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Istanbul

In der Türkei lassen sich mit zehnjährigen Papieren mehr als sieben Prozent Rendite erzielen.

(Foto: AFP)

EM-Staatsanleihen Besonders viel oder besonders wenig Risiko - zwei Strategien für Investments in Schwellenländer

Edmond de Rothschild versucht, an Schwellenländern mit speziellen Risiken zu verdienen. Eurizon dagegen will Rendite mit relativ hoher Sicherheit verbinden.
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FrankfurtAnlagen in Schwellenländern sind immer ein Spiel mit dem Risiko – aber es gibt sehr unterschiedliche Spielweisen. Romain Bordenave, Schwellenländer-Experte bei Edmond de Rothschild in Paris, setzt konsequent auf Anleger, die bereit sind, Risiken einzugehen. Seine Hauptempfehlungen für sie sind Staatsanleihen aus Argentinien und der Türkei, die in Dollar ausgegeben sind.

Der Grund: In Argentinien haben die Märkte nach Meinung des Fondsmanagers eine zu hohe Wahrscheinlichkeit eingepreist, dass es im Herbst zu einem Wahlsieg von Cristina Kirchner und anschließend zu einem Staatsbankrott kommt. Nach Meinung von Bordenave wird Kirchner keinen radikalen Kurs einschlagen, sollte sie die Rückkehr ins Präsidentenamt schaffen. Sollte der Amtsinhaber Mauricio Macri gewinnen, wird es seiner Meinung nach einen starken Kursanstieg für Argentinien-Bonds geben. Bei einem Sieg Kirchners befürchtet er zwar einen Einbruch, der aber wegen der hohen Rendite in relativ kurzer Zeit wieder ausgebügelt werden könnte. Fundamental gesehen spricht aus seiner Sicht auch einiges für das Land. „Argentinien hat eine hoch diversifizierte Wirtschaft“, sagt er.

In der Türkei lassen sich mit zehnjährigen Papieren mehr als sieben Prozent Rendite erzielen, in Argentinien mit rund zweijähriger Restlaufzeit um die 17 Prozent. Beide Staaten stehen vor allem politisch unter Druck. Gerade deswegen wittert der Franzose Chancen. Er glaubt, dass die Märkte die Risiken überschätzen. Dagegen sieht er – abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Indonesien – wenig lukrative Anlagen in Ländern mit Investment Grade, also mit guten Einstufungen von den Ratingagenturen.

Seiner Meinung nach sind die fundamentalen Daten der Türkei „nicht so schlecht“. Die Anleihen seien zurzeit billiger als die von Ghana, obwohl die Türkei sehr viele gute Unternehmen besitze, sagt er. Die externe Verschuldung des Landes liege bei knapp einem Viertel des Bruttoinlandprodukts und sei damit niedrig. Die Inflation sei hoch, aber mit sinkender Tendenz.

Durch die Abwertung der Landeswährung Lira seien die Importe gedrosselt worden und die Exporte gestiegen, was zu einem Abbau der zuvor hohen Leistungsbilanzdefizite geführt habe. Der Fondsmanager hofft zudem, dass die innenpolitischen Spannungen sinken, weil in der Türkei auf längere Zeit keine Wahlen mehr anstehen – wenn man von der problematischen Wiederholung der Kommunalwahl in Istanbul absieht, wo der Sieg eines oppositionellen Politikers annulliert wurde.

Zusatzrendite erzielen ohne zusätzliches Risiko

Hinzu kommt aus Sicht von Bordenave als Pluspunkt, dass die westlichen Regierungen auf die Türkei angewiesen sind. Denn das Land halte viele Flüchtlinge vor Europa zurück, beherberge einen wichtigen militärischen Stützpunkt der USA und sei das einzige Nato-Mitglied im Nahen Osten.

Bordenaves fundamentaler Einschätzung der Türkei stimmt Luca Sibani vom Vermögensverwalter Epsilon weitgehend zu. Er hält aber dagegen, dass viele Schwellenländer, vor allem in Asien, noch deutlich bessere Werte haben. Er sagt: „Nachdem im April Anleihen aus Argentinien und der Türkei ausgelaufen sind, haben wir dieses Positionen nicht verlängert“.

Sibanis Fonds mit dem langen Namen „Epsilon Fund Emerging Bond Total Return“ hat ein spezielles Konzept: Er will in Emerging Markets eine Zusatzrendite erzielen, ohne viel zusätzliches Risiko einzugehen. „Wir sind nicht der typische Schwellenland-Investor“, sagt Sibani, der in Mailand ansässig ist und mit dem Vermögensverwalter Epsilon zum Bank-Konzern San Paolo Intesa gehört. Seit Jahresanfang bis Ende April hat er mit seinem Fonds 0,76 Prozent verdient. Seit Start des Fonds im Jahr 2008 waren es kumuliert rund 38 Prozent.

Epsilon bewertet rund 70 Schwellenländer nach einem Punktesystem mit mehreren Kennziffern wie etwa Wirtschaftswachstum, Staatsverschuldung und „politischer Stabilität“. Danach werden die zehn gefährlichsten aussortiert, um etwas Risiko aus dem Spiel zu nehmen. Zurzeit reicht diese Liste von Venezuela bis zum Irak. Als besonders sichere Schwellenländer gelten dagegen Chile, Uruguay und Papua Neu-Guinea.

Allerdings sind die Länder im Fonds nicht nach Risiko gewichtet – allein schon wegen ihrer unterschiedlichen Größe. Das Schwergewicht bilden zurzeit chinesische Staatsanleihen.

Der Fonds mit 5,3 Milliarden Euro Volumen besteht aus einem Kern-Portfolio mit rund 70 Prozent Anteil und einem taktischen Portfolio. Gekauft werden in beiden Fällen nur Staatsanleihen mit weniger als 36 Monaten Restlaufzeit – auch das schränkt das Risiko ein. Beim Kernportfolio ist das Währungsrisiko gegenüber dem Euro zu 100 Prozent abgesichert.

Mit dem taktischen Portfolio geht der Fonds bis zu einem gewissen Grad auch Währungsrisiken ein. Dazu sagt Sibani: „Wenn die US-Notenbank sich zu einem weicheren Kurs entschließt, werden lokale Schwellenland-Währungen wieder interessanter.“

Die Logik dahinter: Niedrigere US-Zinsen schwächen den Dollar. Das entlastet Schwellenländer mit Dollar-Schulden und führt dazu, dass Investoren auf der Suche nach höheren Renditen mehr in Emerging Markets investieren. Trotzdem will Sibani selbst in diesem Fall die Risiken insgesamt kaum hochfahren. Er wendet sich in erster Linie an Investoren, die ein risikoarmes Portfolio lediglich etwas ergänzen wollen.

Die zwei Fondsmanager verfolgen also zwei völlig gegensätzliche Strategien. Beide bestätigen den alten Grundsatz, dass Rendite und Risiko eng zusammenhängen.

Mehr: Für Fondsmanager Hasenstab sind Schwellenländer attraktiver als Europa. Michael Hasenstab verantwortet über 100 Milliarden Dollar. Die investiert er hauptsächlich in Schwellenländer. Europa meidet er seit einiger Zeit komplett.

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