Investor im Interview „Deutschland hat eine Pflicht gegenüber Europa“

Was halten Investoren von der Europawahl? John Beck von Franklin Templeton fürchtet nicht das Erstarken der Rechten. Allerdings könnte sich der Druck auf die EZB erhöhen. Auch die Deutschen müssen ihren Beitrag leisten.
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Ob Zinsersparnis, Exportüberschuss oder niedrige Inflation: Jeder Vorteil hat auch eine riskante Kehrseite.

Ob Zinsersparnis, Exportüberschuss oder niedrige Inflation: Jeder Vorteil hat auch eine riskante Kehrseite.

John Beck spricht für gewöhnlich in feinstem Oxford-Englisch. Aber der Anleiheexperte aus London spricht auch gut Deutsch: Er hat mehrere Jahre in Düsseldorf gelebt, sein Vater stammt aus Deutschland. Der Brite glaubt an die Zukunft Europas – wenn die Europäer zu einer politischen Union bereit sind.

John Beck: Der Anleihestratege ist Director of Fixed Income bei Franklin Templeton in London. Quelle: PR

John Beck: Der Anleihestratege ist Director of Fixed Income bei Franklin Templeton in London.

(Foto: PR)

Bei den Europawahlen haben die Euro-Kritiker viele Stimmen gewonnen. Was bedeutet das für Sie als Investor?
Wir haben damit gerechnet, dass es viele Protestwähler geben wird, nicht nur für die Alternative für Deutschland, sondern auch für die UKIP in Großbritannien und die Front National in Frankreich. Eine Überraschung ist das nicht.

Welches Signal geht davon aus?
Der Ausgang der Wahl in Großbritannien und Frankreich zeigt, dass die Menschen mit der wirtschaftlichen Situation in ihren Ländern unzufrieden sind. Das ist ein klares Signal an die europäische Politik – und wahrscheinlich auch an die Europäische Zentralbank –, mehr Wachstum in Europa zu schaffen.

Der politische Wille, die Währungsunion zu erhalten, war bislang groß. Wie sehr kann man sich noch darauf verlassen?
Dieser Wille bleibt stark. Durch die Wahlen hat sich daran nichts geändert. Die Botschaft dieser Wahl lautet aus meiner Sicht nicht, dass man die EU oder den Euro abschaffen will. 

Manche sehen in EZB-Präsident Mario Draghi den Einzigen, der den Euro zusammenhalten kann. Wird es künftig noch stärker auf ihn ankommen?
Ich bin mir sicher, dass sich Mario Dragi selbst nicht so sieht. Es könnte allerdings sein, dass die Notenbank künftig stärker unter Druck von außen geraten wird, etwas für das Wachstum in Europa zu tun.

Unter politischen Druck?
Möglicherweise. Solange die Inflation niedrig bleibt, kann es sich die EZB durchaus leisten, etwas mehr Risiken einzugehen.

Draghi und andere führende Währungshüter haben durchblicken lassen, dass sie bei der nächsten Ratssitzung am 5. Juni handeln werden. Was könnte das heißen?
Ich versuche das gar nicht erst zu erraten. Es bringt nichts, vorherzusagen, was genau an einem bestimmten Tag passieren wird. Die Richtung ist allerdings klar.

Und die wäre?
Die Inflationsrate in der Euro-Zone liegt bei 0,7 Prozent und droht weiter zu fallen. Die EZB muss handeln, um die Gefahr einer Deflation abzuwenden. Sonst droht der Euro-Zone eine dauerhafte Krise wie in Japan.

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46 Kommentare zu "Investor im Interview: „Deutschland hat eine Pflicht gegenüber Europa“"

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  • Es sind eben hier Empfehlungen des Weiterwurstelns auf der Basis falscher ökonomischer und politischer Entscheidungen bis zum Zusammenbruch - Helfen würde nur eine deutliche Analyse und ein Eingeständnis bisheriger unsauberer Arbeit. Aber das war ja in Europa bisher schon immer so und hat auch zu mehreren Zusammenbrüchen geführt, warum also nicht ein Weiterer? Und was uns "kleinen Leute" betrifft, gilt noch immer der Spruch von Horaz aus dem 2. vorchristlichen Jahrhundert: Das Volk büßt, was die Könige tun; das gilt offensichtlich auch dann noch, wenn die Könige abwählbar sind.

  • Nein, der Deutsche ist doof und ignorant, der muss erst wieder nackig vor Ruinen stehen bevor der was merkt. Schauen Sie doch nur mal auf die Wahlergebnisse, Ihre Hoffnung ist nicht gerechtfertigt, die Deutschen werden Schritt für Schritt noch viel mehr Zumutungen hinnehmen. Die Deutschen sind nur noch feiger gerontologischer Abschaum und zu jeder Anpassung bereit, selbst die in der Minderheit befindende rückgratlose Jugend!

    Für die Obrigkeit und seine komfortable Bequemlichkeit wird die Zukunft nachfolgender Generationen verpfändet, nur er allein zählt. Die eigene Pampas muss noch bezahlbar bleiben, damit man bloß nicht im Feuchten liegen muss, alles andere wird dem gnadenlos untergeordnet, nach dem Motto - nach mir die Sintflut. Die Konservativen sind dabei die Dümmsten, die laufen dem Versprechen der Volksgemeinschaft, welche schon längst auf dem Altar des Kapitals und der modernistischen Multikultur geopfert wurde, stoisch und blind hinterher. Wir sehen alle der Vernichtung der kleinsten Keimzelle unserer Gemeinschaft ungerührt zu und wir glauben als Mehrheit den verlogenen Sonntagsreden unserer Politiker wie wichtig die Familie angeblich in unserem Staat ist. Wir hören diese Worte und glauben sie, obwohl wir in der Realität etwas ganz anderes sehen, nämlich den uneingeschränkten Götzendienst an unserem Großkapital und unseren Feudalherren. Jede Art der Gemeinschaft ihrer Untertanen ist ihnen ein Gräuel, sie dulden allenfalls nur labile und rudimentäre Gemeinschaften ihrer Untertanen, darum auch die Verherrlichung der Multikultur. Die Multikultur lässt sich nämlich nach Belieben unterteilen oder in Fraktionen aufteilen und beherrschen, zur Not sogar sich selbst vernichten, bevor sie gemeinsam gegen feudale Strukturen vorgeht. Immer neuer Nachschub an armer Multikultur bereichert vor allem den Kapitalstock der Feudalherren und fragile Staaten und aufgesplitterte Bevölkerungsgruppen lassen sich am besten von der Elite lenken.
    Das sagt ein autochthoner Deutscher.

  • "Umgekehrt kann es sich Deutschland leisten, einen Teil der Schuldenlast stärker verschuldeter Mitgliedstaaten zu übernehmen."
    Unsere an Selbstüberschätzung erkrankte politische Führung
    sieht das sicher so.
    Die Tatsachen sind aber andere:
    min.5 Billionen Staatsschulden
    eine immer weiter vergammelnde Infrastruktur
    ca.5 Mio Arbeitslose
    Renten am Existenzminimum und darunter
    Kinderarmut
    ca. 1Billion Risiken im Rahmen der Eurorettung
    Plünderung unserer Altersvorsorge durch die Draghi-Eurorettung
    ein immer schlechter funktionierendes Gesundheitswesen
    von vielen Bürgern nicht mehr bezahlbare Energiepreise
    usw.

    Jetzt ist die Wahl gerade vorbei. Wetten, wir werden bald neue Rettungspakete, Schuldenschnitte, verdeckte Steuererhöhungen uvm. erleben. Auch wenn es sich unsere politische Führung noch nicht vorstellen kann- irgend wann platzt uns der Kragen!

  • (ref. TomXXX) ... und jetzt kommst noch dicker mit TTIP: Investoren sollen gegen Staaten klagen können, wenn die Rendite nicht stimmt. Das ist die Krönung. Und verhandelt wird... im Hinterzimmer.

  • wenn das so ist, warum kollabiert dann die englische- und französische Wirtschaft?

  • wenn das so ist, warum kollabiert dann die englische- und französische Wirtschaft?

  • Naja... die deutsche Einheit dürfte inzwischen nicht mehr der Grund für den Geldstrom sein, sondern mehr so der Anlass.

  • Die meisten Deutschen wedeln immer noch freudig entrückt mit ihrem EU-Fetisch und bevor ihnen nicht alles abgenommen wird bleibt das auch so. Merkel und ihre deutschen Systemparteien können also noch genügend Zugeständnisse an den Süden und die Banken machen. Die feudalen EU-Konformisten unter der Führung Merkels sind allerdings selbst Getriebene ihrer Angst und Not, sie brauchen die Flucht in mehr EU und benötigen dafür die Entmündigung der Nationalstaaten und aller EU-Bürger. Der Deal an den Süden lautet also, Geld und damit Linderung der Suchtschmerzen auf Dauer für Unmündigkeit, die Deutschen und andere sind so doof, sie werden zahlen und werden unmündig, sie werden weniger als Knechte. Die Briten haben jetzt schon die Faxen dick und bekommen mal wieder ihr “Extrawürstchen gebraten“ oder sie sind weg. Die Franzosen brauchen mehr Geld oder sie machen die EU kaputt und sie akzeptieren, mal sehen wie lange noch, niemals die Relativierung des Nationalstaates zugunsten der EU. Die Front National in Frankreich könnte also zum Sprengsatz der EU werden oder das europäische Kapital entschließt sich endlich die gesamte Führungsstruktur der Partei zu kaufen und damit den französischen Bürgerwillen einzuhegen. Das wäre nur die konsequente Notwehr der europäischen Feudalherren und wir wissen schon lange die Not heiligt alle Mittel, jedenfalls für den der in Not ist! Manchmal reicht schon die Behauptung der Systemrelevanz und der Alternativlosigkeit. Sicher ist dabei nur eines, das angebliche Friedensobjekt EU, zusammen mit dem übelsten aller Übel dem Euro, wird noch für heftigsten Unfrieden sorgen. Es gibt nur noch den vorgezeichneten Weg in eine plutokratische Oligarchen-EU oder alles kracht zusammen und benötigt einen Neustart. Millionen von deutschen Staatsbürgern wollen aber nicht Jahrzehnte umsonst gebuckelt haben und stimmen auch in Zukunft mehrheitlich für die Feudal-EU, - egal was sie ihren Enkelgenerationen damit antun.

  • unser "verpflichtung" hat uns schon die DM eintauschn lassen gegn den euro.... und was hatt es gebracht ??

    mit den zinskonvergenzen wurde nur sinnfrei in Komsum invesstiert, wähnrend in D die kleinen Menschen verarmen....

    Denke nach 13 jahren Experiment hat D mehr wie seine Schuldigkeit erfüllt....

  • Wenn die EU und die EZB so weitermachen, bringt das mit hoher Sicherheit der AfD weitere Stimmen. Das Programm der AfD ist äußerst realistisch und lässt ein "Weiterso" in Brüssel und Berlin nicht zu. Für die Blockparteien wäre es tödlich. Die EU würde vor die Wand fahren. Unabhängig davon, was in Frankreich und Großbritannien passiert. Gut aber ist auch, dass alle Blockparteien entlarvt sind: Die AfD ist keine rechtsextreme Partei, sie vertritt die Vernunft der Wähler, wobei die Union längst die politische Mitte linkslastig verlassen hat, um der AfD Platz zu machen.

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