicher Fingerzeig, dass die Investorenbasis angesichts der negativen Renditen immer kleiner wird“, so Leister. Eine Sprecherin der Finanzagentur sagte: „Es ist bereits seit geraumer Zeit schwierig, größere Volumina bei Auktionen von Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit abzusetzen.“ Ein Problem sei das jedoch nicht: Es gibt genügend Nachfrage am Sekundärmarkt.

Ein Ende des allgemeinen Renditeverfalls sehen Analysten und Volkswirte zwar noch nicht, aber sie warnen, dass die schädlichen Nebenwirkungen der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank immer stärker werden. Mit der Emission einer Nullzins-Anleihe über 30 Jahre betritt die Finanzagentur Neuland: Die wichtigste langfristige Benchmark-Anleihe in der Euro-Zone wirft nun keine regelmäßigen Zinserträge mehr ab.

Negative Renditen für Anleihen gelten an den Märkten bereits als neue Normalität. Sie setzen sich aus dem Kurs einer Anleihe und dem Kuponzins zusammen. Übersteigt der aktuelle Kurs den Rückzahlungsbetrag inklusive Zinsen ist die Rendite negativ. Doch dass selbst die jährlichen Zinszahlungen entfallen, ist ein Novum.

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Noch vor einigen Jahren war dies nur für kurzfristige Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von drei Monaten denkbar. 2016 hat die Finanzagentur schließlich erstmals eine zehnjährige Anleihe mit einem Null-Prozent-Kupon begeben. Dass der Trend auch vor dreißigjährigen Papieren nicht Halt macht, war zwar erwartet worden, denn der Kuponzins orientiert sich üblicherweise an den zur Emission vorherrschenden Marktrenditen.

Seit einigen Wochen befindet sich die gesamte Zinskurve Deutschlands im negativen Bereich. Dennoch markiert die bis 2050 laufende Nullzins-Anleihe einen neuen Höhepunkt der Anleiherally. Erst in der vergangenen Woche hatte die 30-jährige Bundesanleihe bei minus 0,27 Prozent ein neues Allzeittief markiert.

Die Angst vor einer Eskalation des Handelskonfliktes hatte die Renditen für lang laufende Staatsanleihen weltweit auf Allzeittiefs gedrückt. Seither sind die Kurse wieder etwas gesunken und im Gegenzug die Renditen gestiegen. „Weil sich die Negativnachrichten nicht weiter fortgesetzt haben und etwas Hoffnung keimt, ist es zu einer leichten Gegenbewegung gekommen“, sagt DZ-Bank-Analyst Daniel Lenz. „Doch es wäre zu früh zu sagen, dass der Trend zu immer tieferen Renditen gebrochen ist.“

Das bestätigt auch Chris Iggo, Chefanlagestratege für Anleihen bei Axa Investment Management: „Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Marktphase. Die Renditen von Staatsanleihen fallen immer weiter angesichts eines schwächeren Wirtschaftsausblicks und niedriger Inflation.“

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Eine Rezession sei deutlich wahrscheinlicher als noch vor einigen Jahren. „Daher suchen Investoren nach sicheren Anlagen.“ In den vergangenen Monaten waren viele Anleger auf langfristige Papiere ausgewichen, weil dort noch ein positiver Kupon-Ertrag zu holen war. So war die österreichische 100-jährige Anleihe, die noch einen Kupon von zwei Prozent abwirft, mit 70 Prozent seit Jahresbeginn eines der Zinspapiere mit dem höchsten Kursanstieg.

Dominanz der Notenbanken

Vor allem Versicherungen und Pensionskassen, die regelmäßige Auszahlungen leisten müssen, setzen auf Zinspapiere mit positivem Kupon. „Sie sind auf eine positive Rendite angewiesen, um ihren Verpflichtungen gegenüber Anlegern und Kunden nachzukommen“, sagt DZ-Bankanalyst Lenz. „Eine negative Rendite und ein Null-Prozent-Kupon ist die ungünstigste Kombination, die dafür zusammenkommen kann.“

Commerzbank-Analyst Leister warnt sogar vor einer Verdrängung der hiesigen institutionellen Anleger aus dem Heimatmarkt. Inländische Banken und Vermögensverwalter „können sich wahrscheinlich nicht den Luxus leisten, durch negative Renditen hindurchzusehen.“

Im Wettbewerb mit Käufern wie der EZB und anderen Notenbanken, könnten private Großanleger nicht bestehen. Die EZB hat zwar ihre Nettoanleiheläufe vorerst beendet. Doch in ihrem Auftrag erwirbt die Bundesbank weiter Anleihen, um fällige Papiere zu ersetzen. Im September könnte die Notenbank zudem verkünden, dass sie das Anleihekaufprogramm wieder anschiebt.

Ein großer Teil der am Mittwoch ausgegebenen Bundesanleihe dürfte daher ihren Weg in die Depots der Zentralbank finden. Die Laufzeit bis zum 15. August 2050 wurde so gewählt, dass sie sich für das Anleihekaufprogramm der EZB qualifiziert. Die Notenbank darf laut ihren eigenen Regeln Anleihen mit einer maximalen Laufzeit von 31 Jahren minus einem Tag kaufen.

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Sie darf zudem höchstens ein knappes Drittel aller ausstehenden Anleihen einer Emission halten. Das wären im Fall des nun ausgegebenen Bonds knapp 670 Millionen Euro. Die lang laufenden Bundespapiere dürften sich auch bei anderen Notenbanken trotz der geringen Rendite einiger Beliebtheit erfreuen.

So legt etwa die Schweizer Nationalbank ihre Euro-Reserven zu einem Teil in deutschen Staatsanleihen an. Auch die chinesische Zentralbank hat in ihrer Währungsreserve die Dollar-Position abgebaut und neben Gold auch europäische Papiere gekauft. Die Dominanz der Notenbanken könnte für den Markt für Bundesanleihen zum Problem werden, warnt Analyst Leister.

Denn EZB, Bundesbank und Co. sind Investoren, die ihre Papiere bis zur Endfälligkeit halten. Die Anleihen werden dem Markt daher weitgehend entzogen. Seit der Auflage des Notenbank-Kaufprogramms sei der Anteil der institutionellen Investoren um fast 30 Prozentpunkte gesunken. Mittlerweile hielten europäische Banken, Vermögensverwalter, Versicherer und Pensionsfonds sowie Institutionelle außerhalb des Euro-Raums nur noch 35 Prozent der Bundesanleihen.

Opfer des eigenen Erfolgs

Leister erwartet daher, dass das Volumen der frei verfügbaren Wertpapiere weiter zurückgeht. Auch ein wachsendes Angebot sei angesichts der im Grundgesetz festgeschriebenen Obergrenze für die Neuverschuldung nicht zu erwarten. Die Folge: „Die Volatilität dürfte erhöht bleiben, da die Handelsliquidität durch geringere institutionelle Aktivitäten abnimmt.“

Die hohe Liquidität, also die gute Handelbarkeit, gehört zu den wichtigsten Eigenschaften von Bundeswertpapieren. Die Renditen sind auch deshalb so niedrig, weil Investoren wissen, dass sie innerhalb weniger Minuten Millionenbeträge anlegen oder verkaufen können, ohne große Abschläge fürchten zu müssen.

Dafür sind sie sogar bereit, einen Aufschlag, eine sogenannte Liquiditätsprämie, zu zahlen. Sie verschafft dem Bund einen Vorteil bei der Refinanzierung. Doch je stärker der Markt auszutrocknen droht, desto geringer könnte dieser Vorteil ausfallen, so Leister.

Die gestiegene Volatilität senke auch die Bereitschaft vieler Banken, an den Auktionen der Finanzagentur teilzunehmen. „Viele stellen sich die Frage, ob sich das Risiko lohnt, die Papiere zu parken, bis die Bundesbank oder andere Investoren sie kaufen. Die Auktion hat gezeigt, dass viele Banken in der Bietergruppe nicht mehr ohne Weiteres gewillt sind, das zu tun.“

Drohen die Bundesanleihen Opfer ihres eigenen Erfolgs zu werden? So weit ist es nach Ansicht von Axa-Stratege Iggo noch nicht: „30-jährige Bundesanleihen sind nicht günstig. Aber wir halten sie trotzdem, da sie eine Absicherung gegen Schwankungen am Aktienmarkt bieten.“ Die Zeiten, in denen es noch risikolose Zinsen gibt, seien vorbei.

Mehr: Die Kursgewinne, die Anleger mit langlaufenden Staatsanleihen eingefahren haben, lassen jeden Börsianer erblassen. Doch die Risiken steigen.

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