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Griechenland Athen vertagt Bond-Emission – und gibt Italien die Schuld

Griechenland muss sich mit der Rückkehr an den Kapitalmarkt noch ein wenig gedulden. Aber zu lange will Finanzminister Tsakalotos nicht warten.
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Die Rückkehr an die Kapitalmärkte gestaltet sich holprig. Quelle: dpa
Griechenland

Die Rückkehr an die Kapitalmärkte gestaltet sich holprig.

(Foto: dpa)

AthenGriechenlands Ausstieg aus dem Hilfsprogramm verläuft holpriger als erwartet. Am 6. August 2018 hatte der Euro-Stabilitätsfonds ESM die letzte Kreditrate von 15 Milliarden Euro nach Athen überwiesen. Zwei Wochen später wurde das Griechenland-Programm offiziell beendet.

Einen Zugang zum Kapitalmarkt hat das Land aber noch nicht, jedenfalls nicht zu vertretbaren Konditionen. Die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe lag am Donnerstag bei 4,18 Prozent. Der Spread zur Bundesanleihe betrug 3,80 Prozent.

Die hohe Risikoprämie spiegelt vor allem den Haushaltsstreit Italiens mit der EU-Kommission wider, glaubt Griechenlands Finanzminister Euklid Tsakalotos. Dadurch werde die geplante Rückkehr seines Landes an die Anleihemärkte „etwas erschwert“. Die Regierung stehe aber nicht unter Zeitdruck.

Tatsächlich braucht Athen unmittelbar kein frisches Geld. Tsakalotos verfügt über einen aus eigenen Mitteln und Hilfskrediten gebildeten Liquiditätspuffer, der Griechenlands Refinanzierung notfalls bis zum Sommer 2020 sichert. Die Rücklage beläuft sich auf etwa 24 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr benötigt Griechenland für den Schuldendienst 15,8 Milliarden Euro, 2020 werden für Tilgungen und Zinsen 7,9 Milliarden fällig.

„Es ist angenehm für uns, dass wir warten können, aber das bedeutet nicht, dass wir den Schritt an den Markt nicht machen, wenn die Zeit reif ist“, sagte Tsakalotos. Hinsichtlich eines möglichen Emissionstermins will sich der Finanzminister aber nicht festlegen: „Ich glaube, die Zeit wird mittelfristig dafür reif sein.“

Ähnlich sieht es Klaus Regling, der Chef des Euro-Stabilitätsfonds ESM. Griechenland brauche dank der Rücklage „im Extremfall“ zwei Jahre lang nicht an den Markt zu gehen, sagte Regling kürzlich vor Journalisten. Der ESM-Chef unterstrich aber, die Rückkehr an den Markt solle nicht erst nach zwei Jahren erfolgen, sondern müsse „ein allmählicher Prozess“ sein. Der ESM stehe in engem Kontakt mit der griechischen Schuldenagentur PDMA, sagte Regling. „Sie sehen sich das an, sie sind sehr professionell, und ich bin sicher, sie werden das Richtige tun.“

Kein Marktgang mehr in diesem Jahr

An den Finanzmärkten wurde schon vor geraumer Zeit damit gerechnet, dass Griechenland in diesem Jahr die Ausgabe einer zehnjährigen Staatsanleihe erwägt. Es wäre das erste Papier dieser Laufzeit seit Ausbruch der Krise 2010. Seither ging das Land dreimal mit kleineren Emissionen kürzer laufender Anleihen an den Markt. Zuletzt testete Athen das Interesse der Anleger im Februar mit einem siebenjährigen Bond über drei Milliarden Euro. Der Kupon liegt bei 3,375 Prozent, die Emissionsrendite betrug 3,5 Prozent.

Fest steht inzwischen: Anders als ursprünglich erwartet, wird es in diesem Jahr keinen Marktgang mehr geben. Im Dezember werde die staatliche Schuldenagentur einen Emissionskalender für 2019 bekanntgeben, kündigte Finanzminister Tsakalotos an. Inoffiziell heißt es, Athen wolle im kommenden Jahr rund sieben Milliarden Euro aufnehmen.

Einen Teil des Geldes möchte der Finanzminister dazu verwenden, Kredite des Internationalen Währungsfonds vorzeitig zurückzuzahlen. Neue Schulden will Tsakalotos im nächsten Jahr nicht machen, um die Schuldenquote zu drücken. Das soll die Bonität des Landes heben.

Bislang bewerten die drei großen Ratingagenturen griechische Anleihen deutlich unter der Schwelle der investitionswürdigen Papiere. Moody’s beließ im September das Rating bei B3. Damit liegt Griechenland noch drei Stufen tief im Ramschbereich.

Angesichts der Skepsis, die dem Land am Kapitalmarkt entgegenschlägt, gibt es nun in Athen offenbar Überlegungen, eine Anleihe direkt zu platzieren.

Als Abnehmer sind die vier systemischen Banken ausersehen, die angeblich nicht abgeneigt sein sollen. Ein Banker spricht von einer Win-win-Situation: Der Staat könne so zu etwas günstigeren Konditionen Geld aufnehmen, und die Banken bekämen dringend benötigte Zinseinnahmen. Vorerst seien das allerdings nur „Gedankenspiele“, sagt eine Person, die mit dem Stand der Diskussion vertraut ist. In jedem Fall müsste die Europäische Zentralbank (EZB) zustimmen.

Sie deckelte 2015 den Bestand an Staatsanleihen, den die griechischen Banken halten dürfen. Derzeit beläuft er sich auf sechs bis sieben Milliarden Euro. Ob die EZB einer Erhöhung zustimmt, ist aber fraglich. Schließlich waren es die hohen Bestände an griechischen Bonds, die beim Schuldenschnitt von 2012 den Banken in Griechenland und Zypern zum Verhängnis wurden. In Zypern kam es zu einem Bail-in der Einleger und der Abwicklung der zweitgrößten Bank, die griechischen Geldinstitute mussten in der Folge dreimal rekapitalisiert werden.

Kreditrisiken belasten Glaubwürdigkeit

Nicht zuletzt die schwierige Lage der Banken, die infolge der Krise mit immensen Kreditrisiken konfrontiert sind, belastet die Kreditwürdigkeit Griechenlands. Auch das schwächer als erwartet ausfallende Wirtschaftswachstum drückt die Stimmung. Hinzu kommen Sorgen über die politische Stabilität und den Reformwillen der von Ministerpräsident Alexis Tsipras geführten Regierungskoalition.

Dabei hatte das Jahr gut begonnen. Im Januar war die Rendite des zehnjährigen Bonds auf 3,65 Prozent gefallen, den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Rückblickend könnte sich die Schuldenagentur PDMA ärgern, damals zu diesen relativ günstigen Konditionen kein neues Papier am Markt platziert zu haben. Seither ist die Rendite nicht mehr dauerhaft unter vier Prozent gefallen.

Und das wird sie auch so bald nicht, glaubt man den Analysten der Citigroup. Sie erwarten, dass griechische Anleihen mindestens bis 2022 im Ramschbereich bleiben. Für 2019 erwarten sie für den Zehnjahresbond einen Anstieg der Rendite auf 4,76 Prozent, 2020 soll sie laut Prognose der Citigroup bei 4,36 Prozent liegen.

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