Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Junk Bonds Warum Hochzinsanleihen eine Renaissance feiern

Zu Jahresbeginn gab es in Europa keinen einzigen Junk-Bond-Emittenten mit negativer Rendite. Heute sind es 14, darunter Nokia und Smurfit Kappa.
Kommentieren
Mittlerweile zahlen Investoren dafür, dem einstigen Krisenkonzern Geld zu leihen. Quelle: Reuters
Nokia-Handy

Mittlerweile zahlen Investoren dafür, dem einstigen Krisenkonzern Geld zu leihen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Pierre Verlé kennt sich aus mit finanziellen Schieflagen. Bevor er als Portfoliomanager für Unternehmensanleihen beim französischen Vermögensverwalter Carmignac anheuerte, leitete er einen Fonds, der auf überschuldete Unternehmen spezialisiert war. Doch mittlerweile sind es nicht die Unternehmen kurz vor der Pleite, die aus seiner Sicht ein großes Risiko für die Finanzmärkte darstellen. Es sind die hohen Bewertungen für Schuldtitel von vermeintlich sicheren Firmen und Staaten.

„Die Zentralbanken fluten die Märkte mit Liquidität“, sagt Verlé. „Die finanzielle Repression hat eine große Blase bei sicheren Anlagen entstehen lassen.“ Mit „Repression“ ist gemeint, dass die Geldpolitik letztlich Werte von Sparern zu Schuldnern transferiert.

Viele Staatsanleihen und eine Reihe von Unternehmensanleihen werfen inzwischen negative Renditen ab: Investoren zahlen dafür, den Schuldnern Geld leihen zu dürfen. Immer mehr Investoren werden so aus dem Markt gedrängt, sagt Verlé. Auf der Suche nach Rendite investieren sie in riskantere Segmente wie Hochzinsanleihen.

Die Folge: Seit Jahresbeginn haben sich europäische Hochzinsanleihen im Schnitt um rund neun Prozent verteuert. Bei US-Hochzinsanleihen waren es sogar zehn Prozent. Der Markt treibt immer neue Blüten. Derzeit gibt es dem Finanzdienst Bloomberg zufolge gut ein Dutzend Unternehmen, deren Anleihen von den Ratingagenturen als „Ramsch“ eingestuft werden und daher zu den Hochzins-Bonds zählen, die aber trotzdem eine negative Rendite abwerfen. Dazu zählen der Netzausstatter Nokia und der französische Telekom- und Medienkonzern Altice. Bei Nokia liegt die Brief-Rendite für einen bis 2021 laufenden Bond derzeit bei minus 0,14 Prozent.

Aus Sicht von Anleiheexperten geht von diesen extremen Preisverzerrungen ein erhebliches Risiko aus. Je länger die Negativzinsphase anhält, umso drastischer kann der Abschwung werden, befürchten sie.

Gefährliche Anreize

LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert bestätigt: „Die Europäische Zentralbank hat die Preise ruiniert.“ Das Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen habe dazu geführt, dass immer mehr Investoren in Hochzinsanleihen investiert haben, um noch einen positiven Zinsüberschuss generieren zu können. Dass es mittlerweile negativ rentierende Hochzinsanleihen gibt, ist für ihn nur die logische Folge dieser Entwicklung: Die Papiere würden von Emittenten ausgegeben, die kurz davor stehen, eine gute Bonität, ein sogenanntes Investment-Grade-Rating, zu erhalten. „Das nehmen die Märkte in der Regel vorweg“, sagt Burkert.

Die Anreize, die solche Finanzierungsbedingungen schaffen, seien gefährlich, warnt Carmignac-Manager Verlé: Unternehmen erhöhen ihren Verschuldungsgrad. Die Überzeugung vieler Investoren, dass Hochzins-Unternehmen mit einem sogenannten Zweifach-B-Rating sichere Anlagen sind, sei ein Trugschluss. Diese Unternehmen können zwar bei guter Konjunktur darauf hoffen, in das Investment-Grade-Segment aufzusteigen. Doch Verlé warnt: „Viele Papiere sind sehr riskant.“

Das liegt auch an einer Entwicklung, die auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist, sondern sich tief im Kleingedruckten der Anleihebedingungen verbirgt. So gibt es eine Reihe von Firmen, die erst kurz vor einer Hochstufung zum soliden Schuldner stehen, aber jetzt schon zu diesen Bedingungen Anleihen ausgeben. Die Ratingagentur Moody’s bezeichnet solche Emissionen als „High Yield Lite“. Schutzmechanismen für Gläubiger, die bei Hochzinsanleihen üblich sind, werden bei diesen Emissionen bereits weggelassen. So fehlen mitunter Beschränkungen für den Verschuldungsgrad und Regeln für die Dividendenpolitik. Dieses Privileg räumen Investoren sonst nur Unternehmen mit guter Bonität ein.

Im Klartext heißt das: Ein Unternehmen wie Fiat könnte sich zu ähnlichen Bedingungen verschulden wie beispielsweise Daimler oder VW, nur weil die Investoren glauben, dass Fiat in Zukunft so solide wirtschaftet wie die deutsche Konkurrenz. Moody’s zufolge dominierten in der ersten Jahreshälfte diese sogenannten „High Yield Lite“-Emissionen. Bis Ende April machten sie mehr als die Hälfte aller Hochzinsemissionen aus.

Anleger im Nachteil

Hält die Niedrigzinsphase weiter an, müssen Investoren nicht nur mit einer weiteren Aufweichung der Anleihebedingungen zu ihren Ungunsten rechnen. Sie werden sich auch auf immer niedrigere nominelle Zinsen einstellen müssen, sagt LBBW-Chefvolkswirt Burkert. Die Bundesrepublik hat kürzlich erstmals seit 2016 eine zehnjährige Bundesanleihe mit einer festen Verzinsung von null Prozent ausgegeben. An diesem Trend werden sich auch die Unternehmen orientieren und ebenfalls Anleihen mit extrem niedrigen Zinsen am Markt platzieren, so Burkert. „Wenn sich der Trend fortsetzt, werden wir auch in Europa, ähnlich wie in Japan, extrem niedrige Kupons haben.“

Grafik

Für Anleger ist diese Situation gleich in zweifacher Hinsicht misslich: Zum einen senkt es den Zinsertrag, den sie sicher erhalten. Und zum anderen steigt das Verlustrisiko, sollte die EZB doch eines Tages die Zinswende einleiten. Erhöht die Notenbank ihre Leitzinsen, sind Kursverluste bei Anleihen programmiert. Die Kursverluste fallen umso größer aus, je geringer der Kuponzins und je länger die Restlaufzeit einer Anleihe ist.

Viele Experten sind sich einig: Die Niedrigzinspolitik der EZB führt dazu, dass sich Unternehmen immer langfristiger zu immer geringen Kuponzinsen und mit immer schlechterer Absicherung für die Gläubiger verschulden. All diese Faktoren können im Krisenfalls einen Ausverkauf verstärken.

Mehr: Fünf Gründe, warum die Anleihen-Rally ein Grund zur Sorge ist.

Startseite

Mehr zu: Junk Bonds - Warum Hochzinsanleihen eine Renaissance feiern

0 Kommentare zu "Junk Bonds: Warum Hochzinsanleihen eine Renaissance feiern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote