Euro-Krise Kein Grund zur Beruhigung

Politiker reden das Ende der Euro-Krise herbei. Investoren greifen bei Anleihen der Krisenstaaten zu. Wird also alles wieder gut? Die Euphorie könnte ins Gegenteil umschlagen. Besonders im Fokus steht ein Land.
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Freude bei Italiener und Spanier – hier ging es allerdings um Fußball. Quelle: dpa

Freude bei Italiener und Spanier – hier ging es allerdings um Fußball.

(Foto: dpa)

FrankfurtWenn man nur fest genug an etwas glaubt, dann geht es eines Tages in Erfüllung. Das funktioniert im Märchen. Aber auch im echten Leben ist das Wunschdenken weit verbreitet. Das Märchen, das gerade am Finanzmarkt erzählt wird, heißt: Die Krise ist bald vorbei.

Politiker werden nicht müde, zu betonen, die Euro-Zone sei aus dem Gröbsten heraus. „Wir können nicht Entwarnung geben, aber haben Hoffnung zu sagen, vielleicht haben wir das Schlimmste überstanden“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei einem Vortrag in Heidelberg. Auch die Europäische Zentralbank sieht deutliche Fortschritte. „Die dunkelsten Wolken über dem Euro-Raum haben sich verzogen“, erklärte Mario Draghi, Präsident der EZB, vor wenigen Tagen in Frankfurt. Und selbst die Ratingagenturen stimmen zaghaft ein. Noch äußern sie sich im Konjunktiv, aber immerhin: Standard & Poor’s erklärte kürzlich, das Jahr 2013 könne den Wendepunkt in der Schuldenkrise darstellen.

Ist es also an der Zeit, die Euro-Krise abzuhaken? Auf den ersten Blick scheint es so, als werde der Wunsch zur sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Die Märkte haben sich nicht nur beruhigt, nein, die Investoren greifen wieder beherzt bei Staatsanleihen der Krisenstaaten zu.

Als sich Spanien am Dienstag erstmals seit mehr als einem Jahr wieder mit einer zehnjährigen Anleihe an den Kapitalmarkt wagte, waren die Papiere gefragt wie nie. „Noch nie in der Geschichte des spanischen Finanzministeriums hat die Nachfrage ein so großes Volumen erreicht“, frohlockte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Die Investoren hätten Gebote im Volumen von 24 Milliarden Euro abgegeben. Zugeteilt wurden letztlich rund sieben Milliarden Euro, obwohl ursprünglich nur vier Milliarden geplant gewesen waren.

Portugal hat zum ersten Mal Investoren für eine neue Anleihe gefunden, seit das Land im April 2011 unter den Rettungsschirm der internationalen Staatengemeinschaft flüchtete. Lissabon stockte eine fünfjährige Anleihe um 2,5 Milliarden Euro zu einer Rendite von knapp fünf Prozent auf. Dafür gaben Investoren Kaufgebote über rund zwölf Milliarden Euro ab.

In Italien überlegt die Regierung nach geglückten Anleiheplatzierungen, den Markt mit einem 30-Jahre-Bond zu testen, und auch Irland ist wieder erfolgreich an den Markt zurückgekehrt.

Anleger aus Übersee kehren zurück
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53 Kommentare zu "Euro-Krise: Kein Grund zur Beruhigung"

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  • Ich persönlich finde es gut, dass sich die veröffentlichte Stimmung zum Euro-Raum momentan so positiv entwickelt. Das eröffnet Chancen. Es steht einem ja frei, sich seine eigene Meinung zu bilden und entsprechend zu handeln. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg war der Spruch populär: "Wenn so viel vom Frieden gesprochen wird, ist der Krieg nicht mehr fern." Jetzt reden Politik, EZB und Mainstreampresse unablässig davon, die Krise des Euro sei vorbei - na gut. Es ist ja nicht so, dass in solchen Finanz- und Wirtschaftskrisen Alle ihr Geld verlieren - nein, das trifft nur die Masse. Man muss sich nur sentimentalen Loyalitäten trennen, bisweilen gegen den Strom schwimmen und im Zweifel auch den Mut haben, hier die Zelte komplett abzubrechen. Was schert mich dann der Schuldenstand Deutschlands und der südeuropäischen Staaten? Wer etwas kann, Vermögen hat und das richtige Timing nicht verpasst, ist überall auf der Welt herzlich willkommen.

  • und er wird recht behalten

  • @Rechner
    Sie prusten sich hier immer wieder - ziemlich arrogant - als der Superfachmann auf. Die tieferen geschichtlichen und politisch-finanzielle Einsichten/Erkenntnisse werden jedoch so für immer verschlossen bleiben.
    ...Sei dem Sie schreiben im Auftrag der Volksverdummer, wider Ihr bessere Wissen...

  • 'Novaris' sagt
    ------------------
    Da ist es in diesem Spiel nur notwendig, den Joker
    namens "Adolf" zu ziehen, um Deutschland die "Verantwortung" übernehmen zu lassen oder besser, die Verantwortung für die Bereitstellung der notwendigen Summe von Geld übernehmen zu lassen.
    Im Klartext : Es geht für Deutschland nicht nur um eine eher "geringe" Summe von 2 Billionen EURO sondern um ALLES !!
    Vergessen Sie das BVG, das "Parlament". Deutschland ist lt. Herrn Schäuble in der "Welt" n i c h t souverän.
    Da interessieren keine Rechenspielchen um "Tragfähigkeiten" sondern es geht um die Zahlungsfähigkeit Ds für Zeiträume von bis zu 300 Jahren oder mehr (Wehe den Besiegten) und in entsprechend großen Zeiträumen kommt schon eine ganze Menge Bimbes (Kohlsprech) zusammen.
    ------------------

    Wenn Deutschland tatsächlich so wehrlos wäre wie Sie es darstellen dann bräüchte man doch keine umständlichem Konstrukte wie Euro, EZB und ESM um Deutschland zu versklaven.

    Und die "Rechenspiele" um die Tragfähigkeiten können gar nicht bedeutungslos sein.

    Was passiert wenn die Feinde Deutschlands zu gierig werden konnte man ja schon vor 80 Jahren schön beobachten.

    ...

    Sie müssen jetzt schon den großen historischen Zusammenhang bemühen um Ihre abenteuerlichen Theorien zu begründen, womit Sie zugeben daß sich ihre angebliche Haftung Deutschlands für alle euripäoschen Staatsschulden rein wirtschaftlich oder wirtschaftspolitisch überhaupt nicht begründen läßt.

    Bloß ist Geschichte wesentlich komplexer und vielschichtiger als sich das Ihnen erschließt.

    Im Zeitalter eines aufstrebende Asiens wird ein Wiederaufleben alter Kriegskoalitionen gegen Deutschland zunehmend unwahrscheinlich, da nicht im überwiegenden Interesse der meisten unserer alten Feinde.

    Hier geht es darum sich klug zu positionieren.

    Erpressen lassen darf man sich natürlich nicht.

    ...

    Was - außer jammern und wehklagen - hätten Sie eigentlich vorzuschlagen?

  • DANKE

  • Das ist doch ALLES ein ins Verderben führender Wahnsinn. Warum wohl ist die Nachfrage nach spanischen Anleihen so groß. Weil es eine tolle Verzinsung gibt und die Käufer wissen, dass sie von der EZB auf jeden Fall (?) ihr Geld bekommen ! Man sollte mal betrachten was passiert ist !!
    Die Arbeitslosenquote in der EU ist so hoch wie nie zuvor. Viele Volkswirtschaften liegen am Boden. Die Bürger haben kein Geld zum Konsumieren. Das kann sich etwas bessern, aber der große Boom ist vorbei, als die Volkswirtschaften in der EU durch Subventionen "gepusht" wurden. Auch der Schuldenstand bei allen Staaten ist so hoch wie nie zuvor.
    Stark gestiegen Schulden und weniger Steuereinnahmen aus Konsum, horrende Arbeitslosigkeit ??? Die verblödeten Politiker machen nun das "ENDE" der Krise an den Börsenständen fest. Ganz klar, die immensen Schulden der Staaten haben einige Wenige auf ihrer "Guthabenseite", denn für jeden Schuldner gibt es auch einen Gläubiger. Während das Volk immer mehr verarmt, wissen die Gläubiger nicht wohin mit ihrem Geld. Doch - natürlich wissen sie es. Es wird nicht in Infrastruktur etc. investiert sondern an der Börse. Ma sieht, das einige immens viel Geld haben, denn manche Indizes haben ihr Allzeithoch erreicht. Es ist wieder ein gepushter "Aufschwung", der durch die Realwirtschaft nie erreicht wurde, sondern nur mit künstlich geschaffenem Geld. Aber für das künstlich geschaffene Geld gibt es einen Saldo, der bedient werden muss !! Das bittere Ende muss unausweichlich nahen !!

  • Es wird immer so getan, als ob die Euro-Krise sich quasi in Luft aufgelöst hätte. Das hat sie nicht. Es sind Milliarden und Abermilliarden geflossen, geändert hat sich in den betroffenen Ländern, wenn überhaupt, nur marginal etwas. Und diese Schulden bestehen nach wie vor und zurückgezahlt werden, können sie auch nicht, auch nicht bis 2020 oder weiter, denn solange die Länder kein Wirtschaftswachstum aufweisen und/oder ihre strukturellen Probleme nicht lösen (und danach sieht es nicht aus) - so lange wachsen die Schuldenberge weiter. Und der Tag wird kommen, wo die Griechen, Spanier und Portugiesen wieder mit offener Hand da stehen und wieder wollen. Das Problem liegt aber sogar weniger in den Strukturen der Länder - die sind ja seit Jahrzehnten so und so auch bekannt - sondern in der Kunstwährung Euro, die zusammenzwingt, was nicht zusammengehört. Und deshalb WIRD es knallen.
    Von Anlegerseite ist es klar, warum der Dax steigt und steigt: Geld seitens der Investoren ist ja da, nur wo sollen die investieren, wenn es nirgends Zinsen für das eingelegte Geld gibt? Da investiert man es sinnigerweise in Unternehmen, da dort die Chance auf eine erträgliche Rendite noch am wahrscheinlichsten ist. Das wird von der Politik als "gute Stimmung an den Märkten" fehlinterpretiert. Das ist ein Kartenhaus und das bricht beim kleinsten Lüftchen zusammen.
    Ich habe immer noch Gold gehortet und wenn der Goldpreis nochmal sinkt, kaufe ich noch zu. Der Goldpreis mag schwanken, aber im Gegensatz zu jedem anderen Investment ist Gold nie nichts mehr wert.

  • @Rechner,
    es wird z.Zt. sehr viel davon gesprochen, dass "Deutschland Verantwortung übernehmen soll".
    Wer Verantwortung übernehmen soll - und das besagt schon das Wort - soll für etwas verantwortlich sein, aber im Falle Deutschlands wofür ??
    Da ist es in diesem Spiel nur notwendig, den Joker
    namens "Adolf" zu ziehen, um Deutschland die "Verantwortung" übernehmen zu lassen oder besser, die Verantwortung für die Bereitstellung der notwendigen Summe von Geld übernehmen zu lassen.
    Im Klartext : Es geht für Deutschland nicht nur um eine eher "geringe" Summe von 2 Billionen EURO sondern um ALLES !!
    Vergessen Sie das BVG, das "Parlament". Deutschland ist lt. Herrn Schäuble in der "Welt" n i c h t souverän.
    Da interessieren keine Rechenspielchen um "Tragfähigkeiten" sondern es geht um die Zahlungsfähigkeit Ds für Zeiträume von bis zu 300 Jahren oder mehr (Wehe den Besiegten) und in entsprechend großen Zeiträumen kommt schon eine ganze Menge Bimbes (Kohlsprech) zusammen.

    Noch abschließend ein Zitat :
    "Letztendlich wurden zwei Weltkriege geführt, um eine dominante Rolle Deutschlands zu verhindern."
    (Der ehemalige US-Außenminister Kissinger am 23.10.1994 in der "Welt am Sonntag")

    Die Frage nach der "Verantwortung" im zuvor benannten Sinne ist demnach anders zu beantworten und eine dominante Rolle Ds wurde durch die "Einbindung" in die undemokratische, supranationale Behörde EU und die NATO verhindert.

    Somit nochmals : Deutschland garantiert in der Hauptsache letztendlich die Rückzahlung der Schulden.

  • Nein, die Krise ist nicht vorbei.
    http://www.realvalueconcept.de/download/Weltgeldbetrug.pdf

  • @Dr.NorbertLeineweber

    "Draghi ist der gefährlichste Notenbanker aller Zeiten. Das ist jetzt in der Tat der totale Draghi."

    Ich finde er seinen Job gut gemacht. Er hat mit einem Bluff die Maerkte "beruhigt". Das war eine Leistung

    "Die Notenpresse wird zur Finanzierung der Staatshaushalte eingesetzt."

    das stimmt. Das ist in der Geschichte noch NIE sehr lange gut gegangen. Ich denke in spaetestens 10 Jahren ist die Party vorbei. Aber genau weiss das natuerlich niemand.

    Aber unsere Politiker haben sich auf Kosten der Sparer eine prima Zeit fuer sich gekauft.

    Die Zeiten werden spannend, es wird Geschichte geschrieben.

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