Euro-Münzen

Neben der zyprischen Euro-Münze (r.) die Münzen von Portugal, Irland und Griechenland. Alles Länder, für die ein Euro-Rettungsprogramm aufgelegt werden musste.

(Foto: dpa)

Hochstufung durch Ratingagentur S&P Zypern spielt am Kapitalmarkt wieder in der ersten Liga

Nach sechseinhalb Jahren in der Ramschliga gelten die Staatsanleihen der Inselrepublik wieder als „investitionswürdig“. Wie Zypern das – im Gegensatz zu Griechenland – so schnell geschafft hat.
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AthenEine gute Nachricht für Zypern kam zum Ende der Woche aus New York: Die Staatsanleihen der Inselrepublik gelten den Analysten der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) jetzt wieder als „investitionswürdig“.

Damit ist Zypern nach der schweren Finanzkrise von 2013 am Kapitalmarkt gewissermaßen rehabilitiert. Das Upgrade dürfte die Kreditaufnahme des Landes verbilligen. Sorgenfrei ist die Insel aber nicht.

S&P war die erste Ratingagentur, die im Januar 2012 die Kreditwürdigkeit Zyperns in die Kategorie „nicht investitionswürdig“ herabstufte. Wenige Wochen später geriet Zypern in den Strudel der griechischen Schuldenkrise.

Im Frühjahr 2013 stellten die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) Hilfskredite von zehn Milliarden bereit, um Zypern vor dem drohenden Staatsbankrott zu bewahren.

Jetzt ist es wieder S&P, die als erste Agentur das Rating des Landes in den grünen Bereich auf BBB- anhebt. Damit gelten zyprische Schuldpapiere nicht mehr als spekulative sondern als „durchschnittlich gute Anlage“. Das Land rückt am Kapitalmarkt aus der Ramschkategorie wieder in die erste Liga auf.

Die Heraufstufung bestätige „das besonnene Krisenmanagement, dem wir gefolgt sind und weiter folgen werden“, kommentierte der dieses Jahr wiedergewählte Staatspräsident Nikos Anastasiades auf Twitter. Finanzminister Harris Georgiades erklärte: „Die Wachstumsperspektiven verbessern sich weiter. Die schwierigen Entscheidungen, die wir treffen mussten, tragen Früchte.“

Das Upgrade spiegelt die erstaunlichen Fortschritte, die Zypern bei der Bewältigung der Krise gemacht hat. Während das benachbarte Griechenland erst nach acht Jahren den Euro-Rettungsschirm verlassen konnte und immer noch keinen Marktzugang hat, beendete Zypern das Anpassungsprogramm in weniger als drei Jahren. Von den bereitgestellten zehn Milliarden Euro nahm das Land nur 7,3 Milliarden in Anspruch.

Heute gilt Zypern als Paradebeispiel einer gelungenen Rettung. Anders als die Regierungen in Athen, machten sich die Politiker in Nikosia das Reformprogramm zu Eigen.

Die Bereitschaft zum politischen Konsens ist in Zypern höher entwickelt als in Griechenland. Das, wie auch die überschaubare Größe der zyprischen Volkswirtschaft, erleichterte dem konservativen Staatschef Anastasiades die Umsetzung der Strukturreformen.

Als Glückfall erwies sich die Berufung des in England ausgebildeten Ökonomen Charis Georgiades zum Finanzminister. Anders als sein griechischer Kollege Euklid Tsakalotos, der mit immer neuen Steuererhöhungen die rezessionsgeplagte Wirtschaft zusätzlich strangulierte, setzte er bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen auf Einsparungen.

Was passierte mit dem Geld aus der Griechenland-Rettung?

Inzwischen glänzt Zypern mit soliden Haushaltsüberschüssen: Nachdem Georgiades im vergangenen Jahr ein Plus von 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftete, sollen es in diesem Jahr zwei Prozent sein.

Die Arbeitslosenquote hat sich seit dem Krisenjahr 2013 von 17 Prozent auf rund acht Prozent mehr als halbiert. Beim Wirtschaftswachstum liegt Zypern in der Spitzengruppe der EU-Staaten: Im vergangenen Jahr legte das BIP 3,9 Prozent zu, für 2018 setzt die zyprische Zentralbank einen Zuwachs von 4,1 Prozent an.

S&P begründet die Heraufstufung und den „stabilen“ Ausblick nicht zuletzt mit den guten Wachstumsaussichten, die in den nächsten Jahren Haushaltsüberschüsse ermöglichen und den Schuldenabbau begünstigen sollen.

Allerdings hat die zyprische Wirtschaft noch erhebliche Schwächen. Sie ist nicht genügend diversifiziert. Wachstumsmotoren sind vor allem der Tourismus und die Bauwirtschaft. Anlass zur Besorgnis gibt auch die hohe Verschuldung des Privatsektors. Sie liegt mit 240 Prozent des BIP fast doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt.

Ein weiterer Schwachpunkt, der mit der hohen Verschuldung des Privatsektors zusammenhängt, sind die Kreditrisiken der zyprischen Banken. Nach Angaben der zyprischen Zentralbank wurden im Mai – neuere Daten liegen noch nicht vor – knapp 43 Prozent aller ausgereichten Darlehen nicht mehr bedient oder galten als akut ausfallgefährdet.

Die Summe dieser Risiko-Kredite entspricht mit knapp 20 Milliarden Euro fast 90 Prozent des BIP. Das ist die mit Abstand höchste Quote aller Euro-Staaten. Die hohen Bestände fauler Kredite belasten die Bilanzen der Banken, deren Betriebsgewinne bislang in die Risikovorsorge für die notleidenden Darlehen fließen. Knapp die Hälfte der Problemkredite ist durch Rückstellungen gedeckt.

Mit der jetzt angelaufenen Konsolidierung der Cyprus Cooperative Bank (Cyprus Coop), des zweitgrößten Geldinstituts der Insel, wird es aber bei den Problemkrediten eine Bereinigung geben: Einige Aktiva und die Einlagen der Bank gehen an die Hellenic Bank, bisher das drittgrößte Geldinstitut der Insel.

Die faulen Kredite, die bei der Cyprus Coop rund 60 Prozent der ausgereichten Darlehen ausmachen, werden einer Bad Bank, einer Verwertungsgesellschaft übertragen und damit aus dem zyprischen Bankensystem entfernt. Außerdem kündigte die Bank of Cyprus, das größte Geldinstitut der Insel, Ende August den Verkauf von notleidenden Darlehen im Volumen von 2,8 Milliarden Euro an. Die Quote der Problemkredite wird dadurch auf etwa 30 Prozent sinken, veranschlagt die Ratingagentur S&P.

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