Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Griechenland Athens beschwerliche Rückkehr an den Kapitalmarkt

Premier Alexis Tsipras feiert das Ende der Hilfsprogramme als „Erlösung“. Auf die Absolution der Finanzmärkte muss das Land allerdings noch warten.
Kommentieren
Von der erhofften Rückkehr an den Kapitalmarkt ist Griechenland noch ein gutes Stück entfernt. Quelle: dpa
Griechenland

Von der erhofften Rückkehr an den Kapitalmarkt ist Griechenland noch ein gutes Stück entfernt.

(Foto: dpa)

AthenEin „Fass ohne Boden“? Ein Schelm, wer dabei an Griechenland denkt. Zum offiziellen Abschluss der Staatsrettung kommt eine Erfolgsmeldung aus Athen: Das vor drei Jahren geschnürte dritte Hilfspaket wurde gar nicht in vollem Umfang benötigt. Von 86 zur Verfügung stehenden Milliarden Euro rief die Athener Regierung nur 61,9 Milliarden Euro ab.

Es blieb sogar noch Geld für die hohe Kante übrig: Von der letzten Kreditrate über 15 Milliarden Euro, die jetzt in Athen einging, flossen zwei Drittel in einen Liquiditätspuffer. Diese aus Hilfsgeldern und eigenen Mitteln gebildete Reserve von insgesamt 24 Milliarden Euro soll es Griechenland ermöglichen, sich notfalls über die nächsten 22 Monate zu refinanzieren, ohne am Markt frisches Geld aufnehmen zu müssen.

Zumindest vorerst wird der Athener Finanzminister von dieser Rücklage allerdings auch zehren müssen. Denn von der erhofften Rückkehr an den Kapitalmarkt ist Griechenland noch ein gutes Stück entfernt. Am Montag lag die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe bei 4,19 Prozent.

Zum Vergleich: Für die Zehnjahrespapiere Portugals bekommen die Anleger 1,83 Prozent, für spanische zehnjährige Bonds 1,42 Prozent. Im Kreis der fünf Euro-Staaten, die seit 2010 Hilfsprogramme in Anspruch nehmen mussten, ist Griechenland immer noch ein Sonderfall. Hellas blieb mehr als acht Jahre unter dem Euro-Rettungsschirm, die anderen vier Länder höchstens drei Jahre. Die Griechenlandrettung verschlang mehr als die Hilfsprogramme für alle anderen Länder zusammen. Und kein Euro-Staat ist gemessen an seiner Wirtschaftsleistung höher verschuldet.

Das spiegelt sich auch in den Bonitätsbewertungen. Die Ratingagentur Fitch setzte Griechenlands Kreditwürdigkeit zwar vor zwei Wochen um zwei Stufen herauf. Mit der Bewertung BB- liegen die Staatsanleihen bei Fitch aber weiterhin im Ramschbereich, drei Stufen unter der Schwelle der investitionswürdigen Papiere.

Bei Standard & Poor’s trennen Griechenland sogar noch vier Stufen vom begehrten Investmentgrade. Die Agentur Moody’s will am 21. September Griechenland neu bewerten. Analysten erwarten eine Heraufstufung auf B2 und einen „positiven Ausblick“. Von da wären es aber immerhin noch fünf Schritte in die erste Liga.

Wie weit der Weg noch ist, zeigen die Beispiele der anderen Euro-Problemländer. Zypern beendete sein Programm vorzeitig 2016, steckt aber immer noch in der Schrottliga. Portugal konnte 2014 den Rettungsschirm verlassen, musste aber bis 2017 auf die Rückkehr in die Kategorie investitionswürdiger Schuldner warten. Die Analysten der Citigroup äußern in ihrem jüngsten Strategiepapier zur globalen Wirtschaftsentwicklung die Einschätzung, dass Griechenland frühestens in vier Jahren das Prädikat „investitionswürdig“ erlangen kann.

Bis dahin werden sich die Anleger Engagements in griechischen Schuldpapieren mit hohen Risikozuschlägen honorieren lassen. Zumal das Land immer noch sehr empfindlich auf äußere Schocks reagiert. Das zeigte sich in diesem Jahr.

Noch im Januar schien Athen auf einem guten Weg. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe erreichte mit 3,64 Prozent den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren, fiel also noch unter das Vorkrisenniveau. Aber die globalen Finanzmarktturbulenzen im Februar brachten die Kurse unter Druck.

Dann kamen die politischen Wirren in Italien. Athen musste Pläne, den Markt im Mai mit der Emission einer zehnjährigen Anleihe zu testen, zurückstellen. Nun kommt die Währungskrise in der benachbarten Türkei als Belastung hinzu. Sie trifft nicht nur die griechischen Exporteure. Für sie ist die Türkei der viertwichtigste Absatzmarkt. Griechenland spürt den Strudel der Lira-Krise auch am Bondmarkt, weil es, wie die Türkei, als Schwellenmarkt gilt.

Marktbeobachter erwarteten ursprünglich für September einen Marktgang. Aber weder der Krisenherd am Bosporus noch die politischen Stürme in Rom werden sich so schnell beruhigen. Finanzmarktexperten in Athen rechnen deshalb nicht mehr damit, dass sich Griechenland in diesem Jahr überhaupt noch an eine Emission herantraut.

Die Regierung und die Strategen der staatlichen Schuldenagentur PDMA stecken in einem Dilemma. Ursprünglich hatte Premierminister Tsipras gehofft, den Ausstieg aus den Hilfsprogrammen mit einer erfolgreichen Bondplatzierung zu krönen, möglichst noch vor dem offiziellen Abschluss im August. Aber daraus wurde nichts.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt müsste Athen nach Einschätzung von Finanzmarktexperten den Anlegern für ein Zehnjahrespapier eine Rendite von deutlich über 4,5 Prozent anbieten. Das wäre ein teurer Test – zumal Athen aktuell kein frisches Geld benötigt. Anderseits darf die Schuldenagentur nicht allzu lange warten.

Je länger der Athener Finanzminister seine Refinanzierung aus der Rücklage bestreitet, desto mehr schmilzt sie zusammen. Griechenland muss deshalb möglichst bald mit Test-Emissionen das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen und so die nachhaltige Rückkehr an den Kapitalmarkt ebnen.

Ob das gelingt, hängt von äußeren Faktoren ab, die Athen kaum beeinflussen kann, aber auch von der künftigen Regierungspolitik. Der Athener Zentralbankchef Yannis Stournaras warnte jetzt vor „internationalen Turbulenzen, wie in Italien oder der Türkei“, die es Griechenland erschweren könnten, die Märkte anzuzapfen. Umso wichtiger seien positive Signale in der Fiskalpolitik und bei den Strukturreformen, mahnt der Notenbanker.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Griechenland - Athens beschwerliche Rückkehr an den Kapitalmarkt

0 Kommentare zu "Griechenland: Athens beschwerliche Rückkehr an den Kapitalmarkt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.