Italienische Anleihen Montis Patrioten-Bonds übertreffen alle Erwartungen

Italien platziert 18 Milliarden, soviel wie noch nie in einer einzigen Emission. Das Vertrauen der Märkte kehrt zurück, der Kleinanleger-Bond ist ein Riesenerfolg. Auch institutionelle Investoren haben massiv gezeichnet.
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Der Plan Mario Montis, sich mit den Staatsanleihen an Kleinanleger zu wenden, scheint aufgegangen zu sein. Quelle: AFP

Der Plan Mario Montis, sich mit den Staatsanleihen an Kleinanleger zu wenden, scheint aufgegangen zu sein.

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MailandMario Monti hat Grund zum Anstoßen: Das Vertrauen in Italien ist zurück, wie die jüngste Ausgabe der neuen Patrioten-Bonds zeigt. Diese hat selbst die kühnsten Erwartungen der Regierung übertroffen. Zum Ende der Zeichnungsfrist um 17:30 Uhr haben Investoren für rund 18 Milliarden Euro die Staatsanleihen BTP Italia gezeichnet.

Bei dem BTP Italia handelt es sich um extra auf Kleinanleger zugeschnittene Staatspapiere. Sie laufen vier Jahre und sind mit 2,55 Prozent verzinst. Hinzu kommt der Inflationsausgleich, und für Kleinanleger, die die Anleihen bis zum Schluss halten gibt es einen Extra-Bonus von 0,4 Prozent. Die Anleihe wird nicht über eine normale Auktion, sondern die eigens dafür geschaffene Handelsplattform MOT vertrieben und Sparer können die Papiere kommissionsfrei über das Internet, bei ihrer Bank oder bei der Post erwerben.

Italien hat für den BTP Italia keine Höchstgrenze festgesetzt, sondern sich verpflichtet, die gesamte Nachfrage der Anleger zu befriedigen. Es ist bereits das dritte Mal, dass Italien eine solche Anleihe begibt. Die erste im März galt mit mehr als sieben Milliarden bereits als Erfolg. Die zweite im Juni war mit 1,7 Milliarden Euro etwas weniger rühmlich. Diese dritte Anleihe dagegen übertrifft alle Erwartungen.

„Wir waren recht zuversichtlich, dass diese Emission besser laufen würde als die im Juni“ kommentierte Maria Cannata, als Direktorin im Schatzamt zuständig für das Management der Staatsverschuldung, die hohe Nachfrage. „Aber einen solchen Boom habe ich nicht erwartet“, sagte sie gegenüber dem Radiosender Radio 24.

Der Erfolg des Patrioten-Bonds zeigt, dass das Vertrauen in den italienischen Staat und dessen Zahlungsfähigkeit zurückkehrt. Auch der Spread– also der Risikoaufschlag gegenüber den deutschen Anleihen, zu dem Italiens Staatsanleihen gehandelt werden – sank diese Woche am Dienstag mit 312 Punkten auf den niedrigsten Stand seit März.

Weitere BTP Italia wird es vor Jahresende nicht geben „Dies ist sicherlich die letzte Emission in diesem Jahr“, sagte die Schatzamt-Verantwortliche Cannata. Auch wenn sich der BTP Italia nach Aussagen des Schatzamts vor allem an Kleinanleger richtet, war diesmal auch das Interesse der institutionellen Anleger enorm: Banken, Fonds und Versicherer haben schätzungsweise zwei Drittel der Anleihen gezeichnet. Beobachter gehen davon aus, dass auch viele Versicherer, die inflationsgeschützte Policen anbieten zugeschlagen haben.
Dem italienischen Staat kommt der Geldsegen nur recht: Er muss in diesem Monat seinen Beitrag von sechs Milliarden Euro für den europäischen Rettungsmechanismus ESM überweisen.

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16 Kommentare zu "Italienische Anleihen: Montis Patrioten-Bonds übertreffen alle Erwartungen "

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  • @ Europaeer,

    die Target2-Salden haben aber auch mit den Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite.
    Das Problem der Leistungsbilanzungleichgewichte innerhalb einer Währungsunion ist überhaupt noch nicht angegangen worden.

  • @ Adolf,
    george.orwell war in der Schule zu sehr mit Roman Lesen beschäftigt und hat daher im Physikunterricht nicht aufgepasst, das nennt sich das "Prinzip der kommunizierenden Röhre" die Natur will immer einen Ausgleich, sie hasst Ungleichgewichte. Deswegen ist es nur Recht und Billig dass die Moneten zurückgegeben werden.
    Mir ist aber unverständlich warum die Deutsche immer am Bunkern sind, klar dass sie dann sauer sind wenn die Moneten umsonst zurückgegeben werden müssen. (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ george.orwell,
    was heisst hier "zurückholen" Ihr Deutsche habt sie nur zurückgegeben ( ca. 1.000 Milliarden), die stammen aus den chronischen deutschen enormen Leistungsbilanzüberschuss (seit 18 Jahren circa 16 Milliarden PRO MONAT, ich wiederhole PRO MONAT) selbst ausrechnen, da bleibt sogar Spielraum für weitere Rückgaben.

  • @ george.orwell,
    als viel bereister Ausländer muss ich feststellen dass nur die Deutsche so eingebildet sind.
    Nur warum es so ist habe ich noch nicht verstanden, es ist aber so!
    Aber Einbildung ist auch eine Bildung, gel?

  • ..ich fürchte nur dafür ist es zu spät - ca. 1.000 Milliarden sind weg (inkl. Target2) - wie wollen wir die zurückholen?

  • Das Vertrauen in die Märkte in die grenzenlose Dummheit der Deutschen ist zurückgekehrt. Juhu.

  • Zitat: "Ich finde es gut und klug, dass die reichen italiensichen Privatleute endlich wieder Geld an den Staat geben, und das freiwillig."

    Die Italiener haben halt einen gewissen Stolz auf ihr Land, auch wenn sie nicht mit allem einverstanden sind, was dort abläuft.
    Das ist für manche Menschen in Deutschland unvorstellbar. Die haben sich aufs Pöbeln ohne jede Verantwortung versteift.

    Wenn die wohlhabenden Menschen in den Krisenländern erkannt haben, dass ein in Griechenland, Italien oder Spanien angelegter Euro genauso sicher ist, wie ein in Deutschland angelegter Euro ist auch die Scheindiskussion um die Target2-Salden Geschichte.

  • ...ein kleiner aber richtiger Schritt in die richtige Richtung... ...man muß nun dort aber aufpassen, daß man nicht ansatzweise japanische Verhältnisse schafft, wobei der kleine Unterschied darin besteht, daß die Italiener keine eigene Notenpresse haben...

    In jedem Fall wird gerade etwas Druck aus dem Kessel genommen, was gut ist...

  • @ Malvin,

    "Noch können die Italiener die Kurve kratzen"
    nicht die Italiener, die EU sollte es heissen

  • Ich finde es gut und klug, dass die reichen italiensichen Privatleute endlich wieder Geld an den Staat geben, und das freiwillig.

    D.h. eines ist klar: Deutschland und die anderen Nationen wären nie und nimmer in der Lage ein Land wie Italien zu stützen. Dafür gäbe es auch keine Mehrheiten. Daher müsste man - was ich auch für richtig halte - am Ende doch Zwangsanleihen ausgeben, für weniger Rendite, damit die Italiener selbst ihren eigenen verschuldeten Staat retten.

    Noch können die Italiener die Kurve kratzen.

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