Dax-Korrektur Bundesanleihen attraktiver als deutsche Aktien

Lange sah es so aus, als ob den Dax nichts stoppen könnte. Doch die von der EZB ausgelöste Inflation steigt stärker als erwartet und macht Anleihen wieder attraktiver. Deutsche Aktien hingegen bleiben auf der Strecke.
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Das Anleihekaufprogramm der EZB hat den Dax auf ein Allzeithoch katapultiert, nun bremst es den Leitindex aus. Quelle: dpa
Dax-Korrektur

Das Anleihekaufprogramm der EZB hat den Dax auf ein Allzeithoch katapultiert, nun bremst es den Leitindex aus.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAnleger bei deutschen Aktien haben eine regelrechte Achterbahnfahrt hinter sich. Erst genossen sie eine Rally, die den Dax im April auf ein Rekordhoch klettern ließ, bevor der deutsche Leitindex einen der stärksten Einbrüche in Europa vollzog.

Schuld daran hat teilweise auch der Anleihenmarkt, an dem deutsche Staatspapiere jüngst ihre schlimmste Woche seit 1998 erlebten. Da sich die Korrelation zwischen Bunds und Aktien dem höchsten Stand seit anderthalb Jahren nähert, flohen die Händler auch aus Aktien. Der Dax schloss 9,5 Prozent unter seinem Hoch und erreichte ein Dreimonatstief.

„Es ist ziemlich schwierig, den Absturz der Bunds zu ignorieren“, sagte Michael Kapler, Portfoliomanager bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam. „An den Märkten war die Perfektion eingepreist. Man könnte das fast als eine von-hundert-auf-null-Situation bezeichnen.“

Von null auf hundert und zurück
09. Januar 2012
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Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

26. Juli 2012
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„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

11. Juni 2014
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Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

17. September 2014
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Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

16. Januar 2015
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Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

22. Januar 2015
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Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

25. Februar 2015
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Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

Die Konjunkturimpulse der Europäischen Zentralbank hatten zunächst den Euro und die Anleiherenditen gedämpft, doch höhere Verbraucherpreise und eine sich bessernde Wirtschaft treiben nun beide nach oben. Das sind schlechte Nachrichten für Exportfirmen wie BMW und Daimler, die den Dax früher im Jahr bis zu 26 Prozent in die Höhe schießen ließen.

Mario Draghis Warnung vergangene Woche vor einer Phase höherer Volatilität an den Bondmärkten wurde zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Ein Maß für die Schwankungen der zehnjährigen Bund-Futures kletterte auf das höchste Niveau seit 2012. Die Volatilität im Dax hat seit einem Tiefpunkt in diesem Jahr wieder um 51 Prozent angezogen.

Der Ausverkauf am Markt wird nach Einschätzung des Händlers Benno Galliker von der Luzerner Kantonalbank vorübergehend bleiben. Die Wirtschaft der Region fasst wieder Fuß und die Prognosen für den Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts belaufen sich auf 1,8 Prozent in diesem und zwei Prozent im kommenden Jahr – es wäre die höchste Wachstumsrate seit 2011.

„Der Markt ist nach der enormen Rally seit Anfang des Jahres etwas ermüdet“, erklärte Galliker, „wenn wir eine bessere Wirtschaft in Europa sehen, sollte Deutschland ein ziemlich gutes Bild abgeben. Sie werden in der zweiten Jahreshälfte beeindruckende Zahlen aufweisen.“

Doch in diesem Quartal gehört Deutschland unter den Industrieländern zu den Märkten mit der schwächsten Entwicklung. Aktien von BMW und Daimler sind seit Ende März um mehr als 8,5 Prozent gefallen.

„Viele Händler müssen sich ihre Engagements jetzt sehr genau anschauen“, sagte Ioan Smith, geschäftsführender Direktor bei KCG Europe in London. „Alle folgen den Vorgängen am Markt für Bunds. Es gibt sichere Anlagehäfen, die auf einmal volatil werden. Das ist schon eine etwas absurde Situation.“

  • Bloomberg
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2 Kommentare zu "Dax-Korrektur: Bundesanleihen attraktiver als deutsche Aktien"

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  • "...Irgendwann wird...die Zinsen erhöhen....dann korrigieren die Märkte..."

    Nach dem Regen folgt die Sonne! Nach dem Tag kommt die Nacht!

    Hein Bloed
    Verweifelter

  • Mal wieder ein Beispiel dafür, dass der Aktienmarkt nun einmal von Natur aus Schwankungen unterliegt und das auch immer tun wird. Das ghehört unfehlbar zum Geschäft mit Risikopapieren dazu. Dagegen ist auch nichts zu sagen. Peinlich wird's nur, wenn man seine gesamte private Altersvorsorge in Risikopapieren hat, und die Märkte gerade dann korrigieren, wenn man an das Geld heran muss. Der Gedanke ging mir in den letzten 18 Monaten immer wieder durch den Kopf, wenn ich mal gerade wieder las, dass wir uns alle endlich mal dran gewöhnen sollten, unsere private Rentenvorsorge nur noch in Risikopapieren/Aktien anzulegen. Heute lese ich hier im Handelsblatt, dass die Lebensversicherer, wie nicht anders zu erwarten bei der Niedrigleitzinspolitik der EZB, aus dem letzten Loch pfeifen. Da geht mir das doch schon wieder durch den Kopf. Nun ja, irgendwann wird die EZB die Zinsen auch wieder erhöhen, zumal ja die Inflation anzieht, wie's scheint. Wird den Sparern gut passen, der Börse aber nicht. Dann korrigieren die Märkte nämlich noch mal......

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