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Geldanlage Zwischen Aktie und Anleihe – Wandelanleihen bieten „das Beste aus zwei Welten“

In Phasen steigender Zinsen schneiden Wandelanleihen besser ab als andere festverzinsliche Wertpapiere. Doch die Anlageklasse birgt auch Risiken.
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Privatanleger sollten das Risiko streuen. Quelle: Tim Wegner/laif
Handelssaal in Frankfurt

Privatanleger sollten das Risiko streuen.

(Foto: Tim Wegner/laif)

FrankfurtWenn Mario Draghi am Donnerstag die Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank zur Sitzung in den EZB-Turm lädt, blicken auch Anleiheinvestoren in der ganzen Welt auf Frankfurt. Und was auch immer die EZB-Spitze beschließt – eines scheint gewiss: Das Umfeld für festverzinsliche Wertpapiere trübt sich ein.

Die EZB zieht sich langsam als Käufer für europäische Unternehmensanleihen zurück. In Erwartung steigender Zinsen ziehen auch die Risikoaufschläge für Firmenbonds gegenüber Staatsanleihen an. Die Renditen der Papiere am Markt steigen, ihre Kurse fallen im Gegenzug. In diesem Umfeld schlägt sich vor allem eine Art von festverzinslichen Wertpapieren gut: die Wandelanleihe.

Das zumindest zeigt eine Analyse des US-Fondshauses Franklin Templeton. Alan Muschott, der dort die Anlagestrategie für Wandelanleihen verantwortet, hat die Performance der Anlageklasse mit zehnjährigen US-Staatsanleihen an fünf Wendepunkten der Notenbankpolitik des Landes seit Anfang der 90er-Jahre verglichen.

So zeichnete sich zwischen Ende 2009 und Anfang 2010 ab, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen nach der Finanzkrise nicht weiter senken würde. Während amerikanische Staatsbonds in dem Zeitraum rund fünf Prozent verloren, legten Wandelanleihen um rund 40 Prozent zu. „Im Umfeld steigender Zinsen haben Wandelanleihen die beste Performance unter allen festverzinslichen Wertpapieren“, sagt Muschott.

Die Papiere profitieren dabei von ihrer speziellen Konstruktion. In der Regel sind Wandelanleihen, ebenso wie klassische Bonds, Schuldverschreibungen, die für einen bestimmten Nennwert fixe Zinszahlungen bieten. Zusätzlich erhalten Anleger das Recht, die Papiere zu vorher festgelegten Bedingungen in Aktien umzuwandeln.

Dieses Wandlungsrecht wird attraktiver, je stärker der zugrunde liegende Aktienkurs steigt. Fällt der Aktienwert dagegen, macht die Wandelanleihe nicht die gesamte Abwärtsbewegung mit. Investoren können das Papier im Depot belassen, die Zinsen kassieren und erhalten nach der Fälligkeit den Nennwert zurück. Nur wenn massive Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Emittenten aufkommen, handeln auch Wandelanleihen mit großen Abschlägen.

Besonderer Kurstreiber in Zeiten der Zinswende sei die Aktienkomponente der Papiere, sagt Fondsmanager Muschott. „Wenn die Zinsen aus den richtigen Gründen steigen, also bei starkem Wirtschaftswachstum und geringer Arbeitslosigkeit, steigen üblicherweise auch die Aktienkurse.“ Gleichzeitig böten die Papiere Absicherung nach unten, falls die steigenden Zinsen den Boom abwürgen. „Wandelanleihen kombinieren das Beste aus zwei Welten“, sagt Muschott.

Auch Stephanie Zwick, Portfoliomanagerin und Chefin des Wandelanleihe-Teams beim Schweizer Vermögensverwalter Fisch Asset Management, sagt: „Ein ganz klarer Vorteil von Wandelanleihen ist das Rendite-Risiko-Profil. Sie bieten eine aktienähnliche Performance bei einem Drittel geringeren Risiko.“

Zudem haben Wandelanleihen im Schnitt eine deutlich kürzere Laufzeit als herkömmliche Unternehmensanleihen. Dadurch sei das Risiko eines Kursverlustes infolge steigender Zinsen geringer, sagt Zwick.

Neuemissionen auf Rekordniveau

Trotz dieser Vorzüge sind Wandelanleihen nach wie vor eine Nische: Weltweit haben Unternehmen Papiere in einem Gesamtvolumen von 450 Milliarden Dollar ausgegeben. Zum Vergleich: Allein US-Unternehmen hatten 2017 Schulden von rund neun Billionen Dollar ausstehen. Doch die Nische wächst kräftig: „Wir erwarten ein Rekordjahr an Neuemissionen“, sagt Zwick. Bis Ende August hätten Unternehmen Wandelanleihen im Wert von 75 Milliarden Dollar auf den Markt gebracht.

Die steigenden Zinsen insbesondere in den USA machen Wandelanleihen auch zu einem beliebten Finanzierungsinstrument für Unternehmen. Denn im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen ist der Zinskupon bei Wandlern niedriger. Die Unternehmen können so ihre Zinslast niedrig halten. Doch auch für Anleger sei der Boom bei Wandelanleihen eine gute Nachricht, sagt Fondsmanagerin Zwick: „Damit die Liquidität im Markt ausreichend ist, ist die Versorgung mit Neuemissionen umso wichtiger.“

Investitionen in Einzeltitel kommen für Privatanleger allerdings nicht infrage. „Für ein Wandelanleiheinvestment ist eine ausführliche Kreditanalyse nötig“, sagt Zwick. Viele kleinere Emittenten würden nicht von den großen Ratingagenturen wie Moody’s, S&P oder Fitch bewertet.

Zudem gebe es unter den Emittenten einen hohen Anteil von Firmen, die nicht in die Gruppe der sogenannten Investmentgrade-Unternehmen mit Topbonität fallen. „Daher empfehle ich Investoren ein Fondsinvestment“, sagt Zwick. Um nicht zusätzlich eine Währungswette einzugehen, sollten Anleger währungsgesicherte Fonds („Euro hedged“) kaufen.

Warnung vor übertriebenen Erwartungen

Die Daten des Analysehauses Morningstar (siehe Tabelle) zeigen, dass die besten Fonds auf drei Jahre stabile Erträge erwirtschaften. Allerdings fällt die Bilanz seit Jahresanfang durchwachsen aus. Hinzu kommt: Wie bei Aktienfonds schaffen es nur wenige aktive Manager, nach Kosten den Vergleichsindex zu schlagen.

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Morningstar-Analyst Ali Masarwah warnt Anleger daher vor übertriebenen Erwartungen: „Wandelanleihen haben viele Merkmale von Hochzinsbonds“, sagt er. Die Kurse vieler Anleihen seien in Zeiten des billigen Geldes stark gestiegen. Auch die Aktienmärkte hätten bereits hohe Bewertungsniveaus erreicht. „In diesem Umfeld fällt es auch vielen auf Wandelanleihen spezialisierten Fonds schwer, einen Mehrwert für ihre Anleger zu erwirtschaften“, sagt Masarwah.

Ein weiteres Risiko sei das geringe Marktvolumen und die damit relativ geringe Liquidität von Wandelanleihen. Wenn viele Anleger ihre Fondsanteile zurückgeben, bestehe die Gefahr, dass auch die Portfoliomanager Papiere mit hohen Abschlägen verkaufen müssten. Das wiederum drückt in Krisenzeiten den Wert der Fondsanteile.

Doch Franklin-Templeton-Manager Muschott beschwichtigt: In der Finanzkrise nach 2008 seien Wandelanleihefonds wegen Liquiditätsproblemen zwar stark unter Druck geraten, räumt er ein. „Aber innerhalb von sechs bis acht Wochen waren diese Liquiditätsprobleme ausgestanden“, erinnert er sich.

Ein Fonds aus dem Verantwortungsbereich von Muschott gehört den Morningstar-Daten zufolge zu den branchenbesten. Der Portfoliomanager erklärt den Erfolg mit seiner Strategie. „Wir setzen auf ausgewogene Wandelanleihen, die 75 Prozent des Aufwärtspotenzials der zugrunde liegenden Aktie abbilden, jedoch nur 50 Prozent des Abwärtspotenzials.“ Bei Unternehmen, deren Aktien bereits extrem stark gestiegen sind, entwickelten sich auch die Wandler praktisch eins zu eins zum Aktienkurs.

Sind die Aktien dagegen abgestürzt, verhalte sich der Preis der Wandelanleihen analog zu einem Bond. „In beiden Fällen verkaufen wir diese Titel“, sagt Muschott. Denn unter diesen Umständen könnten Wandler ihre Stärken nicht mehr ausspielen. Anleger müssen sich also bewusst sein, dass sie sich spezielle Papiere ins Depot legen.

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