Griechenland Zehnjährige Anleihe im Gespräch – Athen plant Rückkehr an den Bondmarkt

Griechenland will wieder eigene Anleihen ausgeben. Über den geeigneten Zeitpunkt sind die Meinungen geteilt – doch allzu lange darf das Land nicht warten.
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Die Hilfsprogramme enden, nun muss das Land auf den Kapitalmarkt zurück. Quelle: imago/Pacific Press Agency
Griechische Flagge vor der Akropolis

Die Hilfsprogramme enden, nun muss das Land auf den Kapitalmarkt zurück.

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

AthenMehr als acht Jahre lang hielt sich Griechenland mit Kapitalspritzen der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über Wasser. In fünf Wochen enden die Hilfsprogramme. Dann muss sich das Land wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Athen hat zwar keinen unmittelbaren Geldbedarf. Dank eines Liquiditätspuffers von rund 24 Milliarden Euro ist das Land bis Mitte 2022 durchfinanziert. Aber alle Experten sind sich einig: So lange darf Athen nicht warten. Das Land muss mit Testemissionen Vertrauen am Markt aufbauen.

Die staatliche Schuldenagentur PDMA will demnächst die Stimmung der Anleger testen. Im Gespräch ist die Emission einer zehnjährigen Anleihe. Auch die anderen vier Euro-Problemländer haben zehnjährige Bonds zum Abschluss ihrer Programme begeben, teils sogar Monate vor dem Ausstieg.

Wenn es Griechenland gelänge, noch vor dem Ende des Programms am 20. August einen Bond zu vertretbaren Konditionen zu platzieren, wäre das ein großer Erfolg. Premierminister Alexis Tsipras könnte ihn als Beleg für einen „sauberen Ausstieg“ aus dem Hilfsprogramm verbuchen.

Zuletzt hat Griechenland den Markt im Februar mit einem siebenjährigen Bond getestet. Allerdings erwarten die Anleger immer noch hohe Risikoprämien. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe liegt aktuell bei 3,85 Prozent. Das ist zwar nur halb so viel wie vor zwei Jahren, aber dreimal mehr als zum Beispiel Spanien den Anlegern bezahlt.

Schwächstes Mitglied der Währungsunion

Griechenland gilt als schwächstes Glied der Währungsunion. Das Land reagiert deshalb besonders empfindlich auf Turbulenzen im Euro-Raum wie die Italien-Krise im Frühsommer. Sie trieb die Rendite des griechischen Zehnjahrespapiers auf fast fünf Prozent.

Finanzminister Euklid Tsakalotos persönlich wirbt jetzt um Vertrauen. Er reiste vergangene Woche zu Roadshows nach New York und Boston. Anfang September will Tsakalotos Investoren in Asien treffen. Dass sich die Schuldenagentur PDMA vorher an den Markt wagt, ist unwahrscheinlich.

Bei einem Treffen in London Anfang Juli hätten mehrere institutionelle Anleger den angereisten PDMA-Vertretern geraten abzuwarten, bis sich der Markt weiter stabilisiere, berichten Insider.

Dagegen argumentiert der Bloomberg-Kolumnist Marcus Ashworth, Athen solle trotz der relativ hohen Renditen die Emission nicht länger hinauszögern. „Zu warten zahlt sich nicht aus“, meint Ashworth, denn im Herbst, wenn in Rom die Haushaltsberatungen anstehen, könnten die Italien-Sorgen zurückkehren.

Dass die Anleger durchaus Appetit auf griechische Schuldpapiere haben, zeigt das Beispiel Hellenic Telecom (OTE). Der Konzern, der zu 45 Prozent im Besitz der Deutschen Telekom ist, sammelte vergangene Woche mit einem vierjährigen Bond 400 Millionen Euro ein. Das Papier hat einen Kupon von 2,375 Prozent und war fünffach überzeichnet – Konditionen, auf die man bei der staatlichen Schuldenagentur neidisch sein kann.

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