Die wahren Verluste Was der Schuldenschnitt die Gläubiger kostet

Banken und Fonds müssen dem „freiwilligen“ Schuldenschnitt für Griechenland zustimmen. Eine Wahl bleibt ihnen nicht. Dafür wird ein neues Gesetz sorgen. Die Verluste liegen weit höher, als es zunächst den Anschein hat.
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Der Schuldenschnitt für Griechenland kommt die Gläubiger teuer zu stehen. Quelle: dpa

Der Schuldenschnitt für Griechenland kommt die Gläubiger teuer zu stehen.

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Frankfurt/DüsseldorfAnleihen galten einst als sichere Geldanlage. Sie schwanken kaum und am Ende bekommt der Anleger sein Geld zurück. So dachten viele. Doch seit der Staatsschuldenkrise in Europa ist klar: Staatsanleihen sind viel riskanter als gedacht - und jetzt ist das auch amtlich.

Damit Griechenland nicht gleich in die Pleite rutscht, sollen die privaten Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Darauf haben sich die Euro-Zone und der IWF mit dem internationalen Bankenverband IIF als Unterhändler der Gläubiger am Dienstag gegen 4 Uhr am frühen Morgen geeinigt.

Die Banken, Fonds und Versicherungen sollen auf 53,5 Prozent des Nennwerts ihrer Anleihen verzichten. Doch die tatsächlichen Verluste liegen noch weit höher. Die Banken müssten de facto Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen von 73 bis 74 Prozent schultern, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Detail könnte der Schuldenschnitt so aussehen: Die Gläubiger erhalten für ihre alten Griechen-Papiere von insgesamt 200 Milliarden Euro beispielsweise 30 Milliarden Euro sichere EFSF-Anleihen plus 70 Milliarden Euro neue griechische Staatsanleihen. Die neuen Anleihen sollen einen Zinskupon von 2 Prozent bis 2014 haben, der in den Folgejahren bis auf 4,3 Prozent steigen wird. Normalerweise müsste Griechenland für langfristige Anleihen viel höhere Zinsen zahlen. Deshalb dürfte der Kurs der neuen Anleihen am Markt deutlich fallen - was für Banken und Fonds weitere Abschreibungen zur Folge hätte.

Die meisten Institute dürften diese Abschreibungen noch in ihren Bilanzen 2011 verbuchen, die in den nächsten Wochen fertig gestellt werden. Die französische Großbank BNP Paribas hat ihre griechischen Anleihen im vierten Quartal bereits um 75 Prozent abgeschrieben.

Auch die Versicherer Allianz und der Rückversicherer Munich Re wollen prüfen, wie sich der Schuldenschnitt für sie auswirkt. Bei der Allianz standen Ende des dritten Quartals im September noch insgesamt 497 Millionen Euro in den Büchern. Das waren 39 Prozent des Nennwerts. Die Munich Re hatte Anfang Februar bei der Bekanntgabe der Eckzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr mitgeteilt, die griechischen Papiere stünden noch mit rund 400 Millionen Euro in der Bilanz, was 23 Prozent des Nennwerts entspreche.

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  • @-debrasseur: Zu ihrer vernichtenden Kritik an Merkel ein Kommentar von Prof. Sinn von Ifo-München aus einem FAZ-Interview vom 18.02.2012: Wie fällt Ihr Urteil über die Verhandlungstaktik der Bundeskanzlerin aus? Antwort Prof. Sinn: "Frau Merkel wird von der Wall Street, Obama, der City of London, Sarkozy, Barroso und allen Staatschef der südlichen Länder gedrängt, den Anlegern über die Bad Bank in Luxemburg, die letztes Jahr gegründet wurde (die EFSF; die Redaktion), ihre toxischen Staatspapiere abzukaufen. Dagegen hat sie die Strategie des Durchwurstelns entwickelt. Sie macht ihr Portemonnaie auf, wenn der Druck zu groß wird, aber sie gibt nicht alles her, was sie hat, weil sie weiß, dass ihre Freunde dann kein Interesse mehr an ihr haben. Sie versucht ihr Bestes. Aber wir sitzen trotzdem in der Falle." In der Tat sitzen wir in der Falle und zwar seit der Entscheidung für den Euro als Gemeinschaftswährung um die Jahrtausendwende, bei der allerdins eine breite öffentliche Meinung beteiligt war: Auch Sie?

  • Mittelverknappung - Absatzstockung - leere Staatskassen - Sozialabbau - Rechtsstaatsabbau ... Nationalismus. Die Geschichte der Völker ist die Geschichte ihrer Volkswirtschaft und nicht einzelner Despoten; die Vorstadien, die in Krieg führen dürften bekannt sein.
    Eine konkursamtliche Liquidation eines Landes ist nirgens geregelt. Der Schulenschnitt zeugt von dilettantischem Rechtsverständnis. Ich verstehe nicht warum dem Zinswucher und der Ausbeutung von Notlagen nicht durch Regelungen gegen den Missbrauch im Zins- und Kreditwesen Grenzen gesetzt werden, so dass die Spekulation gegen Staaten aufhört. Wie will man jungen Erwachsenen in Griechenland klar machen, dass sie vom Mindestlohn von 751 Euro 32% Lohnkürzung akzeptieren sollen, wenn gar die EZB mit griechischen Anleihen Gewinne einstreicht und reiche Griechen 200Mia auf Schweizer Bankkonten versteckt haben?

  • Unsere Regierung und die europäischen Politiker. Die merken nicht, dass die griechische Regierung dabei ist, jegliche Bonität (Glaubwürdigkeit + Vertragstreue) europäischer Staatsanleihen zu zerstören. Welcher EU-Ausländer wird künftig noch auf Euro lautende Anleihen erwerben, wenn er täglich damit rechnen muss, dass die Vertragsbedingungen der Anleihen zu Gunsten des Schuldners sowie zu Lasten der Gläubiger geändert. werden?

  • Macht doch wirklich nichts. An anderer Stelle, eine Meldung passend dazu. 169 Banken leihen sich bei der EZB ca. 160 Milliarden. Ein Schelm wer sich dabei Gedanken macht. Das Spiel geht oftmals in die Verlängerung, wenn der Rückzahlungstermin ansteht. So etwas nennt sich "revolving credit". Es muß schon jemand durchknallen, damit sich ein Ende von selbst ergibt. Systemrelevant, weil alternativlos. Die Dame gefällt mir. Wunschpakete verteilen und alles tun, damit die wahre Auswirkung des Desasters von Ungeübten nicht erkannt wird. Cheers Dame Merkel that you never will forget your "victory people"!

  • http://www.youtube.com/watch?v=0nui9evgoio

  • Wer sich mitwillig in Gefahr begibt, kommt darin um

    3/4 einfach wech, voll genial, wie man so meschugge sein kann, dass man privat dort anlegt. Jeder hat das gewusst, also jammert ruhig, wir wollte eh schon mal lange wieder lachen.

    Dagegen ist ein Investment in chinesische Derivate ja noch richtig serös.

  • Kann es sein dass die Verschuldung GR (was in Prozentpunkte ausgrdrueckt wird) nur deswegen gestiegen ist, weil das BIP seit 3 Jahren im freien Fall ist?

  • Das was das geplant ist wird aller Voraussicht nach beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte landen. Ein Eingriff in Eigentumsrechte ist in Europa eine Menschenrechtsverletzung. Nicht darüber lachen. Wers nicht glaubt der sollte mal Googeln.

    Auch da sieht man wieder einmal, dass Recht und Gesetz von diesem Pack nicht gedachtet wird. Ich wünsche den Klägern vollen Erfolg aus der ganzen Linie.

  • Die Folge dieses Geldsozialismus wird sein, dass zukünftig private Investoren, welche den Staaten Geld leihen könnten, das ganz lassen werden oder die Kosten für den möglichen Ausfall auf die Zinsen aufschlagen.

  • genau! was heißt rekapitalisieren von griechischen Banken mit geschenktem bzw. von Steuerzahlern geraubtes Geld, denn retour kommt da ganz sicher nichts. Neue Eigentümer sollten die sein, die es bezahlen!

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