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Eine Ölraffinerie von Saudi Aramco

Obwohl das Image Saudi-Arabiens sehr gelitten hat, verzeichnet der Aramco-Bond eine Rekordnachfrage.

(Foto: Reuters)

Finanzmärkte am Golf Anleihe von Saudi-Aramco bricht alle Rekorde

Der saudische Ölkonzern wollte Kapital in Höhe von zehn bis 15 Milliarden Dollar einsammeln. Doch das tatsächliche Interesse überstieg die Erwartungen bei Weitem.
Update: 10.04.2019 - 18:50 Uhr Kommentieren

BerlinEs war eine Anleiheplatzierung der Superlative: Saudi Aramco hat am Mittwoch sein zwölf Milliarden Dollar schweres Bondpaket mit Laufzeiten zwischen drei und 30 Jahren an den Markt gebracht. Nie hat ein Unternehmen aus einem Schwellenland mehr Geld über eine Anleihe eingesammelt – und nie war die Nachfrage größer. Der weltgrößte Ölförderer hatte Gebote in Höhe von 100 Milliarden Dollar im Orderbuch.

Damit war der Bond knapp neunfach überzeichnet. Der saudische Ölminister und Aramco-Chairman Khalid al-Falih hatte im Vorfeld mit nur einer etwa dreifachen Überzeichnung gerechnet.

Dank der enormen Nachfrage nach den Anleihen des Ölkonzerns profitiert Aramco von niedrigeren Zinszahlungen, als sie der Staat Saudi-Arabien den Investoren bieten muss. Experten sehen gute Gründe für diese ungewöhnliche Konstellation. „Aramco ist transparenter, bietet stringentere Kreditkennzahlen und macht größere Fortschritte bei Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards als die saudische Regierung“, konstatiert Mohieddine Kronfol von Franklin Templeton Investments.

Die enorme Nachfrage nach den Anleihen von Aramco deutet auf eine Neubewertung Saudi-Arabiens durch die globalen Investoren hin: Im Herbst sagten gerade Großanleger aus den USA und Topmanager aus der dortigen Finanzszene reihenweise ihre Teilnahme an einem Investmentforum des umstrittenen Kronprinzen Mohammed bin Salman ab – nachdem die Ermordung des oppositionellen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul bekannt geworden war.

Jetzt haben JP Morgan und Morgan Stanley als wichtigste Konsortialbanken die Emission federführend betreut. Citigroup, Goldman Sachs, HSBC und die saudische NCB Capital sind ebenso an der Großplatzierung beteiligt. Nicht aber die Deutsche Bank, obwohl sich das Frankfurter Geldhaus sehr um Geschäfte in Saudi-Arabien bemüht. Allerdings schadet der Bank in diesem Fall, dass die Herrscherfamilie von Katar zu ihren wichtigsten Aktionären zählt.

Katar und Saudi-Arabien sind traditionell politische Gegner in der Region um den Persischen Golf.

Saudi Aramco hatte im Vorfeld der Emission erstmals bis dahin geheime Geschäftszahlen offengelegt und dabei bekanntgegeben, dass der Konzern mit 111,1 Milliarden Dollar mehr Gewinn erwirtschaftet als Apple, Google und Exxon Mobil zusammen. Aramco fördert etwa 13 Prozent der weltweit täglich produzierten Ölmenge und hat Produktionskosten pro Barrel (je 159 Liter) von unter zehn Dollar laut dem Fachmagazin „Oilprice.com“.

Derzeit übernimmt der Ölgigant 70 Prozent des saudischen Petrochemiekonzerns Sabic für 69 Milliarden Dollar.

Eigentlich sollte Aramco in diesem Frühjahr an die Börse kommen. Doch die Platzierung der Aktien wurde auf mindestens 2021 verschoben. Der Plan sah vor, rund fünf Prozent des Konzerns an den Markt zu bringen und dafür 100 Milliarden Dollar bei den Investoren einzusammeln. Die Einnahmen aus dem weltweit größten Börsengang hätten dem Staatsfonds PIF zugutekommen sollen.

Nach dem verschobenen Börsengang zeigt die erfolgreiche Platzierung der Aramco-Anleihen, dass Unternehmen aus dem Mittleren Osten derzeit ein positives Umfeld vorfinden: Mit Network International gelang einem Zahlungsdienstleister aus Dubai am Mittwoch in London der mit 1,4 Milliarden Dollar bisher größte Börsengang des Jahres in Europa. In den Startlöchern steht auch der Dubaier Finanzdienstleister Finablr, der laut Insidern 500 Millionen Dollar einsammeln will.

Im ersten Quartal war der Markt für Börsengänge in Europa so schwach wie seit 2012 nicht mehr.

Für zusätzliches Interesse der internationalen Investoren dürfte die Aufnahme der an der saudischen Börse notierten Aktien in den weltweit führenden Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets sorgen. Analysten prognostizieren deutliche Kurssprünge.

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