Finanzierungslücke Griechenland will fällige Anleihen verlängern

Im kommenden Jahr wird Griechenland offenbar ein Defizit von bis zu elf Milliarden Euro aufweisen. Daher will der Staat einige Anleihen verlängern, die bald fällig gewesen wären.
32 Kommentare
Die Euro-Länder und der IWF haben Griechenland seit 2010 rund 240 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um den Staatsbankrott zu verhindern. Quelle: dpa

Die Euro-Länder und der IWF haben Griechenland seit 2010 rund 240 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um den Staatsbankrott zu verhindern.

(Foto: dpa)

AthenGriechenland will die drohende Finanzierungslücke im kommenden Jahr mit einer Verlängerung fälliger Anleihen im Umfang von 4,5 Milliarden Euro teilweise überbrücken. Dabei handele es sich um Bonds, die eigentlich im März 2014 fällig seien, sagte Finanzminister Yannis Stournaras in einem am Montag veröffentlichten Interview der Zeitung „Naftemporiki“. Die Regierung hatte die Anleihen begeben, um den kriselnden Bankensektor mit Liquidität versorgen zu können. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass Griechenland 2014/2015 eine Finanzierungslücke von fast elf Milliarden Euro schließen muss.

Die Euro-Länder und der IWF haben Griechenland seit 2010 rund 240 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um den Staatsbankrott zu verhindern. Mit Hilfe des zweiten Rettungspaketes ist das Mittelmeerland bis in die zweite Jahreshälfte 2014 finanziert. Es wird erwartet, dass die internationalen Kreditgeber noch im November über weitere Hilfszahlungen entscheiden. Die EU-Kommission geht davon aus, dass 2014 zusätzliche 3,8 Milliarden Euro benötigt werden. Der IWF rechnet mit 4,4 Milliarden Euro.

Das Mittelmeerland steckt das sechste Jahr in Folge in der Rezession. Die Arbeitslosenquote liegt nahe 28 Prozent, bei den jungen Griechen sogar bei 60 Prozent.

  • rtr
Startseite

32 Kommentare zu "Finanzierungslücke: Griechenland will fällige Anleihen verlängern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Nachrechner

    Thanks for shedding some light on this issue.

    Es sieht also dann so aus, daß es sich um Anleihen handelt die von Zentralbanken des ESZB gehalten werden.

    Und die weigern sich, die Verluste die mit einer Verlängerung verbunden sein könnten hinzunehmen.

    ...

    Die Ausrede "monetäre Staatsfinanzierung" ist in diesem Fall allerdings dumm.

    Denn JEDE Zentralbank, die IRGENDWELCHE Assets hält, muß damit rechnen daß dieselben im Zuge einer Insolvenz an Wert verlieren können.

    Es wäre monetäre Staatsfinanzierung ohne Vorliegen geldpolitischer Notwendigkeiten Staatsanleihen zu kaufen.

    Sich an einem Schuldenschnitt durch Umschuldung im Rahmen einer Sanierung eines insolventen Gläubigers zu gleichen Bedingungen wie andere Gläubiger zu beteiligen wäre das nicht.

    ...

    Aus diesem Grund ist das Ansinnen von Stournaras nur recht und billig.

    Und die Tatsache, daß diese Finanzierungslücke von Anfang an vorhanden war ist Ausdruck der Tatsache, daß die Euro-Staaten davon ausgegangen sind, daß die ESZB-Zentralbanken auch zu dieser Einsicht kommen würden.

  • Wie schön das man die Schulden immer wieder verlängern kann und für die Bedienung der Zinsen weitere Hilfs-Milliarden stets zugestanden bekommt. Allein, je mehr Milliarden an Schulden aufgetürmt werden, desto weniger werthaltig wird der EURO in Europa. Die USA sind uns da schon ein Stück voraus, eigentlich eher ein Grund dem nicht nachzueifern. Aber wer wird schon aus Fehlern anderer klug? Man will doch den Schmerz am eigenen Leib verspüren.

  • in den Abgrund und wird uns und die EURO Träumer mitnehmen. Armes Deutschland.

  • @Rechner: Asked whether Greek bonds held by euro zone central banks should also be rolled over to help cover the post-bailout funding gap, Stournaras told the paper this was part of a November 2012 agreement.

    "There are Greek bonds held by central banks, which had said they would roll them over but up to now have not done so. If they do not want to implement this because they consider it monetary financing, they must find equivalent measures," the minister was quoted as saying.

    The ECB and other euro zone central banks hold a nominal 19 billion euros of Greek bonds, of which 10 billion matures in 2014.

    Greece's creditors agreed to look into the bloc's 17 national central banks replacing some of the Greek bonds they hold with new Greek paper as the debt matures.

    This measure, called the "rollover of ANFA holdings", was expected to spare Greece from having to redeem 3.7 billion euros of debt in 2013-2014 and 1.9 billion euros in 2015-2016.

    Source: www.reuters.com/article/2013/10/14/greece-bonds-idUSL6N0I40CS20131014

  • 'Franz' fragt
    --------------------
    Woher ich das weiß?

    Es gab ein Anfrage bei den Gläubigern einem freiwilligen Schuldenverzicht zuzusimmen, einem zwangsweisen Schuldenschnitt zuzustimmen oder gegen beides zu stimmen. Haben Sie das verpasst und schreiben nun einfach aus dem Bauch heraus?
    --------------------

    Ja - das habe ich verpaßt.

    Und vor allem habe ich das die Bekanntgabe des Ergebnisses dieser Anfrage verpaßt.

    Es wäre sachdienlich, wenn Sie endlich die Quelle für Ihre Behauptung, "dass es bei etwa 2/3 aller Anleihen nach britischem Recht eine qualifizierte Mehrheit für einen Schuldenschnitt gegeben hätte", offenlegen würden.

    Ansonsten muß ich Ihre Klage leider wegen unbewiesenen Klagegrunds abweisen.

  • Woher ich das weiß?

    Es gab ein Anfrage bei den Gläubigern einem freiwilligen Schuldenverzicht zuzusimmen, einem zwangsweisen Schuldenschnitt zuzustimmen oder gegen beides zu stimmen. Haben Sie das verpasst und schreiben nun einfach aus dem Bauch heraus?

  • 'Franz' sagt
    ==========
    Rechner sagt
    -----------------------------------
    Offensichtlich bestand keine Aussicht, die gewünschte Vereinbarung mit diesen Gläubigern zu erzielen.
    -----------------------------------

    Offensichtlich weiß Rechner nicht was er schreibt. Tatsache ist, dass es bei etwa 2/3 aller Anleihen nach britischem Recht eine qualifizierte Mehrheit für einen Schuldenschnitt gegeben hätte. ==========

    Was Sie nicht sagen.

    Woher wissen Sie das?

    +++

    'Franz' sagt
    ==========
    Den europäischen Steuerzahlern kann es auch nicht egal sein wie Griechenland diese 4,5 Mrd. € finanziert. Sind die Finanzierungskosten zu hoch, so könnte die Schuldentragfähigkeit wieder überschritten und der Steuerzahler zu Kasse gebeten werden.
    ==========

    Schuldentragfähigkeit ist eine Frage der Definition, und die Höhe von Finanzierungskosten aus 4,5 Milliarden eher grenzwertig bei einer Gesambelastung mit Zinsen von knapp 10 Milliarden pro Jahr.

    ...

    Meinethalben - VÖLLIG egal wohl nicht.

    Aber noch lange kein Grund für das "ich wußte es ja schon immer - die Griechen sind pleite" Gezetere in das einige Kommentatoren 'mal wieder ausbrechen.

  • Rechner sagt
    -----------------------------------
    Offensichtlich bestand keine Aussicht, die gewünschte Vereinbarung mit diesen Gläubigern zu erzielen.
    -----------------------------------

    Offensichtlich weiß Rechner nicht was er schreibt. Tatsache ist, dass es bei etwa 2/3 aller Anleihen nach britischem Recht eine qualifizierte Mehrheit für einen Schuldenschnitt gegeben hätte. Trotzdem wurde auf eine Abstimmung zum Zwangsumtausch verzichtet. Das ist NACHLÄSSIG, denn niemand hätte Griechenland daran hindern können diese Abstimmung durchzuführen.

    Den europäischen Steuerzahlern kann es auch nicht egal sein wie Griechenland diese 4,5 Mrd. € finanziert. Sind die Finanzierungskosten zu hoch, so könnte die Schuldentragfähigkeit wieder überschritten und der Steuerzahler zu Kasse gebeten werden.

  • @Mut_zur_Wahrheit

    "Deshalb auch das Wahlergebnis. Vielleicht wacht der deutsche Michel zur Europawahl auf. "

    Nö, der döst voll weiter und wundert sich irgendwann, daß er

    - kein Geld mehr hat (das wird nach Europa sozialisiert)
    - keine Bürgerrechte mehr hat (weil Mutti sich einen Dreck um Verfassungen,Verträge, Gesetze, Versprechen) kümmert

  • 'Franz' sagt
    --------------
    Im nächsten Jahr werden Anleihen privater Gläubiger fällig, die fahrlässigerweise vom Schuldenschnitt verschont wurden.

    Es handelte sich um Anleihen nach britischem Recht, bei denen bereits CACs vorgesehen waren. Die CACs wurden dann trotz Ankündigung nicht angewandt.
    --------------

    Eine "Collective Action Clause" besagt nicht, daß der Schuldner machen kann was er will, sondern nur, daß eine Vereinbarung mit einer qualifizierten Mehrheit der Gläubiger DIESER Anleihen alle bindet.

    Offensichtlich bestand keine Aussicht, die gewünschte Vereinbarung mit diesen Gläubigern zu erzielen.

    +++

    'Franz' sagt
    --------------
    Es ist nicht einzusehen, warum nun die europäischen Steurzahler für die griechische Nachlässigkeit zahlen sollen.
    --------------

    Das muß er nicht - auch wenn sie nicht nachgewiesen haben, daß es sich um Nachlässigkeit handelt.

    Wie Stournaras die 4,5 Milliarden beschafft kann uns egal sein.

    WENN Griechenland seine Hausaufgaben macht, kann er sie nächsten März wohl auch auf dem Kapitalmarkt zu hohen Zinsen beschaffen, oder seine derzeitigen Anleger erklären sich zu einer Verlängerung gegen angemessene Verzinsung bereit.

    Es liegt an den Griechen selbst.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%