Es geht um zehn Billionen Dollar China öffnet seinen Anleihemarkt

Die zweitgrößte Volkswirtschaft öffnet sich ein Stück weiter. Seit heute haben ausgewählte Investoren Zugang zu chinesischen Schuldverschreibungen. Es lockt ein Markt mit zehn Billionen Dollar – und gewaltigen Risiken.
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China öffnet sich dem Westen – mit allen Chancen und Risiken. Quelle: Reuters
Pudong-Finanzdistrikt von Shanghai

China öffnet sich dem Westen – mit allen Chancen und Risiken.

(Foto: Reuters)

PekingPünktlich zum 20. Jubiläum der Rückgabe Hongkongs an China wertet Peking die Bedeutung der Hafenstadt als Finanzmetropole auf. „Zum ersten Mal bekommen ausländische Investoren freien Zugang zum chinesischen Anleihemarkt“, sagte Hongkongs Verwaltungschefin Carrie Lam am Montag. Mit einem neuen Programm, dem sogenannten Bond Connect, dürfen ausgewählte Geldgeber über Hongkong chinesische Schuldverschreibungen kaufen.

„Dieser Schritt wertet die Bedeutung der Volksrepublik in der globalen Finanzarchitektur auf“, lobte der Vizepräsident der chinesische Zentralbank, Pan Gongsheng. Die neue Plattform solle helfen, die Bedeutung des chinesischen Yuan als internationale Währung zu stärken.

Dabei hatten chinesische Behörden im Kampf gegen den Kapitalabfluss zuletzt eine Öffnung des chinesischen Finanzmarktes gebremst. Doch gleichzeitig wuchs der Druck. Lokalregierungen und Staatskonzerne haben über Jahre gigantische Infrastrukturprojekte und andere Investitionen mit Krediten von Staatsbanken finanziert.

Bonds für die Ewigkeit
Dollar- und Euro-Scheine
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„Trau keinem über 30“ lautete ein Slogan der 68er-Bewegung. Investoren am Anleihemarkt können sich so eine Denke heute nicht mehr leisten. Der Niedergang der Zinsen in den vergangenen Jahren treibt sie verstärkt in Anleihen mit einer Laufzeit von 50 oder sogar 100 Jahren. Die Nachfrage ist groß, denn je länger die Laufzeit, desto höher die Verzinsung. Allerdings steigen mit der Laufzeit auch die Risiken. Ein Überblick über die Schuldner mit Langlauf-Bonds.

Hofburg in Wien
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Wien geht am Kapitalmarkt neue Wege: Österreich hat am 12. September 2017 eine Anleihe begeben, die erst in 100 Jahren fällig wird. Eine so langlaufende Anleihe hat noch kein anderes Land in der Euro-Zone öffentlich platziert. Und das mit Erfolg für die Regierung: Für die Anleihe im Umfang von 3,5 Milliarden Euro gaben Investoren Kaufaufträge über mehr als elf Milliarden Euro ab – und das bei einer Rendite von 2,11 Prozent. Im Oktober 2016 hatte Österreich bereits eine 70-jährige Anleihe begeben, auch das ein Novum für Euro-Länder. Eine Anleihe mit 50 Jahren Laufzeit hatte Österreich zuletzt im Jahr 2012 platziert.

Argentinien
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2,75 Milliarden Dollar hat Argentinien im Sommer 2017 mit einer Anleihe eingesammelt, die das Land erst im Juni 2117 zurückzahlen wird. „Anleger haben ein kurzes Gedächtnis“, sagt dazu Victor Fu, Stratege für Schwellenländer beim Broker Stifel Nicolaus und Co. mit Blick darauf, dass Argentinien zuletzt im Jahr 2001 pleiteging und sich viele Jahre mit den Gläubigern um die Umschuldungsmodalitäten stritt. Doch der Zinskupon von 7,125 Prozent lockte die Investoren. Platziert wurde der Bond zudem zu einem Kurs von 90 Prozent. Zurückgezahlt wird er – theoretisch – zu 100 Prozent, so dass sich für Käufer eine jährliche Rendite von 7,9 Prozent ergibt.

Frankreich
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Frankreich ist der Vorreiter bei der Bond-Generation „50 plus“. Die erste französische Anleihe mit dieser langen Laufzeit stammt aus dem Jahr 2005. Im Jahr 2017 war Frankreich erneut der erste Schuldner, der sich nach der Finanzkrise mit einem Ultra-Langläufer an den Markt wagte. Die Franzosen stockten am 5. Januar ihre im Mai 2066 fällige Anleihe um eine Milliarde Euro auf. Die Rendite des Papiers mit einem Zinskupon von 1,75 Prozent lag nur bei zwei Prozent. Dennoch sammelten die Banken bei der Bond-Auktion Kaufaufträge über gut zwei Milliarden Euro ein. Gefragt war das Papier vor allem bei Versicherern und Pensionskassen, die langfristige Anlagen suchen. Ein Großteil der Nachfrage kam laut Bankern dabei aus Japan. Zuletzt hatte Frankreich die im Mai 2066 fällige Anleihe im Juni 2016 aufgestockt. Damals lag die Rendite bei nur 1,4 Prozent.

Italien, Teil 1
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Ein italienischer Schuldschein über 50 Jahre hat Anfang Oktober 2016 Bond-Anleger begeistert. Für das Papier gingen Bestellungen im Volumen von 16,5 Milliarden Euro ein. Damit war der Bond fünfeinhalbfach überzeichnet. Weniger begeistert über die Rendite war Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: Italien biete hier einen Zinskupon von 2,8 Prozent - wenig lohnenswert angesichts der langen Laufzeit.

Italien,Teil 2
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Bereits im Mai 2013 machte Italien mit einer 50-jährigen Anleihe von sich reden. Rom begab einen Bond über 500 Millionen Euro, der mit jährlich 4,75 Prozent verzinst wird. Die ersten 50-jährigen hat Italien im Jahr 2007 begeben, weitere folgten 2008 und 2010.

Spanien
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Gut sechs Wochen vor den vorgezogenen Neuwahlen hatte Spanien am 11. Mai 2016 bereits eine 50jährige Anleihe platziert. Die Nachfrage nach dem Bond im Umfang von drei Milliarden Euro war mit Kaufaufträgen von 10,5 Milliarden Euro enorm – und das obwohl das Land seit Dezember 2015 keine Regierung hat. Doch Kupon und Rendite von je knapp 3,5 Prozent, mit der die Anleihe platziert wurde, lockten Investoren. Zuletzt hatte sich Spanien im September 2014 für 50 Jahre eine Milliarde Euro bei Investoren geliehen. Der Kupon dieser Anleihe liegt bei vier Prozent.

Schon vor drei Jahren stellte die Zentralbank in einer Studie fest, dass der Schuldenberg gefährliche Ausmaße angenommen hatte. Zum einen verordnete Peking den Provinzen daraufhin eine Schuldenbremse. Zum anderen leiteten die chinesischen Finanzbehörden eine Stärkung des Anleihenmarktes ein. Der werde helfen, dass Risiken bei der Vergabe von Schuldverschreibungen besser geprüft und das ganze System sicherer werde – so die Hoffnung.

Die Richtungsentscheidung leitete ein rasantes Wachstum des Anleihenmarktes ein. Alleine 2016 verdoppelte sich das Geschäft auf dem chinesischen Festland auf fast fünf Billionen Dollar, wie aus Erhebungen des Internationalen Währungsfonds hervorgeht. Mittlerweile wird der Markt auf rund zehn Billionen Dollar geschätzt. Nach den USA und Japan hat China den größten Anleihenmarkt der Welt.

Internationale Investoren halten jedoch lediglich rund 1,5 Prozent. Das soll sich mit der Plattform ändern. Allerdings öffnet China den Markt erst ein Stück weit. Zunächst bekommen nur „qualifizierte Investoren“ Zugang. Das sind etwa Zentralbanken, staatliche Fonds und andere große Finanzinstitutionen.

Mit der neuen Initiative erweitert Peking die schon Ende 2014 geschaffene Plattform zwischen Hongkong und Schanghai, auf der bisher ausschließlich Aktien gehandelt werden konnten. Das Besondere an der Ausweitung auf Anleihen liegt in einem Detail: Die Transaktionen sind zwar auf einzelne Titel beschränkt, unterliegen jedoch keinen Kapitalverkehrskontrollen.

Trotzdem erwarten Analysten kaum Bewegung. „Wir gehen davon aus, dass es kaum Interesse an dem Bond Connect geben wird“, resümiert ein Expertenteam der größten japanische Investmentbank Nomura. Pekings Liberalisierungspläne seien eine Einbahnstraße. Es gehe nicht um eine umfassende Öffnung, sondern darum, mehr internationale Investitionen anzulocken.

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