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Europäische Staatsanleihen „Die Zinswende auszurufen wäre verfrüht“

Die Kurse für Bundesanleihen sind weiter eingebrochen, die Renditen schießen in die Höhe. Ist damit die Trendwende für Anleihezinsen in Europa gekommen? Anleiheprofis sind geteilter Ansicht. Was sie Anlegern jetzt raten.
Update: 13.05.2015 - 16:02 Uhr 2 Kommentare
Die meisten Anleiheprofis glauben, dass die echte Zinswende in Europa noch auf sich warten lässt.
Keine Umkehr

Die meisten Anleiheprofis glauben, dass die echte Zinswende in Europa noch auf sich warten lässt.

Düsseldorf Die Nervosität am Markt für Staatsanleihen ist zurück: Nach einer Erholung zum Ende der vergangenen Woche, sind die Kurse der zehnjährigen Bundesanleihe am Dienstag wieder eingebrochen, auf bis zu 97,74. Umgekehrt schoss die Rendite zwischenzeitlich auf bis auf 0,74 Prozent in die Höhe. Wer jetzt kauft, bekommt also wieder deutlich mehr für sichere Staatspapiere. Deutschland ist damit kein Einzelfall. Im ganzen Euro-Raum – und auch in den USA – haben in den vergangenen drei Wochen die Renditen für langlaufende Anleihen angezogen.

Offenbar ist ein nicht zu vernachlässigbarer Anteil der Anleger derzeit der Ansicht, dass es schon bald höhere Zinsen auf Anleihen geben könnte. Sie spekulieren darauf, dass das generelle Zinsniveau steigt und damit bald Anleihen mit einem höheren Kupon auf den Markt kommen. Ihre aktuellen Bestände mit niedrigem Zinskupon stoßen sie daher ab. Auch hauptberufliche Spekulanten dürften ihre Finger im aktuellen Renditepoker bei Staatsanleihen mit im Spiel haben, für den Kurssturz also mitverantwortlich sein.

Es würde aber zu weit gehen, zu sagen, dass die „Zinswende“ in Europa damit bereits in vollem Gange ist. Denn fraglich bleibt, ob Marktteilnehmer ihre Erwartungen auf steigende Zinsen auch über die nächsten Monate aufrechterhalten. Entscheidend ist dabei, was die Akteure über die weitere Entwicklung der Inflation in der Euro-Zone denken. Entscheidend ist, ob die ultralockere Geldpolitik, die Mario Draghi nunmehr seit März durchsetzt, endlich greift.

Zuletzt hat die Kreditvergabe in der Euro-Zone tatsächlich wieder zugenommen. Damit fließt mehr Geld in die Realwirtschaft und die Chance auf steigende Verbraucherpreise nimmt zu. Die jüngsten Inflationsdaten spiegeln diese Entwicklung bereits zum Teil. Jeweils verglichen mit dem jeweiligen Vorjahresmonat, hat die Inflation in Deutschland seit Februar zugelegt. Zuletzt waren die Verbraucherpreise im April um 0,4 Prozent im Vergleich zu 2014 gestiegen. In der gesamten Euro-Zone steigen die Verbraucherpreise jedoch bislang nicht. Für April schätzen Experten der europäischen Statistikbehörde Eurostat die Inflation auf 0,0 Prozent – nachdem die Preise zuvor im Vorjahresvergleich stets gefallen waren.

In einer Umfrage hat das Handelsblatt bei den führenden Anlageprofis und Anleiheexperten in Deutschland nachgefragt, wie sie die Situation einschätzen. Wie konnte es zum Kurseinbruch bei deutschen und europäischen Staatsanleihen kommen? Eigentlich gibt es doch mit der Europäischen Zentralbank gerade mehr als genug Nachfrager für die Anlageklasse. Ist die Trendwende bei den Anleihezinsen in Europa vollzogen – obwohl die EZB die ultralockere Geldpolitik weiterbetreibt und für 60 Milliarden Euro jeden Monat Staatsanleihen aufkauft?

Diese Charts zeigen, welche Märkte verrückt spielen

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

-53,44 -0,40%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 10

Der Konflikt in der Ostukraine, der Schuldenstreit mit Griechenland, der fallende Ölpreis - zu Beginn des Jahres schien all das die Dax-Anleger kaum zu kümmern. Seit die Europäische Zentralbank angekündigt hatte, Staatsanleihen und andere Papiere im Umfang von 1,1 Billionen Euro bis 2016 aufzukaufen, kannte der Index nur eine Richtung: nach oben. Pendelte er zu Beginn des Jahres noch deutlich unter 10.000 Punkten, durchbrach er im Februar bereits die 11.000 Punkte-Marke. Im März folgte die nächste Etappe der Rally: Der Dax stieg erstmals in seiner Geschichte über 12.000 Zähler. Inzwischen ist die Euphorie der Anleger aber verflogen. Seit seinem Rekord von 12.391 Punkten im April befindet sich der Dax auf Korrekturkurs. Die Anleger sind vorsichtig geworden, der Zauber der Milliarden von „Super”-Mario Draghi dahin.

DAX- VOLATILITAETSINDEX

WKN
ISIN
DE0008467408
Börse
EUREX

0,00 0,00%
Chart von DAX- VOLATILITAETSINDEX
Dax-Volatilitätsindex
2 von 10

Wie sehr der Dax schwankt, lässt sich auch an seinem Volatilitätsindex ablesen. Der Index gibt an, welche Schwankungen des Dax am Terminmarkt erwartet werden. Ein hoher Wert deutet auf einen unruhigen Markt hin. Seit Jahresbeginn legte dieser Index um rund 24 Prozent zu. Allein in der ersten Maiwoche ging es 17 Prozent nach oben. Von den starken Schwankungen profitieren vor allem Börsenbetreiber und Hochfrequenzhändler. Ihnen bieten die Kursschwankungen höhere Handelsvolumina und mehr Möglichkeiten aus Kursdifferenzen an verschiedenen Handelsplätzen Gewinne zu machen. Für Privatanleger heißt es dagegen: Nerven bewahren.

BUNDESREP.DEUTSCHLAND ANL.V.2015 (2025)

WKN
ISIN
DE0001102374
Börse
STU

+0,18 +0,17%
0,00€
Chart von BUNDESREP.DEUTSCHLAND ANL.V.2015 (2025)
Bundesanleihe (10 Jahre)
3 von 10

Auch der sonst eher ruhige Markt für Staatsanleihen spielt neuerdings verrückt. Denn seit Maibeginn werfen die Investoren Bundesanleihen reihenweise aus ihren Depots. Die Kurse brechen ein - innerhalb von nur einer Woche verlor die zehnjährige Bundesanleihe knapp 2,8 Prozent - dafür steigen die Renditen. Für viele Analysten kam der Kurseinbruch jedoch nicht überraschend. Vielmehr glauben sie, dass dies die Korrektur der durch die Staatsanleihenkäufe der EZB ausgelösten Übertreibungsphase am Markt einläute.

EUR/USD SPOT

WKN
ISIN
EU0009652759
Börse
FX

-0,00 -0,09%
+1,10€
Chart von EUR/USD SPOT
EUR/USD
4 von 10

Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat sich nicht nur auf die Staatsanleihen, sondern auch auf den Euro ausgewirkt. Die Europäische Gemeinschaftswährung wertete zu Beginn des Jahres gegenüber dem US-Dollar massiv ab. War zum Jahresbeginn ein Euro noch rund 1,21 US-Dollar wert, rutschte die Währung am 16. März auf ein Rekordtief von rund 1,04 US-Dollar. Das befeuerte zunächst noch mehr die Aktien-Rally, etwa beim Dax, in dem exportstarke deutsche Unternehmen gelistet sind. In den USA machte der starke Dollar der einheimischen Industrie dagegen zu schaffen. Doch auch auf dem Devisenmarkt zeichnet sich seit kurzem eine Wende ab. Zuletzt stieg der Euro wieder über die 1,1 US-Dollar-Marke.

EURO-BUND-FUTURE Dez./19

WKN
ISIN
DE0009652644
Börse
EUREX

+0,86 +0,51%
+170,40€
Chart von EURO-BUND-FUTURE Dez./19
Euro-Bund-Future
5 von 10

Beim Euro-Bund-Future - dem Terminkontrakt für eine fiktive, zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kupon von sechs Prozent - gilt: Je stärker die Rendite für die Bundesanleihe steigt, umso billiger wird der Euro-Bund-Future. Seit dem ersten Januar 2015 ist der Wert des Kontrakts um 1,3 Prozent gefallen, innerhalb der ersten Maiwoche sogar um 2,5 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt den Ausverkauf wider, der auf dem Markt für Staatsanleihen passiert. Der Kurs der Schuldpapiere der Bundesrepublik fällt, entsprechend steigt die ihre Rendite.

Ölpreis (Brent Barrel Oil)

WKN
ISIN
Börse

Chart von Ölpreis (Brent Barrel Oil)
Ölpreis (Brent Barrel Oil)
6 von 10

Die wohl für die Realwirtschaft folgenreichste Entwicklung hat der Ölpreis genommen. Kostete noch im Juli vergangenen Jahres ein Barrel rund 114 US-Dollar, fiel der Preis im Januar 2015 auf ein Tief von rund 48 Dollar je Barrel. Ein Grund für den rapiden Preisverfall ist das Überangebot am Markt. Die zunehmende Schieferöl-Produktion der USA drückte die Preise für den Rohstoff. Inzwischen hat sich die Marktlage allerdings wieder etwas entspannt - die US-Firmen produzieren bereits an ihren Kapazitätsgrenzen, sodass der Ölpreis kaum weiter fallen kann. Im vergangenen Monat ist er wieder um rund 17 Prozent gestiegen. Auf die Firmen hatte der billige Rohstoff unterschiedliche Effekte: Während einige von den günstigen Energiepreisen profitierten, mussten Öl- und Gasfirmen angesichts des Preisverfalls sparen.

UNITED STATES OF AMERICA DL-NOTES 2012(22)

WKN
ISIN
US912828SV33
Börse
STU

+0,11 +0,11%
0,00€
Chart von UNITED STATES OF AMERICA DL-NOTES 2012(22)
10-jährige US-Staatsanleihe
7 von 10

Während die deutschen Staatspapiere ihren Kurswert einbüßen, werden die US-Staatsanleihen bei den Anlegern wieder beliebter. Der Kurs der zehnjährigen Anleihe ist seit Januar um rund 2,3 Prozent gestiegen. Angesichts einer möglichen Leitzinswende in den USA werden die bislang renditearmen Papiere für die Anleger wieder attraktiver.

Wann denn nun die Zinswende in Europa kommt, ist eine Frage, die besonders viele Anleger umtreibt. Noch einmal mehr, weil darüber hinaus aktuell auch Aktienmärkte zurücksetzen. Bei Dax und Co. findet gerade eine deutliche Korrektur statt. Das Handelsblatt hat Anlageprofis also gefragt, wie das zusammenpasst. Wie kann es sein, dass Investoren – atypisch – aus Anleihen und Aktien gleichzeitig flüchten? Und welche Rolle spielt dabei die Tatsache, dass der Euro dank schwacher Wirtschaftsdaten in den USA zuletzt wieder zugelegt hat?

Lesen Sie auf den nächsten Seiten, wie der erfolgreiche Dachfondsmanager Eckhard Sauren, Rentenfondsmanager des US-Investmenthauses Fidelity David Simner und die Rentenexperten Oliver Eichmann (Deutsche Asset & Wealth Management), Christoph Rieger (Commerzbank), Kornelius Purps (Unicredit) und Ralf Ahrens (Frankfurt-Trust) die Lage einschätzen.

Sauren: „Es macht keinen Sinn, in Bundesanleihen zu investieren“
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2 Kommentare zu "Europäische Staatsanleihen: „Die Zinswende auszurufen wäre verfrüht“"

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  • Die Risiken nehmen einfach zu und die EZB nimmt diese ab. Nach den neuen Anleihebedingungen kann der Staatsschuldner seine Schuld reduzieren, was kein Investor so einfach hinnimmt, wenn er nicht muss. Da sind kleine Kursverluste besser als große. Anleihen bieten in Zukunft weder Sicherheit noch Rendite. Es gibt bessere Anlagemöglichkeiten als sich schleichend enteignen zu lassen. Tatsächlich wird es vor allem Lebensversicherte und Kapitalrenten treffen, wobei bereits die gesetzliche Möglichkeit für die Versicherer besteht, ihre Verpflichtungen im Falle drohender Pleiten (als Folge von Staatspleiten) zu reduzieren.

  • ""die Renditen schießen in die Höhe"" werden wir hier vom HB verkohlt oder sollen wir darüber lachen?!
    Ein Rückkehr zur Vernunft ist es, mehr nicht, das bedeutet nur dass es keine Idioten mehr gibt die bereit sind Newgativzinsen für Bundesanleihen zu akzptieren..