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Europäische Firmen nutzen eine Angebotsvariante bei Anleihen Privatplatzierungen werden beliebter

Das Geschäft mit privat platzierten Anleihen wird internationaler. Davon profitieren europäische Banken wie die Royal Bank of Scotland.

FRANKFURT/M. „Wir werden in diesem Jahr für europäische Unternehmen rund 30 grenzüberschreitende traditionelle Privatplatzierungen über mehr als 8 Mrd. abschließen“, sagt Jocelyn Monk, Global Head of Private Placements bei der Royal Bank of Scotland.

Europäische Unternehmen verkaufen erst seit etwa fünf Jahren in größerem Stil Anleihen gezielt an bestimmte Investoren. In den USA gibt es das Instrument dagegen schon seit über 50 Jahren. „In diesem Jahr haben europäische Unternehmen Anleihen über gut 25 Mrd. Dollar privat platziert, das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr“, sagt Greg Johnson, Head of US Private Placements bei Banc of America Securities in New York. Dazu gehörten bekannte Unternehmen wie die Mediengruppe Bertelsmann, die Brauereien Interbrew und Scottish & Newcastle, der Triebwerkshersteller Rolls Royce oder der Satellitenbetreiber SES Global. Banc of America Securities rangiert auf Platz eins der traditionellen US-Privatplatzierungen, dicht gefolgt von der Royal Bank of Scotland (RBS). Bei den Deals europäischer Unternehmen hat RBS mit Abstand die Nase vorn.

Immer internationaler werden auch die Investoren. In den USA gibt es rund 100 professionelle Anleger – vorwiegend Versicherer –, die nicht öffentlich ausgeschriebene Anleihen kaufen. In Europa ist die Zahl laut Monk inzwischen immerhin auf 25 gestiegen. Darunter sind Axa, Prudential, Fortis und ING. „Die größte Nachfrage kommt jedoch weiterhin von den großen US-Versicherern“, sagt Johnson.

Banker rechnen mit einem weiter wachsenden Markt. „Viele europäische Firmen sind mit dem Instrument noch nicht vertraut, aber das Interesse steigt“, ist Monk zuversichtlich. Auch Johnson geht davon aus, dass noch mehr europäische Unternehmen den Markt anzapfen werden. Außerdem würden Firmen mit Erfahrung bei Privatplatzierungen der Bank auch Emissionen bringen. Es sei nämlich vergleichsweise einfach, Folge-Anleihen zu platzieren, wenn ein Unternehmen einmal bei Investoren bekannt sei.





Als großes Plus der Privatplatzierungen für Unternehmen gilt, dass sie sich – auch bei Erstemissionen – weniger aufwendig als am Markt für öffentlich ausgeschriebene Anleihen Kapital beschaffen können. So sind keine Ratings von den anerkannten Agenturen nötig, die umfangreiche Anleihe-Dokumentation entfällt, und die Firmen müssen nicht öffentlich über bestimmte Kennziffern berichten. „Die Unternehmen können die Investoren selbst von ihrer Geschichte überzeugen“, sagt Monk. Das funktioniere gut, viele Deals in diesem Jahr seien mehrfach überzeichnet gewesen. Dabei lässt sich ein Deal meist in zehn Wochen abwickeln.

Die durchschnittliche Größe der einzelnen Transaktionen ist laut Johnson in diesem Jahr auf 231 Mill. von 193 Mill. Dollar im Vorjahr gestiegen. Inzwischen sind auch Volumina von 1 Mrd. Dollar gut unterzubringen. Außerdem können sich Unternehmen mit Laufzeiten von meist zehn oder mehr Jahren langfristig Kapital sichern. Bei öffentlich platzierten Anleihen liegt die durchschnittliche Laufzeit derzeit nur bei fünf bis sieben Jahren. In der Regel ist die Aufnahme von Geld über Privatplatzierungen für Unternehmen außerdem nicht teurer als über öffentlich angebotene Anleihen.

Investoren kaufen privat platzierte Bonds, weil diese als recht sicher gelten. Sie werden zwar nicht gehandelt, doch dafür sind sie meist mit Anlegerschutzklauseln (Covenants) ausgestattet – ein Instrument, um das Fondsmanager bei öffentlich angebotenen Anleihen derzeit verstärkt kämpfen. Bei privat platzierten Anleihen ändern sich die Konditionen, wenn sich die Finanzkennzahlen des Unternehmens drastisch verschlechtern.

„Zudem halten die Firmen mit den Käufern ihrer privat platzierten Anleihen Kontakt. Von daher sind die Bonds syndizierten Krediten, bei denen es auch enge Kontakte zwischen Schuldner und Gläubiger gibt, ähnlich“, erläutert Monk. Für die Banken, die Privatplatzierungen begleiten, sind ebenfalls enge Kontakte zu den Investoren wichtig. Die Bonds werden von daher auch nicht von einer großen Sales-Mannschaft, sondern nur von Spezialisten aus den Private-Placement-Abteilungen der Banken betreut. Bei der RBS umfasst dieser Bereich 15 Mitarbeiter in London und New York, bei Bank of America Securities rund 40 in London, New York und San Francisco.

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