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Kapitalmarkt Geldpolitik und Zollstreit – Darum spielt der deutsche Kapitalmarkt verrückt

Donald Trump bringt mit seiner neuen Attacke im Handelskrieg die Kurse ins Schleudern. Der deutsche Kapitalmarkt spürt den Stress besonders stark.
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Donald Trumps jüngste Attacken auf China erschüttern von New York aus die Weltbörsen. Quelle: Andre Kohls / VISUM
Wall Street

Donald Trumps jüngste Attacken auf China erschüttern von New York aus die Weltbörsen.

(Foto: Andre Kohls / VISUM)

Frankfurt Die Märkte spielen verrückt, und das Chaos erfasst Deutschland besonders heftig. So lassen sich die Reaktionen am Freitag zusammenfassen, nachdem am Tag zuvor Präsident Donald Trump angekündigt hatte, dass die USA ab dem 1. September Zölle in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Waren und Produkte im Wert von 300 Milliarden US-Dollar erheben werden.

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik rutschte die Rendite der Bundesanleihe mit 30-jähriger Laufzeit danach zeitweise in den negativen Bereich. Damit waren alle am Markt erhältlichen Bundeswertpapiere unter null gelandet. Die 30-jährige Anleihe ist das Wertpapier mit der längsten Laufzeit, das der deutsche Staat ausgibt. Auch die Kurse der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe kletterten deutlich, und im Gegenzug sank die Rendite zeitweilig auf minus 0,5 Prozent – ebenfalls ein historisches Tief. Die deutschen Aktien gaben gemessen am Leitindex Dax um 3,1 Prozent nach – ein deutlicher Rückgang, der allerdings in Frankreich noch übertroffen wurde. Der Europäische Leitindex Stoxx 600 verlor am Freitag rund 2,5 Prozent.

Die Reaktionen vom Freitag lassen erahnen, was Anlegern in der Zukunft blüht. Weil Trumps Handelspolitik unberechenbar bleibt, kommt es immer wieder zu heftigen Ausschlägen in beide Richtungen. Sollte Großbritannien ohne Vereinbarung aus der Europäischen Union (EU) scheiden, also den harten Brexit durchziehen, wäre ebenfalls eine starke Reaktion fällig.

Aber Trumps Politik und der Brexit sind nicht die einzigen Gründe zur Sorge. Ein Tag vor Trumps Attacke enttäuschte die US-Notenbank (Fed) die Anleger. Ihr Chef Jerome Powell senkte zwar wie erwartet die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne zwischen 2,0 und 2,25 Prozent. Aber er ließ die Investoren im Unsicheren, wie es weitergeht. Für Konfusion sorgte seine Andeutung, es handele sich eher um eine vorübergehende Anpassung als um den Beginn einer ganzen Reihe von Zinssenkungen. Powell trug damit der Tatsache Rechnung, dass die US-Konjunktur bisher sehr gut läuft. Mittelfristig ist es auch für die Kapitalmärkte besser, sich nicht allzu sehr auf die Geldpolitik zu verlassen, die sie ohnehin schon zu sehr verwöhnt hat. Aber Trump stieß mit seiner neuen Attacke genau in diese Unsicherheit hinein.

Das System treibt die Kurse

Bedenklich ist dabei, dass die Märkte gespalten sind. Nikolaos Panigirtzoglou von JP Morgan leitet aus einer Analyse der amerikanischen Zinsstrukturen ab, dass die Anleihemärkte schon nach der Zinssenkung der Fed, aber noch vor Trumps Ankündigung praktisch eine Rezession prognostiziert haben. Das stehe aber im Gegensatz zu den Märkten für Aktien und Hochzinsanleihen, die eher die Erwartung einer vorübergehenden Schwäche widerspiegeln. „Wahrscheinlich wird sich herausstellen, dass einer der beiden Marktbereiche falschliegt“, schreibt er.

Es kommt noch besser: Nach Auffassung von Torsten Slok von der Deutschen Bank in New York ist der Aktienmarkt in sich noch einmal gespalten. Nach seiner Aussage hat die Aktienanlage durch systematische, an Kennzahlen orientierte Investoren in diesem Jahr einen Höhepunkt erreicht und beginnt leicht zu bröckeln. Dagegen haben Anleger, die von Fall zu Fall Entscheidungen treffen, ihre Aktienbestände schon länger reduziert.

Slok warnt davor, dass sich die Positionen der System-Anleger sehr schnell auflösen können. Denn die wachsen in der Regel automatisch, wenn niedrige Schwankungen niedrige Risiken anzuzeigen scheinen, und werden sehr schnell abgebaut, wenn die Schwankungen zunehmen.

Finance Briefing
Zu wenig deutsche Anleihen
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