Hedge-Fonds-Strategie Eine riskante Wette

Hedge-Fonds sind für ihre ausgetüftelten Strategien bekannt. Und im Moment gibt es ein Spiel, das die Geld-Jongleure besonders gerne spielen. Es ist hochriskant, allerdings auch äußerst lukrativ.
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Händler an der Börse in Chicago. Quelle: ap

Händler an der Börse in Chicago.

(Foto: ap)

Den geplanten Rückkauf griechischer Staatsanleihen könnten Hedgefonds als Einladung zum Pokerspiel verstehen. Denn wenn es Griechenland gelingt, seine Schulden zu verringern, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts und steigt der Wert der Anleihen. Das gilt dann auch für jene Papiere, die Hedge-Fonds vor Monaten zu einem Preis gekauft haben, der sich schon jetzt als Schnäppchen herausstellt.
Der Kreis der Spieler ist exklusiv. Denn nicht alle können mitpokern. Vor allem die griechischen Banken dürften noch viele Anleihen ihres eigenen Staates in den Portfolios haben - und zwar auch teuer eingekaufte. Für diese Institute könnte das Angebot, wenn sie es annehmen, die Verluste noch vergrößern.

"Man kann auch eine Münze werfen und damit Geld machen", sagt Richard Cookson, der für die Citi Private Bank das globale Investmentgeschäft verantwortet. "Aber anders als für Hedgefonds ist das für uns schwer zu spielen." Auch den griechischen Banken drohen Verluste, die ihre Aktionäre offenbar nicht tragen wollen. Den zweiten Tag hintereinander brach an der Athener Börse der lokale Banken-Index ein - um zeitweise über neun Prozent.
Für die Hedgefonds Third Point oder Dromeus Capital könnte die Rechnung dagegen aufgehen. Denn die haben griechische Anleihen in großem Stil gekauft, als sie weit weniger wert waren. Für sie ist nun die große Frage, ob sie das Angebot der griechischen Regierung annehmen sollen. "Das ist wie ein Pokerspiel. Zuerst muss man verstehen, was alle anderen machen", sagt Achilles Risvas, Chef von Dromeus Capital. Abhängig davon könnten die Anleihepreise im nachhinein wieder anziehen und für seinen Fonds noch profitabler werden. Deshalb könnte es sich lohnen abzuwarten und auf einen höheren Preis zu hoffen.

Ziel des Rückkaufprogramms ist es, dazu beizutragen, bis 2020 die Gesamtverschuldung Griechenlands auf 124 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken. Aktuell liegt sie bei gut 170 Prozent. Entscheidend für den Erfolg des Rückkaufprogramms ist daher, wie viele private Anleger eben nicht zocken und das Angebot der Griechen annehmen werden.

"Ich versuche, aus 15 Cent einen Dollar zu machen"
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7 Kommentare zu "Hedge-Fonds-Strategie: Wie man aus wenig viel Geld macht"

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  • Wir müssen uns um die Hedgefonds keine Sorgen machen, die werden gegen die Politiker immer gewinnen und ihren Schnitt machen. Sorgen machen müssen wir uns um unsere Steuergroschen, die werden dort nämlich gerade ausgegeben. Die schwarz-gelb-grün-rote Koalition holt sich wieder ein paar Monate Aufschub, bis zum nächsten Auszahltag. Sie gehört abgewählt.

  • @Hotzenplotz

    Sicher? In GR-Anleihen?

    Geht es Ihnen speziell um die Vergemeinschaftung der Risiken Ihres GR-Anlagegeschäfts oder wollten Sie auch die Gewinne aus anderen Geschäften mit uns teilen? Sie müssen das nicht auf GR begrenzen - wir nehmen auch gern Gewinne aus anderen Ländern oder von Unternehmen!

  • Ich denke, es ist sehr gewagt, einen Preis von 35 Cent pro 1 Euro Schulden für „nicht überzeugend“ zu halten.
    Kennt der Herr die Griechen? Weiß er, wie knapp sich die derzeitige Koalitions-Regierung im Amt hält? GR ist gerade jetzt wie ein hin- und her wabernder Gas-Ballon, an den von allen Seiten Lunten herangereicht werden. DASS es zu einer „Explosion“ kommt, scheint sicher. Nur der genaue Auslöser ist noch unbekannt. Dann werden 35 Cent ziemlich viel sein.

  • Was ist mit den Kleinanlegern, die ihr sauer erarbeitetes Geld nur 'sicher' anlegen wollten? Und das sind eben mit nichten nur Griechen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette


  • Das ganze ist nichts anderes als eine Wette auf die Dummheit der Euro-Rettungspolitik.

    Und diese Dummheit ist bereits erwiesen.

  • Letztlich ermöglicht der EFSF bzw. die Steuerzahler den Hedgefonds diese Spekulationsgewinne. Eine "sauberere" Lösung wäre ein 100% Schuldenschnitt aller GR-Anleihen, die sich nicht in öffentlichen Händen (EZB...) befinden. Die GR-Banken müssten dann natürlich sofort rekapitalisiert werden, damit das GR-Finanzsystem nicht zusammenbricht. Eine richtig saubere Lösung ist das daher auch nicht.

    Im Grunde sind das alles Taschenspielertricks, die die Situation nur verschlimmern. Es ist Insolvenzverschleppung in Reinform. Ich fürchte nur, dass die Politiker dafür niemals in Rechenschaft gezogen werden, da sie sich auf Parlamentsbeschlüsse berufen können.

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