Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Einigung im Haushaltsstreit Explosive Lage an Italiens Märkten

Italiens Regierung hat sich auf ein höheres Defizitziel geeinigt und bekommt prompt die Quittung. Anleger werfen italienische Staatsanleihen aus dem Depot.
Update: 28.09.2018 - 12:28 Uhr Kommentieren
Italien: Rendite der Staatsanleihen steigt auf mehr als 3 Prozent Quelle: dapd
Händler in Mailand

Italien muss den kompletten Haushaltsentwurf 2019 bis zum 15. Oktober bei der EU-Kommission und der Eurogruppe einreichen.

(Foto: dapd)

RomDie Reaktionen waren vorhersehbar: Nach der Entscheidung der Populistenregierung in Rom, das Haushaltsdefizit zu erhöhen, schnellt die Rendite für italienische Staatspapiere in die Höhe.

Entgegen aller Planungen von Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria hatten die Regierungsparteien Lega und Fünf Sterne das Haushaltsdefizit für 2019 auf 2,4 Prozent festgesetzt. Daraufhin stieg am Freitagvormittag der Spread, der Risikoaufschlag für italienische Staatspapiere im Verhältnis zu Bundesanleihen, auf 265 Punkte. Am Tag zuvor hatte der Spread, ein Gradmesser der Situation in Italien, bei 244 gelegen.

Die Sorge um eine Schuldenkrise ist an den Marktreaktionen abzulesen. Die Koalition von Lega und Bewegung Fünf Sterne hat deutlich gemacht, dass sie nichts von Haushaltskonsolidierung hält und in erster Linie ihre teuren Wahlgeschenke finanzieren will – um jeden Preis.

Damit ist ein gemäßigter Schuldenabbau in Italien erst mal vom Tisch. Das Land hat mit 131 Prozent die zweithöchste Staatsverschuldung in der EU nach Griechenland. Von einer „explosiven Lage“ sprach am Freitag früh EU-Währungskommissar Pierre Moscovici.

Schließlich wirkt die Angst vor einem Schuldenstreit zwischen Italien und der EU auf ganz Europa. Auch der Dax lag gegen Mittag mehr als 1 Prozent im Minus, der Euro fiel am Freitagmorgen auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen.

Zukünftig wird es auch teurer für Italien, sich zu verschulden. An den Anleihemärkten stieg die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen um 26 Basispunkte auf 3,14 Prozent an, die der zweijährigen auf 0,98 von 0,80 Prozent.

Die Börse in Mailand notierte gegen Mittag 3,3 Prozent schwächer. Und wie schon am Donnerstag, als die ersten Zahlen aus Rom kamen, mussten vor allem die Bank-Aktien Verluste verbuchen. Die beiden Großbanken Unicredit (minus 6,3 Prozent) und Intesa Sanpaolo (minus 6,5 Prozent) büßten wie schon am Vortag ein.

Den Haushaltsentwurf für 2019 muss die italienische Regierung Mitte Oktober bei der EU-Kommission in Brüssel vorlegen. Danach kommt die nächste Hürde: die Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor veröffentlichen Ende Oktober ihr Urteil über Italien.

Die Reaktionen auf die Finanzplanung sind in Italien wie außerhalb durchgehend geprägt von Sorge. Von einer „Ohrfeige“ spricht ein Leitartikler in Rom. Deutlich ist auch der Kommentar von EU-Kommissar Moscovici: „Wenn sich die Italiener weiter verschulden, was passiert dann? Die Zinsen steigen, der Schuldendienst wird größer. Die Italiener sollten sich nicht täuschen: jeder Euro mehr für die Verschuldung ist ein Euro weniger für Autobahnen, Schulen und soziale Gerechtigkeit.“

Auch EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani sorgt sich um die Finanzstabilität in seinem Heimatland Italien. „Ich bin sehr besorgt darüber, was in Italien passiert“, sagte Tajani am Freitag in Brüssel. Die Haushaltspläne der Regierung „werden die Beschäftigung nicht steigern, sondern sind ein Problem für die Ersparnisse der Italiener“, so der Verbündete des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Einigung im Haushaltsstreit - Explosive Lage an Italiens Märkten

0 Kommentare zu "Einigung im Haushaltsstreit: Explosive Lage an Italiens Märkten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.