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Euro-Zone Griechenland ist der größte Gewinner der Rally an Europas Anleihemärkten

Griechische Staatsanleihen sind so teuer wie seit 13 Jahren nicht. Auch Spanien und Italien sind bei Investoren gefragt. Doch schon im Mai könnte die Rally vorbei sein.
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Das Land kann sich so günstig Geld leihen wie zuletzt vor 13 Jahren. Quelle: dpa
Griechisches Parlament

Das Land kann sich so günstig Geld leihen wie zuletzt vor 13 Jahren.

(Foto: dpa)

Frankfurt, AthenIn der Euro-Krise prägten Investoren eine abfällige Bezeichnung für die gebeutelten Länder in Südeuropa. Unter dem Begriff „PIGS-Staaten“ wurden Portugal, Italien, Griechenland und Spanien zusammengefasst – ein Wortspiel mit dem englischen Wort für Schwein. Doch die Berührungsängste mit den Anleihemärkten in Südeuropa haben die Investoren längst abgelegt.

Die Anleiherenditen in Südeuropa sinken seit Monaten. Zehnjährige spanische Staatsanleihen werfen aktuell ein Prozent ab. Allein im vergangenen Monat ging die Rendite um 0,16 Prozent zurück.

Auch in Portugal und – mit Abstrichen – in Italien haben sich die Risikoaufschläge für Staatsanleihen deutlich erholt. „Der Markt für EWU-Staatsanleihen hat mit Erleichterung auf die Verschiebung des Brexit-Termins reagiert“, sagt DZ-Bank-Analyst Michael Leister.

Doch der größte Gewinner der europäischen Bondrally ist Griechenland: Die Anleger reißen sich förmlich um griechische Schuldpapiere. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe fiel am Freitag im Vormittagshandel auf 3,31 Prozent. Das war der niedrigste Stand seit dem Herbst 2005.

Wachsendes Vertrauen

Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise im Februar 2012 betrug die Rendite des Zehnjahrespapiers fast 40 Prozent. Noch Anfang dieses Jahres lag sie bei 4,4 Prozent. Griechische Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit werfen aktuell so viel Rendite ab wie vergleichbare US-Staatsanleihen. Dabei gilt Griechenland als Hochzins-Emittent, während die USA zu den solidesten Schuldnern der Welt zählen.

Die steigenden Kurse und spiegelbildlich sinkenden Renditen zeigen: Die Anleger fassen wieder Vertrauen in Griechenlands Kreditwürdigkeit. Dazu dürfte nicht zuletzt beitragen, dass nach den drei Rettungsprogrammen rund 80 Prozent der griechischen Staatsschulden in den Händen öffentlicher Gläubiger sind, darunter der Euro-Stabilitätsfonds ESM, dessen Vorgänger EFSF sowie der Internationale Währungsfonds (IWF).

Zudem gab der IWF bekannt, dass er bis 2022 einen Überschuss des griechischen Haushalts erwartet. Auch die Aussicht auf einen Sieg der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) im Wahljahr 2019 preisen die Märkte jetzt ein. ND-Chef Kyriakos Mitsotakis will unter anderem mit einer Steuerreform die Binnennachfrage stärken, die Unternehmen entlasten und so Investoren anlocken.

Schlechte Kreditwürdigkeit

Wie die übrigen südeuropäischen Staaten profitiert Griechenland aber auch von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). So hat die Notenbank im März überdurchschnittlich stark Staatsanleihen aus Italien, Frankreich, Portugal und Spanien gekauft, wie eine Analyse der Commerzbank zeigt. Von den Ankäufen dürften auch die griechischen Renditen weiter gedrückt worden sein.

Allerdings: Auch wenn die Renditen der griechischen Bonds jetzt auf den niedrigsten Stand seit mehr als 13 Jahren zurückgingen, muss der Athener Finanzminister heute den Anlegern höhere Risikozuschläge zahlen als 2005. Denn das Zinsniveau in der Euro-Zone ist heute viel niedriger als damals. So betrug der Renditeabstand des zehnjährigen Griechen-Bonds zur entsprechenden Bundesanleihe im Herbst 2005 nur 0,20 Prozentpunkte.

Aktuell liegt er dagegen bei 3,33 Prozent. Das zeigt: Trotz nominell gleicher Renditen ist es um Griechenlands Kreditwürdigkeit aktuell schlechter bestellt als 2005. Auch im Vergleich zu anderen früheren Krisenländern wie Irland, Spanien, Portugal und Zypern muss Griechenland die mit Abstand höchsten Zinsen zahlen.

Am 26. April will die Agentur Standard & Poor’s ihr Rating für Griechenland aktualisieren. Marktbeobachter erwarten eine Heraufstufung. S&P bewertet das Land gegenwärtig mit der Note B+.

Mit einer erwarteten Heraufstufung auf BB- lägen griechische Staatsanleihen zwar immer noch drei Stufen unter der Schwelle der investitionswürdigen Papiere im Ramschbereich. Ein Upgrade könnte aber den Appetit der Anleger auf Hellas-Bonds weiter anregen.

Die staatliche Schuldenagentur PDMA will die günstigen Marktbedingungen nutzen und plant bereits die nächste Emission. Es wäre der dritte Marktgang, seit das Land Ende August 2018 den Euro-Rettungsschirm verließ.

Riskante Strategie

Erst im März war Griechenland zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Krise wieder mit einer zehnjährigen Anleihe an den Markt gegangen. Die Nachfrage war unerwartet groß, die Emission fünffach überzeichnet. In Marktkreisen erwartet man, dass Griechenland Ende April oder Anfang Mai den Markt mit einer weiteren Emission testeten wird.

Die Regierung kann der geplanten Emission relativ gelassen entgegensehen, da das Land keinen akuten Geldbedarf hat. Dank eines Liquiditätspuffers, den Finanzminister Euklid Tsakalotos zum Ende des Rettungsprogramms teils aus Hilfskrediten, teils aus eigenen Mitteln bildete, ist Athen bis ins Jahr 2022 durchfinanziert.

Die geplante Emission soll aber nicht nur dazu dienen, den Appetit der Anleger zu testen und Vertrauen am Markt aufzubauen. Tsakalotos möchte mit dem Erlös teure Kredite des Internationalen Währungsfonds vorzeitig tilgen und so die Kosten für die Schuldendienst drücken.

Haushaltsstreit von EU und Italien könnte die Rally beenden

Allerdings birgt die Strategie Griechenlands, verstärkt den Kapitalmarkt anzuzapfen, auch ein Risiko: Schon im Mai könnte es mit der Rally an den Anleihemärkten in Südeuropa wegen des Haushaltsstreits zwischen Italien und der EU-Kommission vorbeisein, sagt DZ-Bank-Experte Christian Reicherter. „Nach den Europawahlen und der Neuordnung der Kommission halten wir es für wahrscheinlich, dass der Konflikt merklich hochkocht.“

Dadurch dürften die Risikoaufschläge für Italien wieder steigen – und diese Unsicherheit könnte auch die Renditen für Griechenland und Co. nach oben treiben.

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